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Abschlussbericht vorgelegt : Pilotenfehler führten zum Absturz der Schweizer Ju52

  • -Aktualisiert am

Die Ju52 war bei gutem Wetter und bester Sicht abgestürzt. Bild: Reuters

Der Absturz einer Schweizer Junkers Ju52 vor drei Jahren machte weltweit Schlagzeilen. Jetzt kam die Absturzursache heraus – es war menschliches Versagen.

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          Die Nachricht im Hochsommer 2018 schockte Fans historischer Flugzeuge und Aviatikexperten gleichermaßen: Am 4. August vor drei Jahren war eine Junkers Ju52 der schweizerischen Ju-Air aus Dübendorf bei Zürich in den Alpen abgestürzt. 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder starben, es gab keine Überlebenden. Sofort begann das Rätselraten. Die Ju52 war bei gutem Wetter, bester Sicht und einer außergewöhnlich erfahrenen Crew abgestürzt. Zudem gilt die dreimotorige Maschine als robust und gutmütig zu fliegen. Die Ende der 1930erjahre bei Junkers in Dessau gebaute „Tante Ju“ mit dem Kennzeichen HB-HOT schlug nahezu senkrecht in einem über 2500 Meter hoch gelegenen Talkessel vor dem Schweizer Berggipfel Piz Segnas auf.

          Ende Januar wurde nun der Abschlussbericht der schweizerischen Unfallermittler der Sicherheits-Untersuchungstelle SUST veröffentlicht. Die SUST ist quasi das eidgenössische Pendant zur deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Ihr Bericht sieht mehrere Fehler der Cockpitcrew als Ursache für das Unglück. Beide Piloten hatten eine ähnliche berufliche Karriere in der schweizerischen Aviatik sowohl als Militär- wie auch als Zivilpiloten bei Fluggesellschaften absolviert und kannten sich aus vielen gemeinsamen Flügen mit der Ju52 gut. Zudem waren beide als Flugkapitäne auf der Ju52 qualifiziert und mit jeweils mehr als 19.000 Flugstunden extrem erfahren.

          Anders als etwa bei der deutschen Ju52 D-AQUI der Lufthansa wird die Schweizer Ju52 im Flug nur von den beiden Piloten bedient, es ist also ein Zweipersonen-Cockpit. Bei der kürzlich ausgemusterten deutschen Ju52 war hingegen auch immer noch ein Flugingenieur mit im Cockpit, der sich vor allem um die Bedienung und Überwachung der drei Sternmotoren kümmerte.

          Trotz dieser überaus großen Erfahrung und einem guten Trainingsstand auf der Ju52 wurde den Piloten allerdings im Untersuchungsbericht die Wahl eines riskanten Flugwegs attestiert. Bereits bei einigen früheren Flügen hätte die Crew laut der SUST einige Male die vorgeschriebenen Sicherheitsmindesthöhen über Grund nicht eingehalten. So schreibt die SUST: „Das Verhalten der beiden Piloten zeigt, dass sie manche Regeln für einen sicheren Flugbetrieb als für sich nicht verbindlich erachteten und auch bereit waren, hohe Risiken einzugehen.“ Die SUST-Ermittler formulieren deshalb sehr eindeutig zu den Gründen für den Absturz: „Die Flugbesatzung wählte einen hochriskanten Flugweg, der aufgrund der geringen Flughöhe über dem Gelände und des fehlenden Drehraums keine Auswege oder Korrekturmöglichkeiten bei Fehlern, Störungen und Wettereinflüssen bot. Die Flugbesatzung führte das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit, die für den gewählten Flugweg zu tief lag und damit gefährlich war.“

          Warum war dieser Flugweg riskant? Um in den Bergen über einen Pass zu fliegen, wird üblicherweise zuvor erst eine ausreichend sichere Höhe zum Überfliegen eingenommen, vor allem bei eher leistungsschwachen Propellerflugzeugen. Damit stellt der Pilot sicher, dass sein Flugzeug trotz etwaiger Abwindfelder vor dem Pass oder bei Turbulenz genügend Höhe hat, um diesen entweder sicher zu überfliegen oder rechtzeitig abdrehen zu können. Üblicherweise wird etwa in einem engen Tal nicht in dessen Mitte, sondern auf einer Talseite geflogen, um bei Problemen genügend Platz für eine sogenannte Umkehrkurve, also eine 180-Grad-Wende, zu haben. Die Ju52-Crew flog an diesem Tag den Pass aber wohl aus der Talmitte heraus an. Zudem war beim Unglücksflug die Höhe laut der SUST nicht ausreichend, um den Pass sicher überfliegen zu können. Bereits früher einmal, am 6. Juli 2013, habe der beim Unglücksflug als Copilot fungierende Flugkapitän laut der SUST in „hochriskanter Weise“ den Pass unterhalb des Piz Segnas mit der Ju52 überflogen. Damals habe er diesen mit lediglich 30 Meter Überhöhung überquert.

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