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Abschlussbericht vorgelegt : Pilotenfehler führten zum Absturz der Schweizer Ju52

  • -Aktualisiert am
17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück.
17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück. : Bild: Reuters

Dazu kamen weitere Faktoren. So ist dem Bericht zu entnehmen: „Der Einflug mit ungenügenden Sicherheitsmargen in für das Hochgebirge im Sommer übliche Wetterbedingungen führte zumindest zum zeitweiligen Verlust der Kontrolle über das Flugzeug. Während des Versuchs, die Kontrolle über das Flugzeug wiederzuerlangen, kam es zu einem Strömungsabriss durch eine zu hohe Normalbeschleunigung, der zu einem annähernd senkrechten Aufprall führte.” Der Aufschlag mit etwa 200 km/h war für keinen der 20 Menschen an Bord überlebbar.

Wäre dieser Strömungsabriss aber in großer Höhe passiert, hätte die Crew die Ju52 problemlos wieder abfangen und in eine normale Fluglage überführen können. Das Manöver, wie eine Maschine nach einem Strömungsabriss wieder „recovert“ wird, üben Piloten bei ihren Checkflügen oder im Rahmen des Crewtrainings üblicherweise immer wieder.

Wetter war kein Faktor

Ausgeschlossen werden kann laut dem Bericht der SUST, dass technische Probleme Grund für den Absturz gewesen seien. Zudem liefen die drei originalen BMW-Sternmotoren beim Aufschlag noch mit hoher Drehzahl. Außerdem wurde laut dem SUST-Bericht eine große Menge ausgetretenes Flugbenzin Avgas am Wrack festgestellt, was Treibstoffmangel ausschließt. Auch die Fluginstrumente, insbesondere die Höhenmesser der Ju52, hätten laut den Ermittlungen der SUST korrekt angezeigt. Die Crew habe also während ihres Sichtflugs die richtige Höhe angezeigt bekommen. Das Wetter war trotz hoher Temperaturen am Unfalltag laut der SUST kein Faktor, der zum Geschehen beigetragen habe. Die Sichten waren gut und das Wetter entwickelte sich gemäß der Prognose, die beide Piloten kannten.

Allerdings werden neben den Piloten auch den Verantwortlichen für den Flugbetrieb bei der Ju-Air in dem Abschlussbericht deutliche Versäumnisse oder Fehler deutlich vorgehalten. So schreibt die SUST: „Beim Betrieb des Musters Ju 52/3m g4e hielten sich vor allem Flugbesatzungen mit einer Ausbildung als Luftwaffenpiloten häufig nicht an allgemein anerkannte Grundsätze für eine sichere Flugführung im Gebirge. Insbesondere wurden systematisch sichere Flughöhen und Abstände zu Hindernissen deutlich unterschritten. Die wesentlichen Risiken des Flugbetriebs, die zum Unfall geführt haben, wurden weder vom Flugbetriebsunternehmen analysiert noch wurden eine solche Risikobeurteilung bzw. entsprechende Abhilfemaßnahmen von der Aufsichtsbehörde je verlangt.“

Auch die Aufsichtsbehörde, das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL, vergleichbar dem deutschen Luftfahrt-Bundesamt, habe bei Kontrollen oder Inspektionen nicht genau genug hingeschaut. Zudem habe das BAZL auf Beschwerden über zu tief fliegende Ju52-Piloten nicht oder nicht ausreichend reagiert, so die SUST. Das Fazit der SUST sieht die Gründe des Absturzes also in Fehlern der beiden Piloten bei der Wahl des Flugwegs, der ungeeigneten Flugtaktik im Gebirge und der ungenügenden Geschwindigkeit. Diese Fehlerkette hätte zum Unglück geführt.

Es wird vermutet, dass die Lufthansa auch wegen dieses Unglücks ihre zuvor üblichen Zuschüsse für den Flugbetrieb der Ju52 D-AQUI der deutschen Lufthansa Berlin Stiftung stoppte, was zum Grounding des Oldtimers führte.

Nur noch sechs Passagiere

Ob die Schweizer Ju-Air, die zum „Verein der Freunde der Schweizerischen Luftwaffe“ gehört, jemals wieder eine Ju52 betreiben wird, steht wohl in den Sternen. Zudem hat das Schweizer BAZL wohl als Reaktion auf den Ju52-Unfall verfügt, dass seit diesem Jahr nur noch maximal sechs Passagiere in schweizerisch zugelassenen Oldtimerflugzeugen befördert werden dürfen.

Auch eine am Bodenseeflughafen St. Gallen-Altenrhein stationierte Ju52 mit dem Kennzeichen HB-HOS, die bis 2019 der Ju-Air gehörte, ist davon betroffen. Sie ist heute im Besitz der Junkers Flugzeugwerke des deutschen Unternehmers und Piloten Dieter Morszeck, der sie derzeit wieder flugtüchtig restaurieren lässt. Sie soll ab etwa 2023, dann aber mit lediglich sechs Passagieren und moderneren Pratt&Whitney-Sternmotoren anstelle der originalen BMW-Triebwerke sowie einem zusätzlichen Autopiloten wieder abheben.

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