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Piaggios Kleintransporter : Von der Biene zum Gepäckträger

  • -Aktualisiert am

Der Ape Calessino im Stil der fünfziger Jahre Bild: Hersteller

Seit mehr als 60 Jahren baut Piaggio außer seinen weltberühmten Rollern auch Kleintransporter. Spricht das klassische Dreiradgefährt Ape eher Herz und Bauch an, so kommt die moderne Porter-Baureihe ganz rational daher.

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          Nur zwei Jahre nach der „Wespe“ rollte schon die „Biene“ über italienisches Kopfsteinpflaster und durch die engen Gassen von Florenz, Rom oder Neapel. Die seit 1946 produzierte Vespa ist heute der Kultroller schlechthin, die dreirädrige Ape genießt einen ähnlichen Ruf. Der Kleintransporter aus dem Hause Piaggio hat in den mehr als 60 Jahren seiner Produktion das Straßenbild südeuropäischer Städte geprägt wie kaum ein anderes Nutzfahrzeug.

          Dort, wo kein anderer Transporter mehr Obst, Gemüse oder Weinkisten hinliefern kann, bahnt sich die Ape immer noch ihren Weg. Die Wendigkeit in den verwinkelten Altstädten Italiens, die geringen Außenmaße und die bis zu 700 Kilogramm Tragkraft sind die entscheidenden Vorzüge der fleißigen Biene. Für die Werbung transportierte man sogar ein Elefantenbaby auf einer Ape, um die Belastbarkeit der Stahl-Blech-Konstruktion unter Beweis zu stellen. Der Urtyp der Ape war eigentlich eine Vespa mit Ladefläche am Heck, mit 125-Kubik-Motor und Viergangschaltung. 1956 folgte das erste Ape-Modell mit der bis heute vertrauten Mini-Kabine für den Fahrer. Normal gewachsene Mitteleuropäer kommen sich darin vor wie in einer Sardinenbüchse.

          Bis 1969 hatte Piaggio schon mehr als eine Million Einheiten dieses urigen Fahrzeugtyps verkauft, der momentan als Pick-up (Ape TM) und als nostalgischer Mehrsitzer „Calessino“ im Stil der fünfziger Jahre angeboten wird. Hierzulande sieht man die Ape recht häufig als rollende Currywurst-Bude oder als Espresso-Bar auf Rädern. Knapp 2000 Dreiräder verkaufte Piaggio im vergangenen Jahr alleine in Deutschland, bei Preisen von 4300 Euro für eine 50-Kubik-Ape bis zu 8800 Euro für die Cabrio-Ape im Stil der sechziger Jahre ein nicht zu unterschätzendes Geschäft. Für eine Calessino mit Elektroantrieb sind sogar 23 681 Euro fällig.

          Der Kleinlieferwagen Porter von Piaggio
          Der Kleinlieferwagen Porter von Piaggio : Bild: Hersteller

          Die Höchstgeschwindigkeit beträgt nominell 130 km/h

          Umweht die Ape immer noch ein Hauch von Dolce Vita, so sind deren große Brüder, die seit 1992 gebauten Piaggio Porter (übersetzt Gepäckträger), reine Nutzfahrzeuge. Wesentlicher Unterschied zu den Klassikern sind die vier Räder und die leistungsstärkeren Motoren mit bis zu 1300 Kubikzentimeter Hubraum und 52 kW (70 PS). Am Grundkonzept - kleine Fahrerkabine, überschaubare Maße, universelle Einsatzmöglichkeit - hat sich dagegen kaum etwas geändert. Basierte der Porter anfangs auf dem Kleintransporter Daihatsu Hijet, den Piaggio in Lizenz fertigte, so geht der Konzern inzwischen eigene Wege. Kürzlich haben die Italiener die neue Porter-Baureihe mit eigenen, bei Piaggio in Pontedera entwickelten und im Piaggio-Werk in Baramati in Indien produzierten Benzin- und Dieselmotoren vorgestellt.

          Beim P120-Diesel handelt es sich um einen Reihenzweizylinder-Turbodiesel mit 1200 Kubikzentimeter Hubraum, Common-Rail-Einspritzung, obenliegender Nockenwelle und vier Ventilen je Zylinder. Die Euro-5-Abgasnorm wird mittels Partikelfilter und Abgasrückführung erreicht. Die 47 kW (63 PS) stellt der neue Antrieb schon bei 3500/min zur Verfügung. Besaßen die ersten Ape-Modelle noch die bekannte Vespa-Handschaltung, so bedient der Porter-Fahrer heute ein Fünf-Gang-Getriebe, wie man es aus einem Personenwagen kennt. Schaltfaul sollte man nicht sein, um dem um die 1000 Kilogramm wiegenden Kastenwagen Beine zu machen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt nominell 130 km/h. Schon bei geringerem Tempo allerdings erreicht der Geräuschpegel ein Niveau, das den Fahrer vom Überprüfen der Angabe abhält. Piaggio gibt für den Reihenzweizylinder einen Verbrauch von rund fünf Liter auf 100 Kilometer an. Da bewegt sich der Porter auf dem Niveau eines Smart-Benziners.

          Zur Serienausstattung gehören Servolenkung und Antiblockiersystem

          Der zweite neue Antrieb ist der MultiTech-Benziner, ein flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder-Motor mit 1,3 Liter Hubraum, zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen je Zylinder. Gegenüber dem Daihatsu-Vorgänger weist der neue Piaggio-Motor ein geändertes Bohrung-Hub-Verhältnis (71×83 mm), mehr Leistung (52 kW/71 PS), mehr Drehmoment (105 Nm) und einen deutlich geringeren CO2-Wert (156 g/km) auf. Der Treibstoffverbrauch soll sich um rund ein Drittel auf 6,7 Liter auf 100 Kilometer reduzieren. Die Beschleunigungs- und Höchstgeschwindigkeitswerte sollen denen des Diesel-Porter entsprechen.

          Nicht nur beim Antrieb, auch in Sachen Fahrwerk und Sicherheit haben die neuen Porter ordentlich zugelegt. So bieten die auf 13 Zoll vergrößerten Räder deutlich mehr Komfort und Fahrstabilität auf holprigem Untergrund. Zur Serienausstattung gehören Servolenkung und ein Antiblockiersystem für die Bremsen, die einen intensiven Druck aufs Pedal verlangen, um richtig Wirkung zu zeigen.

          Mit der Porter-Baureihe bietet Piaggio ein umfangreiches Nutzfahrzeugprogramm an. Gefertigt wird hauptsächlich in Indien für den asiatischen Markt, aber auch in Italien produziert Piaggio den Porter in zahllosen Varianten, vom normalen Personentransporter über „Streifenwagen“ für die Carabinieri bis zum Feuerwehr-Fahrzeug inklusive Löscheinrichtung. Sogar eine Transit-Variante mit Elektromotor wird seit 15 Jahren angeboten. Weltweit kommt Piaggio so auf jährlich 180 000 Porter. Interessant sind die mindestens 13 000 Euro kostenden Mini-Lieferwagen wegen ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten nicht zuletzt für Kleinbetriebe und Handwerker. Zumal man ein bisschen Kultfaktor miterwirbt.

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