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Peugeot und Renault : Der Raum ist das Ziel

  • -Aktualisiert am

Renault Trafic und Peugeot Traveller Bild: Hersteller

Der VW Bus hat als Fahrzeug für die größere Familie keine Alleinstellung mehr. Die Auswahl an Raum-Fahrzeugen ist groß. Erkenntnisse aus Begegnungen mit einem Peugeot und einem Renault.

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          Auf der Suche nach Raum auf Rädern für Familie oder Freizeit, einfach für die etwas üppigere Mobilität des privaten oder beruflichen Alltags landete über Jahrzehnte hinweg (fast) jeder bei Volkswagen. Kaum einer kam vorbei am käferartig-kultigen VW Transporter, der später als Bully oder Multivan vorfuhr, und schließlich in immer noblerem und teurerem Habitus als Volkswagen Multivan 6.1 seinen womöglich letzten großen Auftritt erlebte. In naher Zukunft ist wohl mit einem Nachfolger zu rechnen. Denn es haben immer mehr talentierte Konkurrenten aufgeholt mit pfiffigen Konzepten, starken Leistungen und vor allem mit der Freiheit des neuen Raums auf Rädern.

          Fast alle Marken mit Großserien-Charakter führen diese räumlich großzügigeren Modelle im Programm. Es mangelt an einem Gattungsnamen für sie, deshalb etikettieren wir sie mit „Cabins“. Ihre Vorfahren waren nicht selten klapperige Kleinbusse; dann machten sich die von Amerika inspirierten Vans immer breiter. Bis diese von den noch immer haussierenden mehr oder weniger mächtigen SUV-Typen aus dem Markt gedrängt wurden. Nun treten die Cabins gegen diese einstigen SUV an, und wir glauben: Ihnen könnte jener Part des mobilen Lebens zuwachsen, dem die Freude an der Vernunft des Fahrens entspringt. Etwa ein Dutzend Typen mit diversen Modellen und Varianten bietet der deutsche Automarkt. Einige davon sind eng verwandte Geschwister verschiedener Marken, sind aufgrund von Kooperationen oder Konzern-Verwandtschaften auf gemeinsamen Plattformen unterwegs oder aus einer besonderen Verbindung hervorgegangen: Ihre Basis bilden die jungen Nutzfahrzeuge oder diverse Ableitungen gewerblich genutzter Mobile.

          Allerdings haben diese Rechenstift-Konstruktionen auch Nachteile, und wie häufig melden sich da die Kunden mit ihren Ansprüchen zu Wort: Gewerbemobile müssen vor allem robust, am besten wartungsfrei für immer und für unterschiedlichste Einsätze nutzbar sein. Da war selten die Rede von Servolenkung und elektrischen Helferlein, Bedienungserleichterungen. Höhere Ansprüche bei passiver Sicherheit und Straßenlage oder elektronisch geregelten ABS-Verzögerungen hakte einst der Fuhrparkmann mit dem Rotstift in der Hand ab. Der Ort im Führerhaus galt noch immer als Arbeitsplatz.

          Im Renault Trafic ... Bilderstrecke
          Raum-Fahrzeuge : Peugeot und Renault

          Aber als die teure Elektronik für Fahrwerke und Bremsen billiger wurde, positionierten sich ABS, ESP und Airbags auch in den Nutzfahrzeugen. Vor allem auf Robustheit und lange Lebensdauer gepolte Motoren und Getriebe waren auch von Privatkunden als übertragene Nutzfahrzeug-Eigenschaften dankbar akzeptiert worden. Statt mit Kupplung und Schalthebel zu arbeiten, kümmerten sich Automatikschaltungen auf Nachfrage der neuen Kunden um den richtigen Gang. Mit neuen, wertvoller wirkenden und haptisch angenehmeren Materialien für die Innenausstattung und höherem Einsatz von Elektromotoren für Sitzverstellung, Fensterheber, Schließsysteme und Navigation/Entertainment wurden die früher karg ausstaffierten Gewerbemobile für den privaten Kunden attraktiver. Außerdem sorgte die Basis-Technik der Gewerbemobile für kraftstrotzende, leiser laufende und noch sparsamere Dieselmotoren, dank direkter Einspritzung und Abgasturboladern. Für die Passagiere wanderten feiner und automatisch reagierende Klimaanlagen in die Ausstattungslisten. Zumal auch das Design gelernt hatte, die Nutzfahrzeuge ohne Preisgabe ihrer inneren Qualitäten attraktiver einzukleiden. Ein moderner Cabin musste nicht mehr nur dem sparsamen Handwerker gefallen, sondern durfte auch die Eltern der Kinderschar entzücken.

          Damit waren die entscheidenden Schritte hin zu den privaten Kunden getan: Ihnen wurde ein Vernunft-Mobil geliefert, das großen Raum und sogar die Freude am Fahren vermittelte. Die Versprechen auf Robustheit und Qualität wurden dennoch immer besser eingelöst, und Verarbeitung sowie Materialqualität näherten sich schnell den gewohnten Standards der konventionellen Mittelklasse. So waren die neuen Cabins geboren, und unsere jüngsten Erfahrungen mit zwei Exemplaren aus großen Nutzfahrzeug-Familien machen Mut für die Zukunft.

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