https://www.faz.net/-gy9-a3rwv

Pekinger Automesse : Autobauer hoffen auf China

  • Aktualisiert am

Besucher auf der Pekinger Automesse probieren den neuen Mercedes V260 L SPV. Bild: Reuters

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie kommt die Autowelt wieder in China zu einer großen Messe zusammen. Die Aussichten für den größten Automarkt sind gut - aber auch die Abhängigkeit von China wächst.

          2 Min.

          In der globalen Corona-Krise setzen die deutschen und internationalen Autobauer große Hoffnungen auf die Erholung in China. Zum Auftakt der internationalen Autoausstellung am Samstag in Peking sagten Experten einen weiteren Zuwachs auf dem weltgrößten Automarkt in China bis Jahresende und auch im nächsten Jahr voraus. Während das Geschäft weltweit stark eingebrochen ist, wachse die Bedeutung Chinas noch. Es wurde als „wesentlicher Stützpfeiler“ oder „Rettungsanker“ beschrieben. Die „Auto China 2020“ ist die erste große internationale Ausstellung der Branche seit mehr als einem Jahr.

          Da China das Coronavirus weitgehend im Griff hat und schon lange kaum noch lokalen Infektionen zählt, konnte die im Frühjahr zunächst verschobene Ausstellung nachgeholt werden. In den Vorjahren hat die abwechselnd in Shanghai und Peking stattfindende jährliche Messe, die zu den größten der Autobranche zählt, Millionen Besucher angezogen. Aus Angst vor der Einschleppung des Virus gelten in China aber weiter strenge Beschränkungen der Einreise und zwei Wochen Quarantänepflicht. Auch gibt es nur wenig Flüge nach China.

          „Ich rechne mit einem sehr guten Absatz in der zweiten Hälfte des Jahres“, sagte Cui Dongshu von Chinas Personenwagenvereinigung (CPCA) der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Nach dem starken Einbruch wegen der Pandemie in der ersten Hälfte des Jahres werde sich der erwartete Rückgang für das gesamte Jahr auf ein Minus von nur noch fünf bis acht Prozent verkleinern. Trotz aller Unsicherheiten rechnet der Experte im kommenden Jahr mit einem Zuwachs von acht Prozent. Andere Fachleute erwarten auch ein Plus von fünf bis sieben Prozent.

          „Ohne China wäre die deutsche Autoindustrie kaum wiederzuerkennen“, sagte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research (CAR) in Duisburg. Mercedes habe im zweiten Quartal einen Rückgang weltweit von 20 Prozent erlitten, aber den Absatz in China um 22 Prozent gesteigert, verdeutlichte der Experte die Lage. Bei BMW habe es „noch krasser“ ausgesehen: Einem weltweiten Einbruch von 25 Prozent habe im zweiten Quartal ein Zuwachs von 17 Prozent in China gegenübergestanden.

          „China hat während der Pandemie deutlich an Bedeutung für die deutschen Autobauer gewonnen“, bilanzierte Dudenhöffer. Von seinen Autos weltweit habe der VW-Konzern dieses Jahr 40 Prozent in China verkauft. Eine starke Abhängigkeit von einer großen Region sei immer ein Risiko, sagte er. „Die Frage ist aber, welches Risiko ist größer: Die Abhängigkeit von China oder in China zum Nischenanbieter zu werden?“

          China habe großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland. Risiken könnten „handhabbar“ und „tragbar“ gemacht werden, findet der Experte. Ein viel größeres Risiko seien die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump, weil sie unberechenbar seien: „Wenn Trump einen schlechten Tag hat und ein paar Wählerstimmen braucht, erhebt er über Nacht Zölle gegenüber der deutschen Autoindustrie.“ Seine Zollkriege hätten deutschen Autoherstellern schon Milliarden-Verluste beschert.

          Wo der Markt in Europa und den Vereinigten Staaten nicht so gut laufe, zeige sich, „wie dramatisch wichtig dieser Markt ist“, sagte auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). „China ist schon mehr als ein Hoffnungsträger, es ist ein wichtiger Anker gerade für die deutschen Autobauer.“ Es könne sich kein Hersteller leisten, diesen Markt auszuklammern. „Aber jetzt muss man schon sehr aufpassen, dann man auch die anderen Märkte nicht vernachlässigt.“

          Die wachsende Abhängigkeit sei nicht unproblematisch. „Wenn der Markt ein Problem bekommt und man ist dort weit überproportional aktiv, dann kann man in Turbulenzen geraten“, sagte Bratzel. „Ein sehr hoher Marktanteil in China bedeutet natürlich auch eine Art Abhängigkeit politischer Dimension bis hin zu Erpressbarkeit.“

          Hinter der Wende im Autogeschäft steckt die wirtschaftliche Erholung in China, das als erste große Volkswirtschaft wieder Wachstum zeigt. Auch die Angst der Menschen, in der Pandemie öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, gilt als Motivationsfaktor für einen Autokauf. Der Absatz von Personenwagen stieg im August um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,73 Millionen - nach einem Plus von 7,9 Prozent im Juli. Elektrofahrzeuge verkauften sich mit einem Zuwachs von 45 Prozent im August auf 82 500 schneller.

          Weitere Themen

          Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff Video-Seite öffnen

          Nachhaltiges Fliegen? : Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff

          Der Kraftstoff SAF sei nachhaltig produziert worden, hauptsächlich aus Lebensmittelresten. Lufthansa Cargo arbeitet zusammen mit DB Schenker. Der Sprit für den Jungfernflug wurde angekauft. Der nächste Schritt sei nun, den Treibstoff in Proberaffinerien herzustellen.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.