https://www.faz.net/-gy9-6naru

Paragon 31 : Im SUV lässt sich alles ertragen

Gib ihm: Die Paragon 31 macht das mit Bild: Walter Wille, Hersteller

Schweres Wetter und leichtfüßiger Fahrspaß – dafür ist die Paragon 31 geschaffen. Ein skandinavisches Boot für eine Saison, die sich über vier Jahreszeiten erstreckt.

          5 Min.

          So ein Zufall. Schon eine Weile hatten sie bei Nimbus mit dem Gedanken gespielt, ein neues Marktsegment zu erschließen. Ein nordischer „Commuter“ schien den Verantwortlichen des schwedischen Konzerns vielversprechend, ein Boot wie ein SUV, maßgeschneidert für all die Skandinavier, die in den Schärenlandschaften wohnen, auf Inselchen vor der Küste, und ein Boot benutzen, um in die Stadt zu fahren.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Dieses Pendlerboot sollte an 365 Tagen im Jahr funktionieren. Nicht bloß bei schönem Sommerwetter, sondern auch dann, wenn Wasser waagerecht durch die Luft fliegt, in aufgewühlter See, in langen Wintern, bei Kälte. Im Unterschied zu manchem in der Autoindustrie anzutreffenden SUV sollte es kein Blender sein. Fürs Grobe geschaffen und nicht nur so tun, als ob.

          Dergleichen, so die Überlegungen, müsste sich nicht nur an Pendler und Freizeitkapitäne, sondern auch an professionelle Nutzer, an Rettungsdienste oder Behörden verkaufen lassen, an Taucher, Angler, Segler, die den Umstieg aufs Motorboot beabsichtigen, nicht zuletzt auch an Interessenten in südlicheren Gefilden, die das Solide, Tüchtige schätzen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht weil sie es wirklich brauchen, vielleicht als reines Statussymbol im Abenteuerlook, das signalisiert: Ich kann rausfahren, wenn andere reinkommen. Heutzutage ist es ja gar nicht mehr so einfach, mit einem Boot aufzufallen.

          Klare Sicht und ein Tisch unter der Decke: Steuerhaus der Paragon 31

          Die Schaffung eines „perfekten“ Rumpfs

          Auf der Bootsausstellung von Helsinki im Jahr 2007 fiel Nimbus-Leuten die Paragon 25 auf, eine Debütantin, die der finnische Konstrukteur Sakari Mattila gemeinsam mit seinem Landsmann Jan-Erik Viitala entwickelt hatte. Sie machten Probefahrten, waren begeistert und schlugen zu. Nimbus kaufte nicht das Boot, sondern gleich das ganze Unternehmen, die Pläne und den Namen. Damit hatten die Schweden ihren Nordland-Commuter im Programm und eine weitere Marke unter dem Dach ihrer im Göteborger Stadtteil Lngedrag ansässigen Gruppe: außer Nimbus, Storebro und Ryds nun auch Paragon. Das Konzept der 8 Meter messenden 25 wurde verfeinert, die Produktion nach Schweden verlagert. Schließlich wurde eine größere Version, die knapp zehn Meter lange Paragon 31, nachgeschoben.

          Mattila und Viitala hatten sich ursprünglich nicht weniger vorgenommen als die Schaffung eines im Dienste des Fahrverhaltens „perfekten“ Rumpfs. Zweitrangig war für sie, was im Fall vieler Freizeitboote von Anfang an im Zentrum aller Planungen steht: bestmögliche Raumausnutzung, die Zahl von Kabinen und Kojen, Größe der Galley, also das, worauf viele Messebesucher zunächst einmal achten. Die Finnen formten zuerst den Rumpf und machten sich dabei die Erkenntnisse zunutze, die sie zuvor in Untersuchungen sowie Befragungen von Vielfahrern gewonnen hatten, die an schwierige Bedingungen gewöhnt sind: Küstenwache, Seerettung, Rennfahrer.

          Die tiefe V-Form mit dem Ruch des Racings ist das wesentliche Kennzeichen des Rumpfs. Er ist schlank, schneidet mit seiner scharfen Bugsektion die Wellen, statt über sie zu stolpern. Von der Schiffsmitte zum Heck hin nimmt er allmählich an Volumen zu, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. Solch ein Pfeil benötigt viele Pferdestärken. Die Paragon 31 wird mit einem 228 kW (330 PS) oder 272 kW (370 PS) leistenden Volvo-Penta-Diesel mit Z-Antrieb bestückt, als Option gibt es eine Doppelmotorisierung mit zwei jeweils 162 kW (220 PS) starken Volvo-Motoren. Je nachdem, was im Maschinenraum steckt, erreicht sie Höchstgeschwindigkeiten von 33 bis 37 Knoten (61 bis 68 km/h).

          Ein sehr rasantes Vergnügen

          Bei Vollgas verbraucht die Paragon nach Angaben der Werft um die 80 Liter Diesel in der Stunde, je Seemeile gut zwei Liter. Bei gemäßigterer Gleitfahrt von 18 bis 28 Knoten sinkt der Treibstoffbedarf auf etwa 35 bis 46 Liter in der Stunde. Wer es gemächlich angehen lässt, kommt zum Beispiel mit den Doppelmotoren in Verdrängerfahrt (6 Knoten) mit 3,6 Liter in der Stunde aus, je Seemeile nur rund 0,6 Liter. Allerdings verführt die Paragon dazu, es krachen zu lassen, auch – nein, erst recht – unter Umständen, unter denen einem viele andere Boote die Plomben aus den Backenzähnen hämmern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.