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Opel räumt auf : Adam geht in Rente

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Schluss mit lustig: Opel Adam Bild: Hersteller

Spätestens zum Jahresende 2019 fliegt der Adam aus dem Programm von Opel. Und das Unternehmen schickt nicht nur seinen kleinen Prinzen aufs Altenteil.

          Opel beginnt mit dem Frühjahrsputz für seine Modellfamilie schon im kommenden Herbst. Aber die 2017 vom französischen PSA-Konzern (Peugeot und Citroën) vereinnahmte und zunehmend enger von der neuen Mutter geführte Marke macht aus der großen Aufräumaktion keine große Sache: Denn Premieren werden gefeiert, aber Produktionseinstellungen bestimmter Modelle meist nur schmallippig mitgeteilt. Nach diesen Branchen-Spielregeln verfährt Opel bei drei Baureihen, die spätestens zum Jahresende 2019 aus dem Programm fliegen: Das Ende von Opel Adam, Karl und Cascada wurde offiziell am 9. Oktober 2018 mit schlichter Pressemitteilung in einem verklausulierten Text etwas von oben herab verkündet. Danach werden sie wegen „strenger künftiger Abgasgrenzwerte nach Ende ihres Lebenszyklus keine Nachfolger erhalten“. Bis Ende 2019 könnten die Vorräte bei den Händlern aber noch genügen, heißt es von Opel.

          Gut für eher langfristig orientierte Kunden: Denn die Auslaufmodelle parken womöglich mit attraktiven, verhandlungsbereiten Tarifen in den Verkaufsräumen. Besonders das Ende der lebenslustigen Adam-Familie und des vielleicht aktuell schönsten Viersitzer-Cabrios, des Opel Cascada, trifft viele jüngere Kunden. Nicht gut für die noch immer angeschlagene Marke: Etliche Neueinsteiger haben erst vor kurzer Zeit zu Opel gefunden.

          Im Eisenacher Opel-Werk wurde zum 3. Mai 2015 die Produktion eingestellt, auch der seit 2015 angebotene Opel Corsa läuft aus und wird noch 2019 von einem neuen Konzernprodukt ersetzt. Die Fabrik wird umgerüstet auf den SUV Grandland. Etwa sechs Jahre waren dem Adam, dem vielleicht jüngsten Opel aller Zeiten, vergönnt: Im September 2012 feierte der ausschließlich mit zwei Türen plus kleiner Heckklappe antretende Adam seine Premiere in Paris und traf dann im Januar 2013 auf eine Kundschaft, die mit offenen Armen auf ihn wartete. Sie war nach kurzer Gewöhnungsfrist empfänglich für die neue Pfiffigkeit der unübersehbar gealterten Marke („bieder, spießig, einfallslos“): Die damalige Marketingfrau Tina Müller erfand zusammen mit den Reklameprofis von Scholz & Friends den provozierenden Spruch vom „Umparken im Kopf“.

          Mit weiteren, frech-verstörenden Texten polierte sie das Image der Marke tatsächlich auf, und die flotten Opel Adam entpuppten sich als kleine Renner. Etliche Tests definierten diesen jüngsten Opel – allerdings etwas voreilig – als deutsche Antwort auf den von BMW wiedererweckten Mini mit Britenflair. Freilich fuhr der mit dem trockenen Humor seiner Historie in der größeren Karosserie (Länge 3,82 Meter) schon immer in einer anderen, nobleren Welt. Immerhin blieb die trendige Kurzware von der Marke mit dem Blitz auch zum Ende 2018 noch unter den Top-50 der deutschen Zulassungsstatistik. Und von 2013 bis 2018 wurden regelmäßig im Jahr bis zu 25 000 neue Adam-Exemplare verkauft, insgesamt mehr als 300 000.

          Am 9. Oktober 2018 wurde das Ende verkündet. Bilderstrecke

          Technisch ist der Adam ein Klon des deutlich erfolgreicheren und alltagsnäheren Opel Corsa. Beide waren (wie der Fiat Punto) auf einer wandlungsfähigen General-Motors-Plattform (der einstigen Opel-Muttergesellschaft) unterwegs. Bei Opel heißt es jetzt, der Adam sei in der Produktion und der Anpassung an die künftigen Schadstoffgrenzwerte zu teuer, und (hinter vorgehaltener Hand) er passe nicht zur künftigen PSA-Modellstrategie. Dabei war der Adam als schmucker Hoffnungsträger zum Symbol einer neuen, frischer wirkenden Opel-Botschaft aufgestiegen. Mit seinen nur etwas älteren, aber ausreichend kräftigen Vierzylinder-Motoren und guter Qualität hatte er sich gegen eine etablierte Konkurrenz in dieser 3,70-Meter-Klasse durchgesetzt. Mit reinem Charakter und dem schicken Auftritt eines kleinen Prinzen definierte sich der Adam als das stilangebende Lifestyle-Auto aus deutscher Provenienz.

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