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Oldtimer-Rallye „Sachsen Classic“ : Der Beifahrer ist der Star

Ausflug: Tschechien lag auf der Strecke (hier ein Saab 93 b von 1959) Bild: Motorpresse

Oldtimer-Rallyes sind nicht alle gleich. Die „Sachsen Classic“ besticht durch den „wilden Osten“ und Zuschauer, die an der Strecke mitfeiern. Nur das Wetter spielte dieses Jahr nicht immer mit.

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          Deutschland einig Oldtimer-Land. Das alte Auto fasziniert immer mehr Menschen, und ein Ende der Begeisterung ist nicht abzusehen. Offenbar entwickelt sich gleichzeitig mit der steten Kritik am Auto als solchen eine Liebe zu den Kisten, mit denen unsere Väter und Großväter unterwegs waren. Heute fahren in Deutschland allein mehr als 200.000 registrierte Oldtimer mit dem „H“ auf dem Kennzeichen. Das H wurde 1997 eingeführt, das Auto muss mindestens 30 Jahre alt und in originalgetreuem Zustand sein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Heute sorgt das H für freie Fahrt in den Umweltzonen und seit damals für einen ermäßigten Steuersatz von 192 Euro im Jahr. Ohne Oldie-Zulassung müssten viele Autofans jährlich rund 500 Euro oder mehr an den Fiskus entrichten (Steuersatz für ein Auto ohne Katalysator mit 2,0 Liter Hubraum: 507,20 Euro, bei einem Dieselmotor wären es gar 751,60 Euro). Oder sie stellen den Wagen abgemeldet in die Garage.

          Die Zahl der H-Autos steigt ständig, zuletzt um mehr als zehn Prozent im Jahresvergleich. Um das alte Auto hat sich inzwischen eine große Branche etabliert, Klassiker-Zentren schießen beinahe wie Pilze aus dem Boden, und weil es immer weniger Mechaniker gibt, die noch einen Vergaser einstellen können, kann man sich als junger Kraftfahrzeug-Mechatroniker (so heißt der Kfz-Mechaniker seit 2001) inzwischen in der Ausbildung sogar auf die alten Schätzchen spezialisieren.

          Der Weg ist das Ziel: Die Sachsen Classic führte 650 Kilometer durch schönste Landschaften

          Jeden Tag lauern irgendwo auf der Strecke „Geheimprüfungen“

          Nun, wenn man ein schönes, altes Auto sein Eigen nennt, möchte man in der Regel auch etwas damit erleben. Neben den einschlägigen Treffen unter Gleichgesinnten bieten sich spezielle Rallyes an, bei denen man so nebenbei auch noch Land und Leute kennenlernt.

          Die Motorpresse Stuttgart (“auto, motor und sport“, „Motor Klassik“) hat schon früh erkannt, wie man mit eigenen Veranstaltungen Themen für die eigenen Publikationen schafft und für Deckungsbeitrag sorgt. Die „Silvretta“ in den Alpen und die „Sachsen Classic“ gehören zu den Fahrten mit dem besten Ruf. Knapp 200 Autos können jeweils teilnehmen (für 1790 und 1490 Euro Startgeld), die Rallyes sind gut organisiert, wobei es nicht um das schnelle, sondern das gleichmäßige Fahren geht.

          Also kann jeder gewinnen, denn auch die Etappen zwischen den einzelnen Durchfahrtskontrollen sind in den vorgegebenen Zeiten eigentlich immer zu schaffen - es sei denn, man verfährt sich. Wichtiger als der Fahrer sind bei dieser Art Rallyes die Copiloten. Sie müssen mit Hilfe des Roadbooks immer den richtigen Weg finden und in den zahlreichen Sonderprüfungen (24 waren es bei der diesjährigen Sachsen Classic) mit bis zu drei Stopp-Uhren hantieren, um für das Team das bestmögliche herauszuholen. Stets gilt es, eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit zurückzulegen, sagen wir 100 Meter in 18 Sekunden. Oft sind die Prüfungen ineinander verschachtelt und jeden Tag - die Rallyes dauern von Donnerstag bis Samstag - lauern irgendwo auf der Strecke „Geheimprüfungen“, die nicht angekündigt sind, aber immer „15 Sekunden für 100 Meter“ bedeuten.

          Zielankunft vor dem Bundesverwaltungsgericht

          Jetzt kann man solche Übungen einfach banal und albern finden, wer aber dabei ist, entwickelt in der Regel schnell einen gewissen Ehrgeiz. Ein Hexenwerk ist das genaue Treffen der Vorgabe (gemessen durch Lichtschranke oder Schlauch) nicht, aber es will geübt sein, und man braucht viel Gefühl fürs Auto. Weil schon eine hundertstel Sekunde Abweichung einen Strafpunkt gibt, sollte man tunlichst nicht mehr als 0,2 Sekunden falschliegen, um einigermaßen gut plaziert zu sein.

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