https://www.faz.net/-gy9-8fpjd

Oldtimer-Messe : Preise, die durch die Decke gehen

Beinahe jeder dritte Autofahrer hätte gern einen Oldtimer

Immerhin 27 Prozent der deutschen Autofahrer hätten gern einen eigenen Klassiker, will eine Allensbach-Studie wissen. Das Potential ist also da, und wer sich in Essen umschaut, sieht sich bestätigt. Geteilt wird die Liebe zum betagten Blech längst auch von den Neuwagen-Bauern. Die deutschen Hersteller Mercedes-Benz, BMW, Audi, Opel, Ford, Porsche und VW sind alle dabei, aber auch Śkoda, Seat, Jaguar, Land Rover, Fiat, Alfa Romeo und andere zeigen Flagge. Sie alle haben etwas, was zum Beispiel die asiatischen Hersteller in dem Maße nicht haben: Tradition.

Und sie versuchen daraus Kapital zu schlagen, die Liebe zum Alten mit der Lust nach dem Neuen zu verknüpfen. Volvo feiert Deutschland-Premiere seiner nagelneuen Modelle S90 und V90. Chefdesigner Thomas Ingenlath reiste eigens aus Schweden an, um ausgesuchten Kunden die Design-Parallelen zwischen gestern und heute aufzuzeigen. So sei der aktuelle Grill an den modernen Volvo mit dem großen Emblem und der Diagonale vor den „Wasserfall-Streben“ fast so wie vor 80 Jahren. Der für Ingenlath schönste klassische Volvo, das P-1800-Coupé (1961 bis 1971), wird am Stand leider vermisst. Die ES-Variante („Schneewitchensarg“) fehlt aber nicht. Sie steht neben einem 850-Kombi, einem Youngtimer aus den neunziger Jahren. Mit ihm begann die Ära der vertikalen Heckleuchten in der C-Säule, so wie man sie im Prinzip heute noch in den Volvos findet, erklärt Ingenlath.

Der aktuelle V90, der im Herbst als Nachnachfolger des 850 auf den deutschen Markt kommt, hat freilich viel verspieltere Lichter und ein eher schräges Heck, während der 850 noch den 90-Grad-Abschlusswinkel feiert. Ingenlath wehrt sich gegen den Vorwurf, das sei „Lifestyle“, obwohl die Schlusskante schon im Vergleich zum V70 um 25 Grad mehr geneigt sei. Es sehe schlicht besser aus, das habe mit Lifestyle nichts zu tun. Und weil der V90 glatte 20 Zentimeter länger ist als der bisherige V70 (der eher durch den kommenden v60 ersetzt wird), könne man sich das auch aus praktischen Gesichtspunkten leisten. Platz sei dennoch in Hülle und Fülle.

Wenn der Preis zweitrangig wird

Bei den Kollegen von Land Rover ist der Abschied vom Defender Ende Januar immer noch nicht verarbeitet. Solihull ist jetzt der ungewöhnlichen Idee verfallen, alte Serie-1-Land-Rover (1948 bis 1958) wiederauferstehen zu lassen. Es soll eine „Serie“ von 25 Stück geben, alte Fahrzeuge wurden angekauft, und sie werden möglichst originalgetreu im Werk restauriert. Das Referenz-Fahrzeug, das sein Leben in Australien verbrachte, ist schon fertig und steht auf dem Stand in Essen wie neu. Es ist ein Experiment, sagt Tim Hannig, bei Land Rover für diese Aktivitäten verantwortlich. Die 25 Einheiten baue man auf jeden Fall, wenn der Kunde es annimmt, mache man weiter. Preise? 60 000 Pfund und aufwärts, ohne das Basis-Auto.

So abschreckend können die hohen Preise nicht sein, sie werden ja anscheinend bezahlt. Ein Kunde für das zweite Modell aus den 25 - es ist ein in Spanien gekaufter Santana-Land-Rover - fand sich schon am Mittwoch.

Weitere Themen

Dacia Duster Video-Seite öffnen

F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

Trübe neue Autowelt

Zeitenwende in der Branche : Trübe neue Autowelt

Lange Zeit kannte die Autoindustrie nur eine Richtung – bergauf. Das ist zum diesjährigen Beginn der IAA anders. Demonstranten protestieren, allseits herrscht Unsicherheit. Für die Branche sind die fetten Jahre vorbei.

Topmeldungen

Die Talkrunde zum Thema Klimapolitik bei Frank Plasberg

TV-Kritik: Hart aber fair : Die Realität der Zwickmühle

Die Klimapolitik ist so verzwickt, dass es den üblichen Verdächtigen kaum noch gelingt, Einsicht in das Notwendige oder gar Verhaltensänderungen zu erreichen. Tatsächlich sehen einige das Format der Talkshow als Pranger für üble Phantasien.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.