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Deutsche Oldtimer-Marke : Stoewer kehrt nach Stettin zurück

  • -Aktualisiert am

Stoewer vorn: Der V5 war das erste Serienauto mit Frontantrieb. Rechts die Deutsche Generalkonsulin Cornelia Piper. Bild: Detlef Krehl

75 Jahre nach Kriegsende werden Fahrzeuge des deutschen Herstellers jetzt im Stettiner Museum für Technik und Kommunikation gezeigt. Die Exponate kamen aus dem Odenwald. Ein Zeichen deutsch-polnischer Freundschaft.

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          Viele Automobilmarken sind im Laufe der Zeit untergegangen, inzwischen gibt es rund 100-mal mehr tote Marken als lebendige. Die meisten sind aber selbst Experten unbekannt. Das gilt nicht für Stoewer. Bis Kriegsende 1945 war der Kraftfahrzeughersteller aus Stettin jedem Automobilfreund ein Begriff, danach ging Stoewer unter. Die Stadt Stettin, die zu weiten Teilen westlich der Oder liegt, aber letztlich dennoch Polen zugeschlagen wurde, war in der Nachkriegszeit ein denkbar ungünstiger Ort, um ein Automobilunternehmen am Leben zu erhalten.

          So wurde das Werk, als am 20. April 1945 die Rote Armee in Stettin einmarschierte, sofort besetzt. Aufgrund eines Erlasses von Rüstungsminister Albert Speer waren die Betriebsstätten zuvor allerdings nur funktionsunfähig gemacht und nicht zerstört worden. Den Maschinenpark ließ die Sowjetunion demontieren und abtransportieren. Das war das endgültige Ende von Stoewer.

          Diese etwas ins Vergessen geratene Automobilgeschichte lebt jetzt in einem unlängst eröffneten neuen Themenbereich des Stettiner „Museums für Technik und Kommunikation“ wieder auf. Fast 1000 Exponate, Näh- und Schreibmaschinen, Automobilia, Dokumente, Prospekte, Fahrräder, Mopeds und sechs Automobile gibt es zu sehen. Alles kommt aus dem Fundus des ehemaligen Stoewer-Museums in Wald-Michelbach im Odenwald, gesammelt von dem in Stettin geborenen und in Darmstadt und Wald-Michelbach lebenden Manfried Bauer. Sein kleines Stoewer-Museum gab es seit 2002, vergangenes Jahr kaufte dann die Stadt Szczecin (Stettin) das Inventar und die Exponate, um ihnen in der alten Heimat eine neue zu geben. Dieser Museums-Transfer kann als schönes Zeichen der deutsch-polnischen Verständigung und Freundschaft gelten.

          Stoewer baute nicht nur Autos. Bilderstrecke

          Das Werk selbst existiert heute nicht mehr. Nach elf Jahren Leerstand begann der polnische Motorradhersteller SFM 1956 mit der Produktion von Junak-Motorrädern in den Stoewer-Hallen. Junaks liefen dann bis 1965 vom Band, und von 1968 an hatte ein Kraftfahrzeugzulieferer (Polmo) seine Heimat in der alten Fabrik, die schließlich 2011 abgerissen wurde. An gleicher Stelle steht heute ein moderner Gewerbepark, der mit einer historisierenden Gebäudefront Bezug auf die Vergangenheit nimmt.

          Die Ursprünge von Stoewer reichen 160 Jahre zurück

          Die Ursprünge des Unternehmens Stoewer reichen gut 160 Jahre zurück: 1858 gründete Bernhard Stoewer in Stettin eine mechanische Werkstatt zur Herstellung und Reparatur von Nähmaschinen. 1893 erweiterte die „Nähmaschinenfabrik Bernhard Stoewer“ ihr Produktportfolio mit der Herstellung von Fahrrädern. So hatte auch Opel angefangen. Stoewer ließ 1896 eine weitere Fabrik in Stettin bauen, in der 1897 erste Motor-Dreiräder entstanden. Nach der Umbenennung in „Gebrüder Stoewer, Fabrik für Motorfahrzeuge und Fahrrad-Bestandteile Stettin“ übergab Vater Stoewer 1899 das Unternehmen an seine Söhne Bernhard Junior und Emil. Praktisch gleichzeitig entstand das erste Automobil. Angetrieben wurde dieser Motorwagen von einem 6,5-PS-Zweizylinder-Motor. Außerdem bot Stoewer in den Jahren von 1899 bis 1905 22 unterschiedliche Elektro-Autos, -Nutzfahrzeuge und -Omnibusse an. 50 bis 60 Kilometer Reichweite waren schon vor 120 Jahren mit Blei-Batterien möglich. Die Gebrüder Stoewer entwickelten und fertigten die dafür notwendigen Blei-Akkumulatoren selbst.

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