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Öko-Bootsbau : Auf der grünen Welle

  • -Aktualisiert am

Hinten Benzin, vorne bio: Flachs und Kork auch für Motorboote Bild: Hersteller

Ohne Flachs? Das gilt nicht mehr für modernen Bootsbau. Ein kleiner Werftbetrieb im Norden des Landes baut innovative Produkte auf natürlicher Basis.

          Wenn im Sommer die Sonne vom Himmel brennt, die Luft steht und die Temperaturen steigen, dann wissen wir ihn zu schätzen – den Flachs. Die Pflanze, die auch in Deutschland und ganz Westeuropa wächst, bildet die Basis zur Herstellung von Leinen. Und daraus wird bekanntlich bequeme und vor allem luftige Kleidung hergestellt. Aber Flachs kann mehr. Die Faser ist leicht, weist gute mechanische Eigenschaften auf und ist dabei auch noch sehr stabil. Damit eignet sich Flachs besonders gut als natürliche Basis für Verbundwerkstoffe. Ein kleiner Bootsbaubetrieb aus Bremen macht sich dies zu eigen.

          Bootsbaumeister Friedrich Deimann widerstrebt der Gedanke, mit den üblichen Materialien, mit auf Erdöl basierenden Harzen und Glasfaserkunststoffen, der Umwelt einen Bärendienst zu erweisen. Während seiner Lehrzeit in einem Holzbootsbau-Betrieb am Dümmer See lernte Deimann die Reize hochwertiger Fertigung mit nachwachsenden Materialien kennen, während einer Anstellung auf einer Werft an der Lesum, einem Seitenarm der Weser, die moderne Massenfertigung mit Verbundwerkstoffen. Das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden, diese Idee reifte im Hinterkopf des heute Einunddreißigjährigen. Nach monatelanger Recherche stieß er schließlich auf die Materialkombination, die heute die Grundlage seiner Green Boats darstellt: Flachs und Kork.

          Laufen auf Kork: Keinesfalls Teak an Deck des Segelboots Green Bente Bilderstrecke

          Aufmerksamkeit erregte das Unternehmen erstmals mit der 7,5 Meter langen Green Bente 24. Das trailerbare, durchaus sportliche Segelboot sorgte auf den Bootsmessen seiner Premierensaison für Aufsehen. Doch die Produktpalette umfasst weit mehr: Kajaks zum Beispiel oder kleine, mit Außenbordmotoren angetriebene Gleitboote sowie Boards fürs Stand Up Paddling. Markenzeichen der Werft sind, so scheint es, gar nicht die Produkte selbst, vielmehr sind es die Materialien und das Fertigungsverfahren.

          Die nachwachsende Flachsfaser bildet die Grundlage aller Produkte. Der zweite entscheidende Rohstoff, der fast immer zum Einsatz kommt, ist Kork für den Sandwichkern. Kork ist flexibel und lässt sich, anders als herkömmliche Hölzer wie Balsa, die oft im Yachtbau zum Einsatz kommen, in fast jede Form bringen. Ein weiterer Vorteil: Nicht selten ziehen Holzkerne auf Booten Wasser. Oft sind die Gründe angebrachte Beschläge oder Durchlässe. Nach und nach wandert die Feuchtigkeit durch den Kern des Rumpflaminats. Kork dagegen ist hydrophob, nimmt Feuchtigkeit nicht auf und transportiert sie nicht weiter.

          Die Korkeiche wächst in Europa

          Der Vorteil der Energiebilanz von Kork, verglichen mit vielen Bootsbauhölzern: Die Korkeiche wächst in Europa und muss nicht über die Ozeane transportiert werden. Regelmäßig werden die Bäume von ihrer Rinde befreit, damit sie wachsen können. Und aus der Rinde werden Korken für die Weinindustrie. Der dabei anfallende Überschuss wird geschreddert, gesammelt und zu Platten gepresst: der Kern der Green Boats.

          Einzig bei der Herstellung von SUP-Boards umhüllen die Fasern aus Flachs einen Kern aus Papierwaben. Dieser ist schlicht leichter als ein Kork-Kern. Wiegen herkömmliche SUP-Bretter von 14 Fuß Länge aus Kohlefaser um die zwölf Kilo, reichen dem SUP von der Weser neun. Die Verarbeitung aber ist, egal mit welchem Kern, immer gleich. Der entscheidende Vorgang ist das Vakuum-Infusionsverfahren, wie es im Bootsbau mittlerweile weit verbreitet ist.

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