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Öko-Bootsbau : Auf der grünen Welle

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Egal ob Kajak, SUP oder Segler – die Rümpfe aller Boote von Green Boats entstehen in einer Negativform. Diese wird zuerst mit einem Trennwachs bestrichen, damit sich der fertige Rumpf später herauslösen lässt. Danach wird eine erste Lage Matten, gewebt aus Flachsfasern, in die Form gelegt. Es folgt der Kern aus Kork (beim SUP aus Papier). Darauf eine weitere Lage Flachs. Die Faser ist leicht, zugfest, steif, widerstandsfähig und schlagfest. Eigentlich recht vergleichbar mit einer Glasfaser. Nur eben nachwachsend. Das Biosandwich entsteht.

Durch das Vakuum wird das Harz in die Form gesogen

An der oberen Kante der Negativform wird eine Vakuumfolie angebracht. Einzige Öffnungen sind Durchlässe für Schläuche. An einigen dieser Schläuche angeschlossen ist eine Vakuumpumpe. Sie erzeugt einen Unterdruck, durch den die einzelnen Sandwichlagen in die Form gepresst und verdichtet werden. Eine Tonne Druck wirkt dabei auf jeden Quadratmeter. Durch weitere Schläuche kommt das Harz ins Spiel beziehungsweise in die Form. Durch das entstehende Vakuum wird das Harz in die Form gesogen. Matten und Kern werden getränkt. Jede noch so kleine Luftlücke wird aufgefüllt, überschüssiges Harz zusammen mit der Luft abgesogen. Um die dauerhafte Verbindung der Werkstoffe zu gewährleisten, kommen überwiegend Epoxidharze auf Basis pflanzlicher Öle, zumeist aus Leinen, zum Einsatz. Darin besteht ein wesentlicher Unterschied zur üblichen Verarbeitung von Glasfaser- und Kohlefaserkunststoffen, bei der, nicht zuletzt aus Kostengründen, zumeist Harze auf Erdölbasis genutzt werden.

Etwa 90 Prozent der verwendeten Materialien sind nachwachsende Rohstoffe. Verglichen mit einem Serien-GFK-Produkt, soll die Energieeinsparung bei etwa 80 Prozent liegen. Wie das? Herkömmliche Glasfasern entstehen unter anderem aus Quarzsand. Dieser muss vor der Verarbeitung geschmolzen werden. Darüber hinaus werden die verwendeten Holzkerne zumeist auf aufwendig angelegten Plantagen gefertigt, in der Regel außerhalb Europas. Beim Transport per Schiff entstehen weitere Emissionen. Die Alternative sind nicht selten Schaumkerne. Um diese aufzuschäumen, werden Treibhausgase freigesetzt. Dagegen stehen die gepressten Platten aus recyceltem Kork und Matten einer Faser, die ohne Zutun nachwächst.

Die nachwachsenden Rohstoffe stammen nach Angaben von Green Boats überwiegend aus Europa. Das soll schon vor dem eigentlichen Beginn der Fertigung für einen grüneren Fußabdruck sorgen als im Fall eines Serien-GFK-Boots. Warum? Herkömmliche Glasfasern entstehen unter anderem aus Quarzsand. Dieser muss vor der Verarbeitung geschmolzen werden. Darüber hinaus werden die verwendeten Holzkerne zumeist auf angelegten Plantagen gefertigt, in der Regel außerhalb Europas. Beim Transport per Schiff entstehen weitere Emissionen. Die Alternative sind nicht selten Schaumkerne. Um diese aufzuschäumen aber werden Treibhausgase freigesetzt. Dagegen stehen die gepressten Platten aus recyceltem Kork und Matten aus einer Faser, die ohne Zutun nachwächst, ohne Schmelzprozess und lange Transportwege. Der Bremer Betrieb selbst spricht – abhängig vom zu bauenden Produkt – von Energieeinsparungen bis zu 80 Prozent bei der Herstellung der Materialien.

Egal ob SUP oder Gleiter – von der Stange ist nichts. Und das soll auf Anhieb erkennbar sein. Green Boats arbeitet mit transparenten Oberflächen unter denen die Flachsmatten hervorschimmern. Das Erscheinungsbild ist hochwertig, der Preis liegt zumeist über dem vergleichbarer Produkte. Doch bekommt der Kunde einen Hingucker, den er mit gutem Gewissen präsentieren kann. Ganz ohne spröden Ökoschick oder Hippie-Charme.

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