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NSU Ro 80 : Der gefallene Star der IAA

  • -Aktualisiert am

NSU Ro 80 Bild: Audi Archiv

Der NSU Ro 80 war der Star der IAA 1967. Neben seinem Wankelmotor beeindruckte er durch das Design. Sein Hinscheiden war jedoch nicht aufzuhalten.

          Man werfe am Stammtisch das Stichwort „Wankel“ in die Runde und wette darauf, dass umgehend als Echo „NSU Ro 80“ erschallt. Auch 50 Jahre nach ihrem Debüt auf der IAA im September 1967 gilt die Design-Ikone aus Neckarsulm noch immer vielen als Wegbereiter des Kreiskolbenmotors. Was gleich aus zwei Gründen nicht stimmt: Zum einen war das erste Serienauto der Welt mit Kreiskolbenmotor der schon drei Jahre vor dem Ro 80 produzierte NSU Wankel Spider. Zum anderen wird gerne vergessen, dass es der japanische Wankel-Lizenznehmer Mazda war, der in 45 Jahren dem Bauprinzip des in einem Trochoidengehäuse rotierenden Kolbens in mehr als drei Millionen Personenwagen und Nutzfahrzeugen weltweit zum Durchbruch verhalf, bis 2012 das letzte derart motorisierte Sportcoupé RX-8 vom Band rollte.

          Der Erfinder des nach ihm benannten Triebwerks, Dr.-Ing. e.h. Felix Wankel (1902 bis 1988), war ein eigenwilliger Autodidakt, der nie Maschinenbau studiert hatte, aber zeitlebens von der Vision besessen war, den vom ihm verächtlich als „Schüttelhuber“ bezeichneten konventionellen Hubkolbenmotor durch den nahezu vibrationsfrei laufenden Kreiskolbenmotor zu ersetzen. Die Anfänge reichen bis in die Vorkriegszeit zurück: 1936 beauftragte das Reichsluftfahrtministerium Wankel damit, seine Idee vom Kreiskolben als Antriebsquelle für Flugzeug-Hilfsaggregate nutzbar zu machen.

          1951 schloss Wankel mit den NSU-Werken in Neckarsulm, damals weltgrößter Motorradhersteller, einen Vertrag zur Entwicklung von Fahrzeugmotoren, aber erst 1957 lief das erste Test-Aggregat auf dem Prüfstand. Der nur elf Kilogramm wiegende Winzling mit einem Kammervolumen von 125 Kubikzentimeter leistete beachtliche 29 PS (21 kW) bei atemberaubenden 17.000 Umdrehungen in der Minute. Einer der vier damaligen Versuchsmotoren steht heute im Deutschen Museum in München.

          Auch 50 Jahre nach ihrem Debüt auf der IAA im September 1967 gilt die Design-Ikone aus Neckarsulm noch immer vielen als Wegbereiter des Kreiskolbenmotors. Bilderstrecke

          Nachdem sich der NSU Wankel Spider mit Einscheiben-Kreiskolbenmotor trotz seiner formschönen Bertone-Karosserie als Flop erwiesen hatte – von September 1964 bis Juli 1967 wurden lediglich 2375 Einheiten gebaut –, setzte der Kleinwagenhersteller NSU mutig zum Sprung ins automobile Oberhaus an. Auf der IAA 1967 war der schon seit August produzierte Ro 80 der unumstrittene Messestar. Mit seiner flach abfallenden Motorhaube, der keilförmig ansteigenden Gürtellinie und ungewöhnlich großen Fenstern hatte Claus Luthe, später viele Jahre lang Designchef bei BMW, eine brillante Skulptur abgeliefert, deren harmonische Linienführung und zeitlose Eleganz etablierte Wettbewerber in der oberen Mittelklasse wie BMW 2000 oder Mercedes-Benz 230 plötzlich alt aussehen ließen.

          Messungen im Windkanal der Technischen Hochschule Stuttgart ergaben später den damals rekordverdächtig niedrigen Luftwiderstands-Beiwert (cW-Wert) von 0,335. Sein ungewöhnlich langer Radstand von 2,86 Metern bei 4,78 Metern Außenlänge sorgte nicht nur für erstklassige Straßenlage und stabilen Geradeauslauf bei starkem Seitenwind, sondern ermöglichte auch den aufprallgeschützten Einbau des 83 Liter fassenden Benzintanks vor der Hinterachse.

          Noch selbst schalten, aber nicht mehr kuppeln

          Rund vier Monate nach dem Debüt des vom weltweit ersten Zweischeiben-Wankelmotor angetriebenen Mazda Cosmo Sport fuhr nun auch der Ro 80 mit einem ähnlichen Aggregat vor. Sein Zweischeiben-Wankelmotor (Werkscode: KKM 612) besaß ein Kammervolumen von je 0,497,5 Liter, war 9:1 verdichtet und leistete 115 PS bei 5500 Umdrehungen in der Minute. Er beschleunigte den 1250 Kilogramm wiegenden Viertürer laut Werksangabe in 14,2 Sekunden vom 0 auf 100 km/h und macht ihn maximal 175 km/h schnell. In einem Test der Fachzeitschrift „Auto Motor und Sport“ schluckte der Ro 80 allerdings 17 Liter Benzin auf 100 Kilometer und zementierte damit den Ruf des Spritsäufers, der fortan allen Wankel-Autos anhaftete.

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