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Nissan Note 1.2 Acenta : Andere Schüler haben bessere Noten

Als Mini-Minivan basiert der Note II auf dem aktuellen Renault Clio Bild: Hersteller

Die neue Nissan Note-Variante bietet für ein kleines Auto sensationell viel Raum, hat dafür aber Schwächen. Besonders der Dreizylindermotor mit mickrigem Drehmoment ist eher kein Gewinn.

          Schon auf den ersten Blick vermissen wir etwas bei der zweiten Generation des kleinen Nissan Note: die markanten, bumerangförmigen Rückleuchten, die bis weit in die Dachkante hineingezogen waren. Wir finden, der neue Note sieht wesentlich konventioneller, langweiliger aus, aber das muss jeder für sich entscheiden.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Als Mini-Minivan basiert der Note II auf dem aktuellen Renault Clio. Das sorgt bei einer Außenlänge von nur 4,10 Meter und einem Radstand von 2,60 Meter zunächst einmal für fürstliche Platzverhältnisse. Das Raumangebot auf der Rückbank ist für ein kurzes Auto sensationell, 30 Zentimeter Beinfreiheit bietet sonst niemand. So kann man mit einer verschiebbaren Rückbank tatsächlich etwas anfangen, sie ist aber nur in der besten Ausstattungslinie (Tecna) serienmäßig. Dann variiert die Kofferraumgröße von 325 bis 411 Liter. Unser Testwagen hatte diese Bank nicht, das Kofferraumvolumen beträgt dann also 325 Liter. Nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne ergibt sich eine Ladefläche von knapp 1,50 Meter Länge, aber mit einer großen Stufe. Die Note 1 gibt es wiederum fürs maximale Ladevolumen: 2012 Liter sind abermals rekordverdächtig. Extrem billig gemacht ist jedoch die Kofferraumabdeckung. Im Boden hinten ist noch Platz für Krimkrams, ein Reserverad gibt es nicht.

          Das Triebwerk ist laut und lärmig

          Penible Spurhaltekontrolle

          Familien, die ein preisgünstiges, nicht zu großes, aber sehr geräumiges Auto suchen, müssen den Note allein schon wegen seiner räumlichen Qualitäten in Erwägung ziehen. Der Preis für die Basisversion 1.2 „Visia“ beträgt 13.990 Euro. Das sind sogar ein paar Euro weniger, als der Vorgänger gekostet hatte. Als Tecna werden gleich 15.990 Euro aufgerufen, dann gibt es zusätzlich eine Radio-CD-Kombination mit Bluetooth-Schnittstelle für Mobiltelefone (sonst 1600 Euro Aufpreis) und außerdem eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber an den hinteren Türen, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, Bedienelemente fürs Radio im Lenkrad und in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel. Diese sind stets elektrisch zu verstellen. Auch als Visia hat der Nissan Start-Stopp, sechs Airbags, eine fernbedienbare Zentralverriegelung, sechs Airbags, ABS, ESP, Servolenkung und sogar einen Tempomat.

          Es gibt es zusätzlich eine Radio-CD-Kombination mit Bluetooth-Schnittstelle für Mobiltelefone

          Unser Wagen war unter anderem noch mit einem Glasdach (700 Euro), Navigationssystem (550 Euro), Leichtmetallfelgen (350 Euro), Metallic-Lack (480 Euro) und dem für diese Klasse exklusiven „Technology-Paket“ ausgerüstet (Serie bei Tekna, sonst 1200 Euro). Es umfasst einen Totwinkel-Assistenten, Spurhaltekontrolle (meldet sich dauernd, wenn man unsauber fährt) und eine 360-Grad-Rückfahrkamera. Vor allem die Letztgenannte ist ein echter Sicherheitsgewinn, weil zudem akustisch gewarnt wird und die Kamera beim rückwärts Ausparken auch zur Seite schaut.

          Kühlwasserthermometer fehlt

          Eher kein Gewinn ist der Dreizylindermotor mit einem Liter Hubraum (von Renault) mit 80 PS (59 kW) und seinem mickrigen maximalen Drehmoment von nur 110 Newtonmeter bei 4000 Umdrehungen in der Minute. Tut uns leid, wir müssen das so deutlich sagen: Das Triebwerk ist laut und lärmig. Und es muss hoch drehen, auch weil das eher knochig zu bedienende Schaltgetriebe nur 5 Gänge hat. Selbst bei einem Marschtempo von nur 110 km/h liegen schon 3200/min an. Kein Wunder, dass selbst bei dieser relativ niedrigen Geschwindigkeit im Schnitt auf 100 Kilometer 5,6 Liter Super verbraucht werden. Unser Gesamtschnitt belief sich gar auf 7,3 Liter auf 100 Kilometer bei einem Maximum von 8,1 Liter nach einer schnellen Autobahnfahrt (Höchstgeschwindigkeit 170 km/h). Der Normverbrauch beträgt 4,7 Liter Super, was einen CO2-Ausstoß von 108 g/km bedeutet. Nichts sagen kann man gegen den Geradeauslauf, der Nissan fühlt sich auch stets sicher an. Auffällig war sonst nur noch, dass die angetriebenen Vorderräder beim Anfahren oft über die Straße scharrten. Und das Fahr-Licht war ziemlich funzelig.

          Das Raumangebot auf der Rückbank ist für ein kurzes Auto sensationell

          Die Anmutung des Innenraums ist der Klasse und dem Preis entsprechend, es gibt viele Ablagen, zwei Handschuhfächer und große Fächer in den vorderen Türen. Drehzahlmesser und Tacho sind sehr gut abzulesen; was gänzlich fehlt, ist ein Kühlwasserthermometer.

          Betrachtet man das Gesamtbild, bleibt festzustellen, dass andere Schüler bessere Noten haben. Das können aber auch die beiden anderen Note-Varianten sein: Mit 1,2-Liter-Vierzylindermotor mit Kompressor (98 PS/72 kW) oder mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel (90 PS/66 kW) und fast dem doppelten Drehmoment wie der kleine Dreizylinder-Benziner. Als Visia kostet der Selbstzünder 16.280 Euro, den Kompressormotor gibt es als Acenta für 17.290 Euro. Nur für dieses Triebwerk ist eine Automatik (CVT) im Angebot, für 1500 Euro. Wenn also Note, dann vielleicht besser nicht mit dem kleinen 1,2-Liter-Motor.

          Nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne ergibt sich eine Ladefläche von knapp 1,50 Meter Länge

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