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Neues von Harley-Davidson : Mächtig Wirbel

Im umkämpften Segment der Reiseenduros will Harley-Davidson mit der Pan America für Furore sorgen. Bild: Hersteller

Fahrräder, Elektro, Gelände: Harley-Davidson baut neuerdings nicht mehr nur schwere, wummernde Zweizylinder-Maschinen. Und mit der Pan America will das Unternehmen nun auch in der Königsklasse des Motorradbaus mitmischen.

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          Dass sie mal mit Fahrrädern handeln würden, hätten sich Matthias Meier und Thomas Trapp, Harley-Männer durch und durch, vor kurzem kaum vorstellen können. Aber jetzt ist es so weit. Da stehen in ihren Motorrad-Tempeln neben Fat Boy und Road Glide demnächst – Fahrräder. Komische Vorstellung. Aber sie finden’s gut und haben schon Ideen, wie sie der Sache Schwung verleihen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Ja, Harley-Davidson, die Supermacht des Hubraums, baut nicht mehr nur schwere, wummernde, bebende Zweizylinder-Maschinen. Im vergangenen Jahr kam, erstaunlich, das Elektromotorrad Livewire auf den Markt, nun folgen, genauso erstaunlich, E-Bikes. Korrekterweise muss von E-Bikes der Marke „Serial 1 Cycle Company, powered by Harley-Davidson“ gesprochen werden. Es handelt sich um ein separates Unternehmen, das aus Harley-Davidson hervorgegangen ist.

          Die Entwicklung elektrischer Fahrräder war innerhalb der Motor Company in Gang gesetzt, dann aber in die Neugründung Serial 1 ausgelagert worden. Beteiligte Harley-Konstrukteure und -Führungskräfte wechselten dorthin, Fahrradfachleute wurden hinzugeholt. Harley-Davidson ist Anteilseigner von Serial 1.

          Das Basismodell der Pan America kostet rund 16.500 Euro, die unter anderem mit einem semiaktiven Fahrwerk ausgestattete Special-Variante 2000 Euro mehr. Beide kommen voraussichtlich im Juni in den Handel. Bilderstrecke
          Neuigkeiten : Harley-Davidson

          Der Firmenname bezieht sich auf die erste Harley von 1903, „Serial Number One“ genannt. Deren Aussehen griffen die Fahrradentwickler mit ihrem (am Fuß dieser Seite abgebildeten) Prototyp auf, der Aufsehen erregte: schwarzer Rahmen, weiße Reifen, brauner Sattel, pure Nostalgie. Die nun vor der Markteinführung stehenden Serienräder wirken gewöhnlicher, doch wird mit diversen Details an den 25-km/h-E-Bikes ein Bezug zur Motorradwelt hergestellt. Mit der beleuchteten Ziffer 1 am Lenkkopf etwa oder dem doppelten, in den Rahmen integrierten Rücklicht. In Anlehnung an die starren Fahrwerke der Altvorderen wird auf eine Federung verzichtet und stattdessen darauf vertraut, dass die Ballonreifen von Schwalbe einen gewissen Fahrkomfort gewährleisten. Im Sinne eines tiefen Schwerpunkts wird der herausnehmbare Akku weit unten im Alurahmen nahe der Kurbel plaziert, weshalb er eine V-Form hat. Entfernt erinnert das an einen V-Motor.

          Für Trapp und Meier sind E-Bikes im Grunde Kleinkram. „Wir machen das mit, weil wir Lust darauf haben.“ Ihre Harley Factory Group mit vier Standorten in Frankfurt, Hannover, Wetzlar und Wiesbaden zählt zu den größten Händlern Europas. Fahrräder? Kaum Marge, kein großes Geschäft. Doch schätzen sie den Marketing-Aspekt hoch ein. Einen „Riesenzulauf“ registrierten sie, als sie jetzt für wenige Tage die ersten Vorführräder zur Verfügung hatten: „Die Harley-Fans springen drauf an.“

          Fuß in eine Harley-Davidson-Ausstellungshalle gesetzt

          Weil sie genau wissen, worauf Harley-Fans noch so anspringen, schaffen Trapp und Meier schon die Voraussetzungen fürs Fahrrad-Customizing. Umbauen und Individualisieren sind seit jeher unverzichtbarer Bestandteil der Harley-Kultur. Bei Brooks wurde eine Ladung brauner Ledersättel geordert, dazu Ledergriffe, Austauschlenker, Oldschool-Lampen-, -Klingeln, -Pedale. In Eigenregie wollen die beiden Inhaber der Factory Group eine E-Bike-Sonderserie im Stil des bezaubernden Prototyps auflegen.

          Was in ihren Überlegungen zudem eine Rolle spielt, ist die Aussicht, dass die E-Bikes neue Kundschaft anlocken, Leute, die ansonsten niemals auf die Idee kämen, einen Fuß in eine Harley-Davidson-Ausstellungshalle zu setzen. Für 2022 wird mit der Vorstellung weiterer Elektro-Zweiräder aus Milwaukee gerechnet, irgendetwas in der Mitte zwischen der 33.000 Euro kostenden Livewire und den E-Bikes. Den meisten anderen Motorradherstellern sind die Amerikaner in Elektrodingen zurzeit weit voraus.

          Vorwiegend im Online-Vertrieb

          Die E-Bikes werden zunächst ausschließlich in den Vereinigten Staaten und in Deutschland angeboten, vorwiegend im Online-Vertrieb. Von den 67 Harley-Händlern in Deutschland nehmen weniger als 20 die Serial-1-Fahrräder ins Programm auf. Drei Versionen sind es zu Beginn, das puristische Mosh Cty für 3500 Euro sowie das üppiger ausgestattete Alltagsrad Rush Cty, wahlweise mit hohem oder niedrigem Durchstieg, für 4700 oder 4600 Euro. Der Preisunterschied erklärt sich aus einer Batterie mit 706 statt 529 Wh.

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