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Mercedes S-Klasse Cabriolets : Offen für vier

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Der Stern weist den Weg. Das große Cabriolet aus der Nachkriegszeit, gern auch Adenauer-Mercedes genannt Bild: Daimler AG

45 Jahre hat sich Mercedes Zeit gelassen, ein neues S-Klasse-Cabriolet auf den Markt zu bringen. Zeit für einen Rück- und Seitenblick auf die offene S-Klasse.

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          Autos mit Klappverdeck oder ganz ohne Dach waren am Anfang der Mobilität. Sie waren mit den Pferdekutschen eng verwandt, dann wurden die Menschen bequemer, Männer neigten zu schiefen Hälsen und Frauen zu wirren Haaren oder verlustiggegangenen Hüten, und das Blechdach geriet zum Standard.

          Dennoch hielten sich Cabrios mit der Hartnäckigkeit einer schweren Erkältung, und sie gerieten in den Ruf der Ursprünglichkeit des Fahrens. Wobei die Beweglichkeit des Daches in der moderneren Gesellschaft meist nur für zwei Reisende ausreichend und konstruiert ist. Denn mehrere Quadratmeter an klappender, sich faltender oder über- und ineinander schichtender Dachfläche zu beherrschen ist eine anspruchsvolle Übung. Womöglich sollte dieses Flachdach dann auch bei höheren Geschwindigkeiten, jenseits von 200 km/h zum Beispiel, nicht zum Flattern und Davonfliegen neigen.

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          Auch der Anspruch, den größeren Wagen ohne die schützende und stützende Hilfe des stählernen Aufbaus zu einer festen Burg werden zu lassen, gehört zu den eher heiklen und teuren Aufgaben der Konstrukteure. Zudem hat sich mit der mobilen Offenheit die Ansicht verbunden, es sei eine sportliche Herausforderung, mit offenem Dach zu fahren. Deshalb sei das offene Auto naturgemäß ein Sportwagen, ein Racer ohne Dach, ein Roadster, ein Spider oder ein zweisitziges Cabriolet.

          Das allerdings darf als Irrtum gewertet werden. Auch vier Sitze lassen sich unter freiem Himmel zügig beschleunigen und mit Entschlossenheit durch Kurven werfen. Dennoch gehören viersitzige Cabriolets zu den eher seltenen Erscheinungen in privater Hand. Wenn man die ganz großen Unikate (Landaulets) für Monarchen, Milliardäre und Karnevalspotentaten nicht berücksichtigt.

          Ein Auto für den Kanzler

          Hohe Preise und eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten führten zu exklusiven Modellen, die nur in vergleichsweise kleinen Mengen gebaut wurden. Auf dem Konstruktions- und Fertigungsniveau der Oberklasse hat niemand mehr Erfahrung mit den offenen Quartett-Mobilen als Mercedes-Benz. Dennoch gibt es aus der Nachkriegs-Markenhistorie nur drei wichtige Beispiele für Top-Cabriolets, die unter ihrem Zeltdach vier anständige Sitzplätze offerierten: Schon 1951 führte Mercedes seinen majestätischen Typ 300 heran, geschlossen karossiert im Stil der Luxuswagen, ein Auto für den ersten Kanzler der jungen deutschen Republik.

          Auf der Basis dieser großen Limousine entstanden mehrere offene Versionen, darunter der nur in 51 Exemplaren gefertigte 300 D (hat nichts mit Diesel zu tun): Das mächtige, zwei Tonnen schwere Cabriolet hatte bis zu sechs Sitze und vier Türen (!), das Verdeck lag beim offenen Auto wie ein kleiner Gebirgszug hinter der Rückbank unter seiner Abdeckung. Meist wurden damit Staatsmänner chauffiert. Aber es wurde auch verkauft, für 24.700 DM, ein Porsche 356 Cabrio kostete damals etwa die Hälfte.

          Der letzte sportliche Mercedes in der sogenannten klassischen Linienführung war der zweitürige 300 S, von dem auch ein Cabrio von verstörender Schönheit abgeleitet wurde. Es führte nicht nur eine bis zum Horizont reichende Haube, sondern auch eine dürftig gepolsterte und schmale Sitzbank im Fond heran, mit gutem Willen und bewehrt mit fester Sturmhaube, ließen sich hier insgesamt vier glückliche Menschen unterbringen.

          Dezent-reichlicher Chromschmuck

          Beim Auslaufen des offenen 300 im Jahr 1958 meldete sich die Formenwelt der neuen Zeit: Die einst dominierenden Kotflügel legten sich in der frischen Baureihe verschämt der Karosserie an, sie standen nicht mehr frei, sondern schmiegten sich beidseits an den Kühler, die Pontonform rundete auch den Mercedes vorn und hinten, und von 1956 bis 1960 fuhren Coupé und Cabriolet der Baureihen W 108 und W 128 im Dienste der abgerundeten Schönheit. Elegante Wagen mit dezent-reichlichem Chromschmuck aus der Ponton-Baureihe 220 S/SE als Coupé und Cabrio wurden gern von Stars und Sternchen zum Beginn der 1960er Jahre genutzt.

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