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Neuer BMW Dreier : Der Stolz der Bayern

Spross einer bayerischen Großfamilie: Der Dreier gehört so stark zu BMW wie seine Geschwister Bild: Hersteller

Im Februar 2012 kommt der neue Dreier von BMW in den Handel. Die sechste Auflage soll die Erfolgsgeschichte weiterschreiben.

          Freitag, später Nachmittag. Die BMW-Welt steht kopf. Der siebenköpfige Vorstand lässt sich von Auszubildenden durch ein Spalier aus gutgelaunten Mitarbeitern durch das Stammwerk chauffieren und winkt aus seinem jüngsten Produkt wie Popstars. Petrus spendiert herrlichen Sonnenschein. Der Zeitplan gerät vollkommen durcheinander. Die Männer und Frauen aus dem Werk, die Journalisten, Sicherheitskräfte - sie alle müssen Überstunden machen, nur weil BMW den neuen Dreier vorstellt. Nur? Immer wieder hört man an diesem Tag das Wort "Stolz" von den Mitarbeitern, auch und gerade von jenen, die Blaumänner tragen. Selbstredend sagt das auch der Vorstandsvorsitzende. "Auf dieses Auto sind wir besonders stolz. Die Dreier-Reihe hat die Marke entscheidend geprägt", meint Norbert Reithofer.

          Volumenstärkstes Modell: Jeder dritte verkaufte BMW ist ein Dreier
          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der Dreier ist Herz und Seele von BMW. Seit 1975 wird er gebaut, seither sind rund 12,5 Millionen Stück verkauft worden. Er ist das volumenstärkste Modell, jeder dritte verkaufte BMW ist ein Dreier. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Sein athletischer Körper ist zwar relativ knapp, hat aber genau jene Maße, die von vielen Menschen als attraktiv empfunden werden, und er garantiert in Verbindung mit dem geschätzten Hinterradantrieb jene Beweglichkeit, der BMW zu einem guten Teil seinen Ruf verdankt. Die derzeitige Baureihe fährt seit 2004/2005, hat also ihre reiferen Jahre erreicht und steht vor dem automobilen Renteneintrittsalter. Deshalb lassen die Bayern die Welt nun einen Blick auf den nächsten Dreier werfen, die sechste Generation. Sie soll von Februar 2012 an das Straßenbild bereichern.

          Gutes Stück bayerischer Heimat

          Gestalterische Experimente sind im Hause BMW in jüngerer Zeit nicht mehr gefragt, und so folgt auch der um 93 Millimeter auf 4,62 Meter gewachsene neue Dreier der aktuellen Designsprache. Er kneift die Augen nun bis zur BMW-Niere zusammen, senkt seine spitze Nase nach unten, leistet sich eine kräftig ausgestellte Linie an der Flanke und eine Spoilerlippe am Heckdeckel. Die kurzen Überhänge sind erhalten geblieben. Der Neue setzt die Tradition seiner Vorgänger unspektakulär und edel fort und lässt das aktuelle Modell nicht übermäßig alt aussehen. Allerdings dürfte so mancher Betrachter Schwierigkeiten haben, ihn vom Fünfer zu unterscheiden. Das gilt auch und insbesondere für das Heck und den Innenraum. Das Cockpit, das durch mehr Ablagen und einem in der Mitte hochgestellten Bildschirm praktischer und schicker sein will, ist dem des größeren Bruders zum Verwechseln ähnlich. Man kann das als einfallslos empfinden oder als ein gutes Stück bayerischer Heimat.

          Mehr Luft verspricht BMW im leicht gewachsenen Innenraum

          Was es zu verbessern galt, hat diese Zeitung vor einiger Zeit in wohlgeformten Worten gen München geschickt. "Der klassische Dreier-BMW ist die Limousine. Sie ist keineswegs zu großzügig geschnitten, hinten geht es enger zu, als wir der Erbtante zumuten wollten, und der Kofferraum hinter der kleinen Ladeöffnung ist flach und zudem kein Beleg für den Einsatz hochwertiger Materialien. Die findet man im Innenraum eher, obwohl wir auch hier den Eindruck hatten, dass es mehr hartes Plastik als feinen Kunststoff zu entdecken gab. Fahrerposition, Instrumente und Fahr- sowie Lenk- und Bremseigenschaften verdienen gute Noten. Allenfalls mehr Federungs- und Abrollkomfort könnten wir uns vorstellen. Und einen niedrigeren Preis. Aber nicht weniger Leistung", hieß es da.

          Der Hybrid wird vor allem für Nordamerika gebraucht

          Mit jener viertürigen Limousine startet das neue Modell, für den Vortrieb sorgen zunächst zwei Benzin- und zwei Dieselmotoren, allesamt mit Turboladern. Zum Verkaufsstart stehen der 328i mit 2 Liter Hubraum und 180 kW (245 PS) sowie der einzige Sechszylinder, der 335i mit 3 Liter Hubraum und 225 kW (306 PS), zur Verfügung. Die Diesel beginnen mit dem 320d (135 kW/184 PS) und der sparsameren Variante 320d Efficient Dynamics, die 120 kW (163) PS bietet und mit 4,1 Liter Normverbrauch auskommen soll. Die Preise sind wie immer selbstbewusst: von 35 350 Euro für den 320d bis 43 600 Euro für den 335i.

          Mit Spoilerlippe am Deckel: Der neue Dreier von hinten

          Zu ihnen gesellen sich mit etwas Abstand jene 1,6-Liter-Triebwerke, die auch im Einser ihren Dienst verrichten. Dann wird der Einstieg vermutlich um 100 kW (136 PS) gelingen und zu einem Preis von knapp unter 30.000 Euro. Schon ist auch von einem Vollhybrid-Modell die Rede, das im Herbst 2012 auf den Markt kommen soll. 340 PS Leistung, 450 Nm Drehmoment, 6,4 Liter Verbrauch lauten dessen Eckdaten. Der Hybrid wird vor allem für Nordamerika gebraucht, wo die Hybridversion des mächtigen und teuren Geländewagens X6 offenbar wegen Erfolglosigkeit ihrer Einstellung entgegenstrebt. Wie gehabt wird sich später am oberen Ende der Leistungsskala die Abteilung M austoben dürfen, schließlich kehrt BMW in die Rennsportserie DTM zurück.

          Der Mut zum GT scheint ungebrochen

          Freuen darf sich die zur Entrichtung eines Extra-Obolus bereite Kundschaft auf die formidable Achtgangautomatik und das erfreulich gut funktionierende Head-Up-Display. Diverse Fahrwerks- und Motoreneinstellungen (BMW nennt die dafür zuständige Taste "Fahrerlebnisschalter") sowie Assistenz-, Informations- und Unterhaltungssysteme stehen ebenfalls auf Abruf bereit.

          „Auf dieses Auto sind wir besonders stolz. Die Dreier-Reihe hat die Marke entscheidend geprägt“, meint Norbert Reithofer

          Verkaufsstart für die viertürige Limousine ist am 11. Februar 2012, der in schöner Kontinuität abermals Touring genannte Kombi folgt später. Selbstverständlich wird es weitere Varianten geben, auch einige neue. Schließlich gilt es den Ruf der Großfamilie zu verteidigen. Der Mut zum GT scheint trotz des entglittenen 5er GT ungebrochen, ein Cabriolet wird es (wohl leider wieder mit Klappdach aus Metall) geben, und das zweitürige Coupé gilt ebenfalls als sicher. Einen viertürigen Zwitter aus Limousine und Coupé können sich die stolzen Bayern zudem vorstellen. Mal sehen, ob die Kundschaft die Begeisterung teilt. Für sie läuft das erste Auto am Montag in München vom Band.

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