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Neue S-Klasse : Mercedes zeigt Flagge

  • -Aktualisiert am

Das Mercedes-Flaggschiff soll durch einen hohen Sicherheitsstandard mit verschiedenen Fahrerassistenzsystemen punkten Bild: dpa

Mercedes stellt am Mittwoch in Hamburg die neue S-Klasse vor. Die Stuttgarter haben die Kunst des intelligenten Repräsentierens und des staatstragenden Kühlers gewagt. Und es ist dennoch die bisher vielleicht modernste S-Klasse.

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          Die neue Mercedes-Welt fügt sich mit der neuen S-Klasse jetzt fester, ruhiger und verständlicher. Nach der Zeit der frischeren Werte mit den extravaganten und mitunter skurrilen Kleidern für A- und B-Klasse und den rassigen, zum Teil unverständlichen Linien des CLA, des CLS und dessen exaltiertem Bruder CLS Shootingbrake kehrt die Ruhe nach dem Design-Sturm wieder ein.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Mit der, seit 1972 gerechnet, sechsten S-Klasse wird die Strategie der sich häutenden Marke deutlich: Von unten nach oben entwickelt sich ein Design der zunehmenden Stille, und mit jeder Etage des Aufstiegs werden die tieferen Hierarchie-Ebenen der formalen Hektik wie abgestreifte Schuppen zurückgelassen. Gemeinsame Merkmale treten hervor und an der Spitze wird eine intelligente Form des Repräsentierens sichtbar, wie es sich Mercedes noch nie geleistet hat. Die Kunst einer akzeptablen Distanz von der Masse ist allerdings schon wegen des breiter und sich anspruchsvoller präsentierenden Modellprogramms wichtiger als je zuvor geworden.

          Die neue S-Klasse ist wieder repräsentativer, ohne protziger zu sein, fast ein wenig hoheitlicher, unübersehbar formal und technisch von den anderen Modellen entrückt. Ihr Prestige besteht aus Intelligenz und Identität. Sie markiert (besonders nach dem Ende des Maybach-Experiments) den Anspruch der Marke: Nur ein Mercedes-Benz kann das beste Auto der Welt sein. Dafür steht auch jener Design-Entschluss, den die Fans der Marke begrüßen werden, denn es wird keine S-Limousine ohne aufrecht im Wind stehenden Stern geben. Man könnte sagen: Mercedes zeigt Flagge. Gleichzeitig wird deutlich, dass in hohem Maße weiterhin Handlungsbedarf besteht, denn neue Kunden braucht Stuttgart, und die sollen damit nicht in den Ruhestand fahren, sondern als Aufsteiger zu Vorbildern werden.

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          Unter dem nicht mehr ganz so neuen Designchef Gorden Wagener wurde die neue Not der Marke programmatisch erfasst: Die einstige A-Klasse war vielleicht der vernünftigste Mercedes-Benz aller Zeiten (wenn wir das G-Modell zur Seite fahren). Aber sie wurde immer mehr als statisch-pragmatisches und nicht dynamisch-vergnügliches Auto interpretiert. Die Zukunft fordert Modelle, die nicht nur schlank sind, sondern zusätzlich Muskeln zeigen können. Natürlich ist der Formenriege um Wagener der innere Charakter der Marke Mercedes nicht unbekannt. Deren Tradition ist nicht auf dem Boden eines modisch orientierten Kurzzeit-Designs entstanden. Aber wie auch bei anderen Marken muss wohl für mindestens eine Fahrzeuggeneration mit radikal flotteren, mitunter zu flotten Formen gelebt werden. Daraus kann in weiteren Schritten die Erneuerung des Designs abgeleitet werden. Den Kunden wird zugemutet, dass dieser Vorgang von gewissen Auswüchsen begleitet sein kann. Was nicht ausschließt, dass sich im Publikum sogar begeisterte Zustimmung entwickelt.

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