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Neue S-Klasse : Mercedes zeigt Flagge

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Wie bisher wird es in der S-Klasse zwei Varianten geben: die Limousinen, künftig mit wahlweise zur Verfügung stehenden drei unterschiedlichen Abständen zwischen den Achsen und in der längsten Version stattliche 5,50 Meter messend. Und ein stilistisch nahe an der Limousine lebendes, aber dennoch eigenständiges Coupé. Dieses ist viel sportlicher orientiert als alle seine Vorgänger, rassiger und raffinierter, fast ein luxuriöser und komfortablerer SL, und es hat mit der S-Limousine eine durchaus reizvolle Besonderheit gemeinsam: die Frontpartie ist mit behutsamer Rücksichtnahme einer anderen, aber verwandten und zum Modellkern gehörenden Eigenschaft gewidmet als die Heckpartie. Am Coupé dominiert vorne die Sportlichkeit mit breitem Kühlergrill, plakettiertem Stern und den beiden historischen, parallel verlaufenden domähnlichen erhabenen Ausformungen in der Haube. Die Limousine der S-Klasse kommt am Bug mit kräftig dimensionierten Chrom-Lamellen im Kühlergrill, dem aufrechten Stern und der eher kantig modellierten, nach vorne zulaufenden Erhöhung.

Neu ist die hinter dem Kühler flächig eingesetzte Haube, mit ganz schmalen Fugen, daraus entsteht die Anmutung von Präzision und hoher Sorgfalt. Die Frontpartie der S-Klasse ist, ihrem Auftrag folgend, der Repräsentation verpflichtet, hier wird Status signalisiert, Experimente werden vermieden, die Botschaft ist die Existenz als rollendes Statussymbol, der Auftritt ist Souveränität. Diese erreicht im Heck - an beiden Modellen - ihren Höhepunkt: rahmenlos eingefügte Heckleuchten, eine schlank und leicht kuppelähnlich ausgeformte, knapp dimensionierte Heckscheibe über dem nicht zu kurzen Absatz sorgen für eine Leichtigkeit, die es erlaubt, mit dem Status-Bug lockerer umzugehen. Hier entsteht jene Eleganz, die fast vergessen schien, und die man mit jener leicht verschwenderischen Modeepoche in Verbindung bringt, die fragile Frauen in Seidenkleidern und Pfauenfedern neben Smokingmännern mit gegeltem Haar vor Villen unter Palmen zusammenbringt. Da ist dann auch die elegante Limousine nicht weit.

Das Heck des Coupés (in geringerem Maße auch das der Limousine) ist von sanfter, zurückhaltender Dekadenz, trägt schon zum Modellstart ikonenhafte Züge und setzt Prinzipien des Stils von Wagener bildhaft um: „Das Design folgt im Auto immer mehr klassischen Schönheitsidealen.“ Dazu gehören sorgfältig bearbeitete, straff konturierte Flächen, scharf geschnittene Formen, skulptural gestaltete Übergänge und vor allem jene Eigenschaft, die in der neuen S-Klasse am deutlichsten hervortritt: Wagener wendet sich ab vom sogenannten additiven Design und verfolgt konsequent sein „integratives Design“. Alles scheint mit unerhörter Geschmeidigkeit zu fließen, aber nichts zerfließt an der S-Klasse. In ihr erklärt sich das aus sich heraus wirkende Design wie von selbst, ihre Körperlichkeit wird von einer klaren Sinnlichkeit geprägt, die zwar eine hohe Komplexität verrät, den Betrachter aber nur mit ihren angenehmen Botschaften konfrontiert.

Der Innenraum der S-Klasse kommt mit der Erlaubnis zum Luxus, aber nicht ohne stilistische Umsetzung einer geordneten Lebensweise, die zum schwäbisch-deutschen Kern von Mercedes gehört. Höchste Qualität wird angestrebt, High-Tech für alle Errungenschaften der elektronischen Welt eingesetzt, diese kehrt das Innenleben der S-Klasse auf großen Displays mit den Segnungen der Infotainment-Welt nach außen. Für den Wohlfühlfaktor im Interieur sind hohe Sorgfalt im Design und Zitate aus der Markenhistorie zuständig. Auch der neuen S-Klasse muss die Verbindung zu ihren Vorgängern eine Verpflichtung sein. Obwohl, oder gerade weil sie die bisher vielleicht modernste S-Klasse ist. Dass sie nicht der jüngste Mercedes ist, gereicht ihr eher zum Vorteil. Das ist die Aufgabe anderer Modelle.

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