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Neue BMW-Modelle M3 und M4 : Aus Freude am Widerstand

  • -Aktualisiert am

Das neue Vierer-Cabriolet von BMW kommt wieder mit einem Stoffdeck. Bild: Hersteller

Der BMW M3 ist ein Bollwerk gegen die aussterbenden Sechszylinder. Und der offene Vierer verteidigt unverdrossen die Lust am Cabriolet.

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          Mit den soeben präsentierten Modellen M3 und M4 sowie dem Vierer-Cabrio hat BMW nicht nur drei ziemlich faszinierende Autos vorgestellt, sondern auch nahezu vom Aussterben bedrohten Gattungen noch einmal Leben eingehaucht. Denn der Sechszylinder, wie ihn BMW im Dreier und auch im neuen M3 anbietet, verschwindet nach und nach aus der automobilen Mittelklasse. Und auch für Freunde des Offenfahrens sind schlechte Zeiten angebrochen, denn viele Hersteller haben ihr Angebot an Cabrios und Roadstern rigoros zusammengestrichen oder führen gleich gar kein Frischluft-Mobil mehr im Programm.

          Den Reihensechszylinder, eine Domäne des Hauses BMW, halten nicht wenige Motorenfans für die optimale Kraftquelle unter den Verbrennungsmotoren, und die Physik gibt ihnen recht. Weil die sechs Zylinder hintereinander angeordnet werden, sind die Massenkräfte und -momente erster und zweiter Ordnung in ihnen ausgeglichen. Dadurch laufen die Aggregate besonders ruhig. Liebhaber von Motoren dieser Bauart schwärmen vom seidenweichen Lauf, von der Souveränität und der dynamischen Leistungsentfaltung eines Reihensechszylinders, der vielen von ihnen weit begehrlicher erscheint als jeder aufgeladene Vierzylinder.

          Aber die Zeiten stehen schlecht für den Sechszylinder. Zumindest aus der Mittelklasse wird er sich langsam verabschieden. Denn die Anforderungen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs wachsen stetig, gleichzeitig werden die Fahrzeuge größer und schwerer. Um die Abgasvorschriften mit immer schärferen CO2-Grenzwerten einhalten zu können, kommen die Hersteller am sogenannten Downsizing, also dem Reduzieren der Zylinderzahl und des Hubraums, oft nicht vorbei. Volvo bietet seit geraumer Zeit in seiner gesamten Modellpalette nur noch aufgeladene Aggregate mit drei oder vier Töpfen, zumeist mit Mildhy­brid-Technik oder als teilzeitstromernde Plug-in-Hybride, an. Und Mercedes-Benz wird in der neuen C-Klasse keinen einzigen Sechszylinder mehr offerieren. Wer hier auf die schnelle AMG-Tochter hofft, könnte ebenfalls enttäuscht werden. Dem Vernehmen nach kommt sogar der nächste AMG C63 als aufgeladener Vierzylinder-Hybrid. An überbordender Leistung wird es ihm sicherlich nicht mangeln, wohl aber an Status.

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          Neue BMW-Modelle : M3 und M4

          BMW stemmt sich noch erfolgreich gegen diese Entwicklung. Schließlich ist kaum jemand so bekannt für seine Sechszylinder wie die Marke mit dem weiß-blauen Logo. Die Bayern haben dieses Motorenkonzept über Jahrzehnte kultiviert und dabei immenses Fachwissen erworben. Das dynamische Image des Autobauers wurde maßgeblich durch den sportlichen Charakter seiner Reihensechszylinder geprägt. Dass der legendäre Werbeslogan „Freude am Fahren“ hier ebenfalls seinen Widerhall findet, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten. Der sportive Dreier ist auch in der siebten Generation wieder mit sechs Töpfen in Reihe zu haben. Die Spitzenmodelle der Baureihe kommen im März als M3 und M4 auf den Markt, mit 480 PS starkem, doppelt aufgeladenem Drei-Liter-Reihensechszylinder, Hinterradantrieb und Sechsgang-Handschaltung.

          Die Preise für die 4,79 Meter lange Hochleistungslimousine und das gleich lange, zweitürige Coupé mit riesiger, aufrecht stehender Niere beginnen bei 82.500 und 84.000 Euro. In der Competition-Version werden für jeweils 7000 Euro Aufpreis 510 PS und eine Achtstufen-Steptronic geboten. Im Sommer gibt es den M4 Competition erstmals auf Wunsch auch mit Allradantrieb. Entgegen der technischen Mode sind M3 und M4 nicht elektrifiziert, auch das Mildhybrid-System, über das die Sechszylinder-Benziner und -Diesel in den zivilen Dreier-Brüdern verfügen, ist nicht im Einsatz. Die beiden Straßensportler zählen somit vermutlich zu den Letzten ihrer Art. Das heißt für Autofans: ausnutzen und genießen, solange es noch geht.

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