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Neuartige Sicherheitssysteme : Das Auto denkt immer mehr mit

  • -Aktualisiert am

Crash-Test-Dummies denken noch nicht mit aber nach Bild: REUTERS

Mercedes-Benz rückt der Vision vom unfallfreien Fahren mit modernster Sicherheitstechnik ein Stück näher. Die im kommenden Jahr debütierende neue E-Klasse sowie die S-Klasse werden mit einer „elektronischer Knautschzone“ ausgestattet.

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          Fast fünfzig Jahre nach dem allerersten Crashtest in Sindelfingen - damals prallte ein 220er der Baureihe W 110 („Heckflosse“) frontal gegen eine starre Barriere - schickt sich Mercedes-Benz an, mit modernster Sicherheitstechnik die Vision vom unfallfreien Fahren wieder ein Stück näherrücken zu lassen. Die im kommenden Jahr debütierende neue E-Klasse sowie die S-Klasse des Modelljahrs 2009 sollen mit „elektronischer Knautschzone“ und einem umfangreichen Paket innovativer Sensortechnik quasi zum mitdenkenden Partner mit mannigfachen Fähigkeiten werden.

          Nach dem inzwischen erreichten hohen Standard der passiven Fahrzeugsi-cherheit fokussieren die Autohersteller immer stärker auf Systeme zur Unfallvermeidung und Verringerung der Unfallfolgen. Die Mercedes-Entwickler konzentrieren sich dabei besonders auf die Unfallursachen Abstand, Geschwindigkeit, Übermüdung, Dunkelheit und unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrbahn. Neben Radarsensoren helfen in der neuen E-Klasse zum ersten Mal Kameras, das Umfeld des Autos zu beobachten und kritische Situationen zu interpretieren.

          Neudeutsch „Attention assist“ genannt

          Weil rund ein Viertel aller schweren Autobahnunfälle wegen Übermüdung des Fahrers passiert, werden E- und S-Klasse von 2009 an serienmäßig mit einem Aufmerksamkeitsassistenten ausgestattet, neudeutsch „Attention assist“ genannt, der den gefürchteten Sekundenschlaf verhindern soll. Eine hochempfindliche Sensorik erfasst das Lenkverhalten des Fahrers, die jeweilige Fahrsituation sowie mehr als 70 weitere Parameter und diagnostiziert durch permanenten Abgleich dieser Daten den Übergang vom Wachzustand zur Ermüdung. Tritt dieser Zustand ein, wird der Fahrer mit einem akustisches Signal und einem Warnhinweis im Display aufgefordert, eine Ruhepause einzulegen.

          Die autonome Vollbremsung im Gefahrenfall, die es bereits in den Nutzfahrzeugen des Stuttgarter Konzerns gibt, hält jetzt Einzug in E- und S-Klasse. Radarsensoren sind mit dem Bremsassistenten Plus vernetzt, der je nach Gefahrengrad eine Teil- oder Vollbremsung einleitet. Ignoriert der Fahrer bei einem drohenden Auffahrunfall das Warnsignal, verzögert das System 1,6 Sekunden vor der errechneten Kollision den Wagen mit 40 Prozent der Bremsleistung. Reagiert der Fahrer dann immer noch nicht, erfolgt 0,6 Sekunden vor dem inzwischen nicht mehr zu verhindernden Aufprall eine automatische Vollbremsung, mit der jetzt wenigstens die Unfallfolgen stark reduziert werden. Die Experten sprechen deshalb von einer elektronischen Knautschzone.

          Neuer Nachtsichtassistent

          In lobenswertem Altruismus haben sie übrigens auch an nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer gedacht. Die neue E-Klasse erhält serienmäßig eine aktive Motorhaube. Beim Zusammenstoß mit einem Fußgänger melden drei im Vorderwagen installierte Sensoren den Aufprall an ein elektronisches Steuergerät, das in Millisekunden zwei Elektromagneten in den Haubenscharnieren aktiviert. Vorgespannte Federn lassen daraufhin den hinteren Bereich der Motorhaube blitzschnell um 50 Millimeter nach oben schnellen, wodurch der Deformationsraum vergrößert und das Verletzungsrisiko für Fußgänger reduziert werden.

          Fußgänger spielen auch eine besondere Rolle im neuen Nachtsichtassistenten, der die Fahrbahn mit unsichtbarem Infrarotlicht ausleuchtet. Die zweite Systemgeneration kann nun auch Fußgänger auf der Straße eindeutig detektieren und im Display anzeigen, womit ein von Unfallforschern bisher beklagtes Manko beseitigt wird. Der erhöhten Gefahr von Nachtfahrten wirkt außerdem der adaptive Fernlicht-Assistent entgegen. Er passt die Reichweite der Scheinwerfer kontinuierlich dem Abstand zu vorausfahrenden oder entgegenkommenden Fahrzeugen an. Je nach Verkehrslage reicht das Abblendlicht 65 bis 300 Meter weit, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

          Auf freier Strecke schaltet sich automatisch mit weichem Übergang das Fernlicht dazu. Eine Minikamera an der Frontscheibe sendet alle 40 Millisekunden aktuelle Daten zur Anpassung der Leuchtweite der variabel regelbaren Bi-Xenon-Scheinwerfer. Praxistests konnten einen spürbaren Sicherheitsgewinn bei Nachtfahrten bestätigen: Fußgängerpuppen wurden trotz Gegenverkehr bereits aus 260 Meter Entfernung wahrgenommen, etwa 150 Meter früher als bei herkömmlichem Abblendlicht.

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