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Neu vorgestellt: BMW K 1200 S : Königlich und auch ein bißchen bayrisch

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Nicht in Weiß-Blau: Technik hat Tradition bei den Motorrädern von BMW - die neue K 1200 S Bild:

"Fahrspaß benötigt nicht unbedingt immer vier Räder." Wenn Burkhard Göschel, Vorstand für Technik und Entwicklung bei BMW, der Präsentation eines neuen Motorrads mit seiner Anwesenheit Glanz verleiht, dann muß das schon ein besonderes Bike sein.

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          "Fahrspaß benötigt nicht unbedingt immer vier Räder." Wenn Burkhard Göschel, Vorstand für Technik und Entwicklung bei BMW, der Präsentation eines neuen Motorrads mit seiner Anwesenheit Glanz verleiht, dann muß das schon ein besonderes Bike sein. Das ist die jetzt vorgestellte K 1200 S in der Tat. Erstmals begibt sich die Marke in die Klasse der Hochleistungsmaschinen, erstmals arbeitet in einem BMW-Zweirad ein Vierzylindermotor, der quer zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Von September an gibt es für 14 850 Euro 1,2 Liter Hubraum und 123 kW (167 PS). Eine Leistung wie nie zuvor in einem Serien-Bike der Bayern.

          Die leer 248 Kilogramm schwere K 1200 S ist so ungewöhnlich wie fast alle BMW-Motorräder. Ihr Vierventilmotor ist tief unten im Aluminium-Kastenprofilrahmen eingebaut, seine Zylinderbank um 55 Grad nach vorn geneigt und kommt so den Anforderungen an einen Motor mit kurzem Hub (5,9 Zentimeter) und geraden Ansaugkanälen entgegen. Beides war den Entwicklern wichtig, um maximale Leistung zu generieren. 130 Newtonmeter Drehmoment gibt es als Spitzenwert bei 8250 Umdrehungen in der Minute, über das angeschlossene Kassetten-Getriebe mit sechs Gängen und einen in die Einarmschwinge zum Hinterrad integrierten Kardanantrieb macht er das neue Super-Bike 280 km/h schnell, in 2,8 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, und der Verbrauch liegt nach Norm bei 4,7 Liter (90 km/h) und 5,5 Liter (120 km/h) Super auf 100 Kilometer. Der Vierzylinder arbeitet mit einer Trockensumpfschmierung, das reduziert die Bauhöhe, weil keine Ölwanne gebraucht wird. Elektronisch geregelte Benzineinspritzung und ein Drei-Wege-Katalysator machen die sportlichste aller BMW zum Freund der Umwelt.

          Auch das Fahrwerk darf als Spezialität gelten. Hinten führt die auf ein zentrales Federbein gestützte, einarmige Schwinge aus Leichtmetall das Gußrad, vorn rollt es an einer Duolever genannten, in den achtziger Jahren vom englischen Erfinder Norman Hossack entwickelten Konstruktion: Zwei Längslenker in Parallelogramm-Ausführung führen das 17 Zoll große Rad. BMW hat die Idee Hossacks kinematisch verfeinert und zur Serienreife gebracht. Wie an der Hinterradschwinge wird vorn ebenfalls ein zentrales Federbein eingebaut. Die Besonderheit dieser Radführung ist ein Ausgleich von Nickbewegungen beim Bremsen, der nahezu über den gesamten Federweg konstant bleibt. Die Bremsen, zwei Scheiben vorn, eine hinten, sind mit dem BMW Integral ABS kombiniert, es gehört bei der K 1200 S zur Serienausstattung. 650 Euro Aufpreis kosten dagegen die elektronische Kontrolle und Einstellung der Federrate, Electronic Suspension Adjustment (ESA). Über Gasdruck werden die Federbeine dem Beladungszustand und den Komfortwünschen des Fahrers auf Knopfdruck angepaßt. Die Härte des Fahrwerks kann in drei Stufen während der Fahrt verändert werden, die Einstellung der Beladung geschieht im Stand. Das BMW-Spitzenmodell ist das erste Serienmotorrad der Welt mit einer automatischen Dämpfereinstellung.

          Die Verkleidung der Maschine ist um den markanten Drei-Kammer-Scheinwerfer vorn in ausgeprägter Keilform gezogen, Sicken und Ausformungen reduzieren den Winddruck und weisen das Wasser bei Fahrten im Regen vom Körper des Fahrers ab. Aussparungen im 19 Liter großen Tank erlauben einen für diese Klasse großen Lenkereinschlag, die Sitzbank kann gegen eine Version für kleinere BMW-Reiter ausgetauscht werden (Aufpreis rund 150 Euro), beide Varianten sind nach den Erkenntnissen der Ergonomie geformt und sollen entspanntes Reisen über lange Strecken für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen ermöglichen.

          Ausstattung und Verarbeitung machen bereits auf den ersten Blick einen tadellosen Eindruck. Ein klar gegliedertes Cockpit mit Rundinstrumenten für Drehzahl und Geschwindigkeit und ein von der linken Lenkerarmatur aus zu bedienender Bordcomputer sind Serienausrüstung. Die vorderen Blinker sind in die Spiegel integriert, und die Taste für die Warnblinkanlage ist rot hinterleuchtet.

          Ziel der BMW-Entwickler war es, ein Hochleistungsmotorrad zu bauen, das trotz üppiger Kraft und extremer Fahrleistungen vom normal engagierten Biker beherrschbar bleibt. Die Komfortkomponente wird mit dem umfangreichen Zubehör berücksichtigt. Griffheizungen (180 Euro), wasserdichte Packtaschen mit bis zu 25 Liter Fassungsvermögen (110 Euro) und eine handliche Tanktasche mit 17 Liter Volumen (123 Euro) machen die Sport-BMW tourentauglich. Der Hauptständer ist nicht serienmäßig, immerhin ist er für 120 Euro Aufpreis im Angebot. Ihre Publikumspremiere wird die K 1200 S auf der Intermot in München (15. bis 19. September) feiern. Und ihr Verkaufsstart im September ist für Ungeduldige früh genug terminiert, damit sie sich an warmen Herbsttagen mit dem Spitzen-Motorrad aus deutschen Landen noch in diesem Jahr anfreunden können. BMW ist mehr als Auto.

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