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NC11 von Jeanneau : Mit großer Kajüte und kleiner Kapuze

  • -Aktualisiert am

Entschlossen auf Kurs: Jeanneau will spätestens 2015 auch die Motorbootwelt anführen Bild: Claus Reissig

Rückt man vom derzeitigen Motorbootdenken ab, lässt sich durchaus noch eine Nische finden. Die lässige NC11 von Jeanneau ist der Vorreiter einer ganz neuen Linie. Gebaut für Leute, die gemeinsam hinter der Windschutzscheibe das Reisen genießen.

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          Das Leben ist schön, wenn man entspannt auf der Bank des Achterdecks sitzend den Sonnenuntergang mit 22 Knoten an sich vorbeiziehen lässt, umgeben von gediegener Atmosphäre und einer dezent zur Schau getragenen Funktionalität, wie sie auch bei größeren Yachten nur selten zu finden ist.

          Langsam mit den Maschinen im Standgas vor sich hingrummelnd könnte man sich Ernest Hemingway vorstellen, wie er mit Panamahut seine Angel über Bord hält. Die „Pilar“, die legendäre Holzpinasse des Schriftstellers, könnte als Vorlage gedient haben für die moderne Neuauflage des Gentleman-Cruisers: großer Salon, vernünftige Kabine und geschütztes Cockpit.

          Im Jahr 2011 hört sich das aus dem Mund der Marketingstrategen dagegen pragmatischer an: das Konzept angesiedelt zwischen der skandinavischen Nimbus (als nordeuropäisches Beispiel von Solidität) und Terrace on the Sea, à la Wally. Fertig ist die NC11, wobei NC für New Concept steht. Moment, haben wir das nicht schon einmal gehört? Doch, von der Hanse Group, respektive der zur Werft gehörenden Motorbootmarke Fjord, die mit der Fjord 40 Cruiser genau das wollte und auch zur Serienreife entwickelte, aber am Markt ein wenig verzweifelt. Dass der Name Fjord im Zusammenhang mit der NC11 fällt, lässt die Jeanneau-Strategen kalt, warum nicht eine gute Idee weiterentwickeln, wenn die Nische da ist? Offensichtlich gibt es sie, die Reaktionen auf die schon vor einigen Monaten vorgestellte Yacht von Jeanneau sind jetzt sehr positiv, und so wurde beschlossen, dass NC eine ganze Reihe von Booten als neue Linie bilden wird.

          Praktische Sitzgruppe im Salon der NC11 von Jeanneau

          Die französische Werft hat aggressiv Werbung für ihr Schiffchen gemacht - und es ist rund 185.000 Euro günstiger als die größere und technisch anspruchsvollere Fjord. Für viele Interessenten scheinen das genügend Argumente zu sein. Bedienen soll das Schiff die Gruppe von Wassersportlern, die vielleicht nicht in der Wolle gefärbte Motorbootfahrer sind, sondern gern mit etwas reduziertem Puls reisen, auch mal bei schlechtem Wetter. Somit ist die NC11 kein Coupé, kein Walkaround und natürlich keine Flybridge-Yacht, sondern eher eine Kunststoff gewordene Pinasse; gebaut für Leute, die nicht möglichst schnell in die nächste Bucht wollen, sondern gemeinsam hinter der Windschutzscheibe das Reisen genießen.

          Nichts für große Menschen

          Geht so ein Konzept auf? Boote mit einem dafür geeigneten Platzangebot sind rar heutzutage, Beifahrer werden zumeist an den Salontisch verwiesen. Nicht so auf der NC11, hier gehört gemeinsame Fahrkultur quasi zum Gesamtkonzept. Dafür lässt sich die rückwärts gerichtete Salonbank in eine vorwärts gerichtete Beifahrerbank verwandeln, bei gutem Wetter kann über den Passagieren das wunderbare Webasto-Glasdach geöffnet werden. Hemingway hätte das gewiss gefallen, zu seiner Zeit gab es Boote dieser Art häufiger, wenn auch ohne Schiebedach. Was damals fehlte, war die praktische seitliche Tür neben dem Fahrer, durch die man als Steuermann schnell auf das breite Seitendeck neben dem Aufbau gelangt. Eine einseitige Angelegenheit übrigens, denn zugunsten der Innenraumbreite ist der Aufbau asymmetrisch nach Steuerbord versetzt, der Weg aufs Vorschiff sollte also immer auf der Backbordseite entlangführen. Dieses konstruktiven Tricks bedient sich auch manch anderer Hersteller, dadurch wird der Aufbau breiter. Der Salon selbst gleicht einem üppig verglasten Häuschen, das eine herrliche Großzügigkeit vermittelt. Der ungestörte Ausblick ringsherum hat aber auch seine Schattenseiten. Eine davon ist, dass auf alle Oberschränke konstruktionsbedingt verzichtet werden muss. Gerade in der ebenfalls auf dem Oberdeck liegenden Pantry fehlt dieser Raum, wenn sie viel genutzt werden soll.

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