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Navi-Systeme mit GPS : Der Kopilot wird immer klüger

Intelligente Tempoprofile bei Tomtom

Diese Staudaten sind neben den Kartenaktualisierungen das Zukunftsthema der Branche. Der aktuelle Verkehr kann in acht von zehn Fällen auf der Grundlage historischer Daten vorhergesagt werden. Was der Taxifahrer oder Pendler als Erfahrungswissen gespeichert hat, ist zum Beispiel in den Datenbanken von Tomtom hinterlegt. Das Unternehmen erstellt seit 2006 Statistiken zu jedem einzelnen Straßenabschnitt in Deutschland mitsamt den erzielten Geschwindigkeiten. Aus diesem Material wurden „intelligente“ Tempoprofile einzelner Segmente in Abhängigkeit von der Tageszeit. Zu jeder Straße kennen die Niederländer das typische Fahrtempo, und zwar im 5-Minuten-Takt.

Die Daten von Handy-Nutzern ergänzen das Bild. Sie werden zu anonymen Staumeldern, das Stichwort lautet Floating Phone Data (FPD). Ein Mobiltelefon sendet fortwährend Informationen über die aktuelle Empfangssituation an seine Basisstation. Wird es bewegt, kann man aus den Änderungen charakteristische Muster ableiten, welche wiederum auf die Position des Geräts im Straßennetz schließen lassen. Aber nur wenige Prozent aller Handy-Nutzer befinden sich in Bewegung, und nur ein Teil von ihnen fährt mit dem Auto. Hier wird mit raffinierten statistischen Verfahren gearbeitet. Denn das Verkehrsgeschehen ist ein kompliziertes Gebilde, das sich nicht in einfache Modelle pressen lässt. Vorhersagen sind so aufwendig wie das Erstellen eines Wetterberichts. Und während dem Wetter der Wetterbericht ziemlich egal ist, verändert jede Stauprognose den Stau, weil sie das Verhalten der Autofahrer beeinflusst.

Die besonders präzisen Informationen von Tomtom finden sich nicht nur in den Windschutzscheibenanlagen des Herstellers. Man achte auf „Tomtom-Traffic“ für gute Verkehrsinformationen. Die günstigeren Geräte müssen per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden werden, um aktuelle Verkehrsinformationen minutengenau zu empfangen. Wer mit seinem Lotsen oft im Ausland unterwegs ist und die Roamingkosten vermeiden will, werfe einen Blick auf die Tomtom-Modelle mit „Always Connected“. Hier ist für die Internetverbindung eine eigene Sim-Karte im Gerät verbaut. Die Smartphone-Apps von Tomtom sind von 30 Euro an erhältlich, Verkehrsinfos müssen als Zusatzabonnement extra bezahlt werden, man rechne mit rund 20 Euro im Jahr. Tomtom-Verkehrsinformationen gibt es ferner für die Bordsysteme von Fiat, Renault, Lexus, Toyota und Mazda. Und neuerdings kommen Tomtom-Daten auch im Comand-System von Mercedes-Benz zur Anzeige.

Bislang keine gemeinsame Standards der Hersteller

Wer im Audi, Volkswagen oder BMW unterwegs ist, kann die Echtzeit-Verkehrsdaten von Inrix beziehen. Vergleichsfahrten zeigen: Sie spielen ebenfalls auf einem hohen Niveau, reichen aber nicht ganz an die Tomtom-Qualität heran. Bei Volkswagen ist das Car-Net genannte Produkt vorerst nur für den Golf GTI, GTD und Golf R erhältlich, es erfordert unter anderem das Navigationssystem Discover Pro sowie die Mobiltelefon-Schnittstelle Premium. Für den neuen Passat sind Inrix-Dienste angekündigt.

Derweil hat die Branche nach einer immer besseren Erfassung der Verkehrsdaten gleich die nächste Herausforderung zu schultern: Das Kartenmaterial muss für das autonome Fahren genauer und häufiger aktualisiert werden. Straßen ändern sich durch Baustellen und andere Umstände täglich. Zulieferer Continental spricht von einem „elektronischen Horizont“, der es ermöglichen soll, das Auto auf 20 Zentimeter genau zu orten. Dafür sind hochauflösende Karten erforderlich, die Continental von der Nokia-Tochter Here bezieht, die wiederum 2007 den altbewährten Kartenanbieter Navteq übernommen hatte.

In den neuen Karten sollen mehr Daten und Feinheiten der Straßen denn je erhoben werden. Die datentechnisch präzise Nachbildung von Straßenverläufen und deren fortwährende Aktualisierung darf man getrost als Herkulesaufgabe ansehen. Alle Beteiligen gehen davon aus, dass hochpräzise Karten für autonomes Fahren unabdingbar sind, ungeachtet der Sensorenphalanx, die dafür sorgt, dass das Auto seine Umwelt wahrnehmen kann. Kameras und 3D-Sensoren befinden sich also künftig im permanenten Datenabgleich. Aber noch gibt es nicht einen Anhaltspunkt dafür, dass unterschiedliche Hersteller verbindliche gemeinsame Standards für Karten und Update-Verfahren entwickeln.

Naheliegend wäre ja, dass das vernetzte Fahrzeug sowohl beobachtete Abweichungen vom Kartenmaterial weitermeldet wie auch von anderen Verkehrsteilnehmern fortwährend Aktualisierungen erhält. Solche Ideen werden derzeit zum Beispiel bei Mercedes-Benz diskutiert, die ebenfalls mit Here zusammenarbeiten.

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