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MV Agusta F4 : Dieses Motorrad ist ein Brennelement

Bild: Marco Campelli

Die MV Agusta F4 beherrscht das ganze Repertoire des Unfassbaren, das in dieser Klasse als normal erachtet wird. Wo liegt denn der Grenzbereich der schönen F4? Wir können es nur ahnen. Genau wissen wollen wir es nicht.

          Betriebsanleitung, Seite 20: "Mit dem Gasgriff wird die Benzinversorgung des Motors geregelt. Zum Gasgeben den Gasgriff aus der Ruhestellung drehen." Aha. Zum Gasgeben gibt es also einen Gasgriff. Er lässt sich drehen. Herrschaften in Italien, mit Verlaub: Der Hinweis erscheint etwas banal, ungefähr so, als würde im Handbuch zum Kernkraftwerk erklärt, dass sich die Tür zum Reaktorraum auf Drücken der Klinke öffnet.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Ein unpassender Vergleich? Oh nein, dieses Motorrad ist ein Brennelement. Schon das Vorgängermodell hatte die Energie, uns ein Hosenbein zu versengen. Das war vor vier Jahren, es handelte sich um eine Jeans mit Schlag, der Stoff muss auf einer kürzeren Strecke dem Kern der Kraft zu nahe gekommen sein. Seitdem hängt das Beinkleid im Schrank. Als Andenken mit einem Loch.

          Nur die Göttliche darf sich so etwas erlauben. Der Fahrer hat dankbar zu sein für die Lektion in Sachen unpassender Kleidung, für das Privileg, dass ausgerechnet er sich mit einer MV Agusta F4 schmücken darf. Der Fahrer kann nämlich machen, was er will, niemals hört die Göttliche auf, ihm das Gefühl zu geben, dass er sie vielleicht gar nicht verdient. Er kommt sich vor wie der Begleiter einer schönen Frau, von deren Glanz ein wenig auf ihn abstrahlt. Ist er ein Trottel, lässt sie ihn abblitzen, macht er Dummheiten, brennt sie ihm ein Loch.

          Oh nein, dieses Motorrad ist ein Brennelement

          Für den Erwerb sind 18.500 Euro aufzubringen

          Die F4 ist wählerisch. Sortiert aus: die Emotions- und die Nackenschwachen, die Bäuche, die Bequemen, Onkeltypen, die in steifer Herrenfahrerpose Kreuz und Ellbogen durchzustrecken pflegen, Krämerseelen, die alles immer auf seinen Nutzen abklopfen, sich bei der Farbwahl für ihr Auto vom künftigen Wiederverkaufswert leiten lassen.

          Es bleiben folglich gar nicht so viele übrig, zumal für den Erwerb 18 500 Euro aufzubringen sind. Eine stattliche Summe ist das. Andererseits ist es lächerlich wenig. Denn die F4 des Jahrgangs 2010 ist 4000 Euro günstiger als ihre Vorgängerin, ohne auch nur das geringste bisschen Reiz eingebüßt zu haben, im Gegenteil. Sehr ähnlich sind sich beide auf den ersten Blick, auf den zweiten ist die Neue moderner, noch einen Tick elektrisierender.

          18 500 Euro sind ein Kampfpreis angesichts der Ausstrahlung, der Exklusivität, des Namens MV Agusta, auf den sie so stolz sind in Varese, dass sie das Logo ungefähr zwei Dutzend mal über die Maschine verteilt haben. Von den 1000-Kubik-Kometen der japanischen Konkurrenz trennen die F4 noch ungefähr 3000 bis 4000 Euro, ebenfalls 3000 Euro liegt sie über der Basisversion der neuen BMW S 1000 RR, dem Kohoutek des Jahres, und der Aprilia RSV 4 R, etwa gleichauf mit der Ducati 1198. All diese untergewichtigen, dramatisch übermotorisierten Superbikes haben eines gemein: Nicht erst auf Seite 20 müsste darauf hingewiesen werden, dass der Gasgriff, der sich drehen lässt, mit Demut anzufassen ist. Aber keine außer der F4 kann von sich behaupten: Bereits die Ur-Version wurde als so kunstvoll erachtet, dass sie im Guggenheim-Museum von New York ausgestellt wurde. Das Design gehöre per Gesetz geschützt, so dass nichts daran verändert werden könne, schwafelte der Autor an dieser Stelle vor vier Jahren. Gut, dass schon damals keiner auf ihn hörte.

          Arroganz ist auch dabei

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