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Supercaliber von Trek im Test : Mehr Sein als Schein

  • -Aktualisiert am

Das Supercaliber von Trek Bild: Klee

Die ewige Frage in der Welt der Mountainbikes: Hardtail oder Fully? Das Supercaliber von Trek soll beides sein.

          3 Min.

          Auf den ersten Blick scheint die Sache klar. Ein Hardtail. Ein Race-Hardtail, um genau zu sein. Karbonrahmen, moderat profilierte 29-Zoll-Reifen, niedriges Cockpit, schlanke Federgabel mit Pi mal Daumen 80 bis 100 Millimeter Federweg. Aber Moment mal, da versteckt sich ja ein Dämpfer unter dem Oberrohr!

          Genau an diesem Punkt wird die Angelegenheit interessant: Der Hinterbau von Treks wettkampferprobter Cross-Country-Rakete verfügt lediglich über einen Drehpunkt knapp oberhalb des Tretlagers. Weder zwischen Ketten- und Sattelstrebe noch an Sattelrohr oder Dämpferaufnahme sind Lager verbaut – wie das derzeit bei den meisten Full-Suspension-Mountainbikes der Fall ist. „Iso Strut“ nennt der familiengeführte Hersteller aus Waterloo, Wisconsin diese Hinterbau-Konstruktion, die die Vorteile von gefederten und ungefederten Geländerädern vereinen soll, also satte Traktion, sowohl auf-, als auch abwärts, dazu ein Plus an Komfort, gepaart mit geringem Gewicht und überschaubarem Wartungsaufwand.

          Um das alles unter einen Hut zu bringen, haben die findigen Trek-Entwickler die Köpfe mit den Fahrwerkexperten von Fox zusammengesteckt. Herausgekommen ist ein Karbon-Hinterbau, dessen flache Sattelstreben vertikal flexen, aber lateral die benötigte Steifigkeit bieten. Gedämpft wird diese Bewegung von einem eigens konstruierten Fox-Federelement, das wie ein konventioneller Dämpfer mit einer Luftpumpe an Fahrergewicht und Fahrweise angepasst wird und zusätzlich in der Zugstufe einstellbar ist. 60 Millimeter Federweg stehen zur Verfügung, an der Fox-Performance-32-Gabel sind es 100. Über einen Lock-out-Hebel am Lenker können beide Federelemente gleichzeitig per Seilzug blockiert werden. Den Unterschied merkt man sofort.

          Weder zwischen Ketten- und Sattelstrebe noch an Sattelrohr oder Dämpferaufnahme sind Lager verbaut. Bilderstrecke
          Test : Supercaliber von Trek

          Obwohl 60 Millimeter nicht gerade üppig sind, bietet das Heck vor allem auf Wurzelteppichen, Absätzen und felsigen Pfaden deutlich mehr Traktion und Komfort als bei einem Hardtail. Die Wirkungsweise ist besonders eindrücklich, wenn Streckenabschnitte zum Vergleich mit blockiertem Fahrwerk unter die Reifen genommen werden. Das gilt gleichermaßen für Kletter- wie auch Abfahrtspassagen. Dank des feinen Ansprechverhaltens von Dämpfer und Gabel bei gleichzeitig straffer Abstimmung kann man die Finger darüber hinaus getrost vom Plattform-Hebel lassen. Selbst im Wiegetritt scheint das Supercaliber wenig Energie zu schlucken. Doch zur Steigerung des Strava-Renommees oder um Pokale auf Weltniveau abzuräumen, ist natürlich jedes Mittel recht. Dass das Trek genau dafür erdacht ist, kann man spüren, denn es ist in allen Belangen leichtgängig, beschleunigt schnell und fährt sich in jeglichem Gelände äußerst präzise.

          Obwohl es sich um ein Renngerät handelt, fällt die Sitzposition gefühlt komfortabel aus. Mit geradem, nicht zu breitem Lenker und nach unten gerichtetem Vorbau klettert das Trek beeindruckend steile Pfade hoch, ohne das Vorderrad steigen zu lassen. Gleichzeitig macht das Rad wegen der ermüdungsfreien Unterbringung auch auf flachen Waldautobahnen oder gar Asphaltetappen keine schlechte Figur.

          Für die hohen Ambitionen spricht die Ausstattungsliste des Testrads. Laufräder, Lenker, Sattelstütze – alles aus Karbon und von Treks hauseigener Komponentenschmiede Bontrager gefertigt. Dazu gesellt sich eine Karbon-Boost-Kurbel von Truvativ. Die Gänge werden präzise mit einer Zwölffach-Schaltung Sram GX Eagle gewechselt. Geboten wird eine simple Schaltlogik mit einer Bandbreite, die von steilen Kletter- bis zu schnellen Vollgas-etappen alles abdeckt. Die Shimano-XT-Bremsen haben 180 beziehungsweise 160 Millimeter Scheibendurchmesser.

          Während wir mit den Schaumstoffgriffen nicht ganz warm wurden, fiel der Bontrager-Sattel positiv auf. Schöne Details sind die gelungenen Kabelführungen und der damit einhergehend saubere Anblick, ein Gummiüberzug auf der Kettenstrebe sowie der Lenkanschlag, der den Rahmen vor Sturzschäden schützt. Dass der Lenker mit einem Durchmesser von 35 Millimetern üppig dimensioniert ist, sollte man bei der Montage von Zubehör bedenken: Die meisten Radcomputer- und Lichthalterungen sind für 31,8 Millimeter ausgelegt.

          10,9 Kilogramm bringt das Trek ohne Pedale in Rahmengröße M/L auf die Waage und beglückt mit seiner gelungenen Verquickung von Hardtail- und Fully-Eigenschaften definitiv nicht nur Profifahrer. Die Supercaliber-Welt eröffnet sich ab 3999 Euro, unser Testrad erleichtert die Brieftasche allerdings um 5999 Euro. Nach oben ist ziemlich viel Luft.

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