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Motorroller : Oh, wie ist es schön

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Schlank geschwungene Formen, kräftiges Temperament Bild: Hersteller

Wenn der Welt größter Motorenbauer und deutsche Marktführer bei Motorrädern einen neuen 125er-Scooter auf die Räder stellt, erwartet man schon etwas Beachtenswertes.

          Wenn der Welt größter Motorenbauer und deutsche Marktführer bei Motorrädern, der bei Rollern hierzulande allerdings beharrlich Piaggio hinterherfährt, einen neuen 125er-Scooter auf die Räder stellt, erwartet man schon etwas Beachtenswertes. Und dann steht vor dem Betrachter in Gestalt des PS 125i von Honda doch zunächst einfach ein Roller mehr von den vielen, die es gibt.

          Schon anderswo gesehen

          Sicherlich eine propere Erscheinung, aber doch nicht das einzige Gesicht in der Menge der vielen einander so ermüdend ähnlichen. Das große Glubschauge des Klarglasscheinwerfers über dem Kühlergrill, die in die Kanten des weich gerundeten Frontkeils gefügten Blinkleuchten, die sich mit biomorphen Schwellungen und steiler Verjüngung am Heck verabschiedende Karosserie, all das ist so wenig überraschend wie die Auslage eines Sushi-Kiosks: irgendwie schon lecker, aber hinter der Düsseldorfer Kö eben kaum anders als im Schatten des Frankfurter Hauptbahnhofs. Dabei haben die Japaner auf italienisches Design von Gianni Pedone gesetzt, aber vielleicht war ja gerade das die Garantie dafür, daß der PS 125i ein bißchen nach "schon anderswo gesehen" ausschaut.

          Die zweifarbig abgesetzte Karosserie entbehrt keineswegs sehr praktischer Details: Der Durchstieg ist mustergültig eben, von der schlank geschnittenen Sitzbank bekommt man angenehm ein Gefühl für die Seitenführung vermittelt. Aber der Fußraum des Durchstiegs ist schon bei Schuhgröße 43 nicht sehr üppig, und das "taillierte Trittbrett" mag wohl rasch und sicher den Füßen Bodenkontakt vermitteln, aber unterwegs ist es ein bißchen knapp bemessen. Geradezu wuchtig, ausladend und massiv ist hingegen der Gepäckträger geraten, der über den wiederum sehr schön schnittig in die letzten Kurven des Hecks integrierten Blinkleuchten zugleich Haltegriff für den Passagier ist.

          Beachtliches Temperament

          All solche Erwägungen über das Design und den womöglich darin Gestalt annehmenden Charakter dieses rund 3000 Euro kostenden Rollers verblassen vom Moment an, wo man den Anlasser betätigt. Mit einem neckischen Farbenspiel über dem gutbestückten Cockpit signalisieren die leuchtenden Buchstaben FI wie Fuel Injection, daß der Achtelliter-Viertaktmotor dank einer Kraftstoffeinspritzung Sparsamkeit mit Temperament zu verbinden weiß. Und sauber ist er dank eines geregelten Drei-Wege-Katalysators auch noch; er unterbietet die nach Euro3 zugelassenen Abgas-Grenzwerte. 10 kW (knapp 14 PS) leistet der Motor bei 9000 Umdrehungen je Minute, und bei 7250/min entwickelt er sein maximales Drehmoment von 11,5 Newtonmeter. Das reicht bei einem Leergewicht von 135 Kilogramm (zulässiges Gesamtgewicht 311 Kilo) für ein beachtliches Temperament: Der PS 125i ist nicht nur für den innerstädtischen Sprint gut, man kann mit ihm auch unbesorgt darum, etwa zum Verkehrshindernis zu werden, auf die Autobahn einbiegen, wo er brav die 100 km/h umspielende Spitze hält. Dabei geht es richtig komfortabel zu: Im Verein mit der gut gepolsterten Sitzbank bügelt ein ganz konventionelles Fahrwerk (vorn Teleskopgabel, hinten zwei dreifach einstellbare Federbeine) auch schlechtere Straßen glatt.

          Lieber kurvig als geradeaus

          Ein richtiger Tourer ist dieser Roller dennoch nicht. Nicht der sture Geradeauslauf ist seine Paradedisziplin; mit Hondas Neuem tummelt man sich lieber, wo er seine Wendigkeit ausspielen kann, oder zirkelt schön sauber durch Kurven irgendeiner Landstraße. Die Freude, die dabei aufkommt, bleibt auch völlig ungetrübt, wenn man plötzlich bremsen muß: Der PS 125i ist serienmäßig mit Hondas CBS-System ausgerüstet. Der linke Bremshebel wirkt nicht nur auf die Trommelbremse hinten, sondern zusätzlich auch auf die Scheibenbremse im Vorderrad. Fazit: mehr Sein als Schein, und das kann gefallen.

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