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Motorräder und Roller : Das Schrumpfen geht weiter

  • -Aktualisiert am

Nummer eins bei den 125ern: Yamaha YZF-R125 Bild: Hersteller

Die vier japanischen Hersteller sind in den vergangenen fünf Jahren arg unter die Räder geraten. Ihre Verluste sind doppelt so groß wie die des Markts in Deutschland insgesamt. Doch keineswegs alle Zweiradhersteller blasen Trübsal.

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          Deutschlands Motorradmarkt wird immer kleiner. Gegenüber dem stärksten Jahr der Neuzulassungen - 1999 - ist er um fast zwei Drittel geschrumpft. Die vier japanischen Hersteller, jahrzehntelang vorneweg, sind in den vergangenen fünf Jahren arg unter die Räder geraten. Hatten sie früher zusammen 80 Prozent Marktanteil, kommen sie gerade noch auf 45 Prozent. Ihre Verluste sind doppelt so groß wie die des Markts in Deutschland insgesamt.

          Doch keineswegs alle Zweiradhersteller blasen Trübsal: Bei Ducati gab es 2010 ein Plus, Harley-Davidson verbuchte mit 7754 Neuzulassungen in Deutschland die besten Zahlen aller Zeiten. Der relativ kleine englische Hersteller Triumph kam fast wieder an sein Allzeithoch heran: 3804 Neuzulassungen im 20. Jahr des Bestehens sind Grund zur Freude. Und dann ist da noch BMW, seit mittlerweile fünf Jahren ununterbrochen Marktführer in Deutschland: Ein Anteil von 22,2 Prozent sichert den Bayern eine einsame Spitzenposition. Binnen Jahresfrist stieg der Absatz von 15 800 auf 17 800 Stück. Gleich fünf der zehn gefragtesten Modelle in Deutschland kommen von BMW. Spitzenreiter der Modellstatistik ist - seit zehn Jahren - die Reiseenduro GS mit Boxermotor.

          Das Ausmaß der Misere des Gesamtmarkts wird deutlich anhand der Anzahl derjenigen Modelle, die auf wenigstens vierstellige Zulassungszahlen kommen. Waren dies beispielsweise 2003 noch 41, so erreichten im vergangenen Jahr nur noch 17 Typen diese Marke. Allein sieben davon stammten von BMW.

          BMW R 1200 GS, meistverkaufte Motorrad

          Allen voran die erwähnte R 1200 GS (5674 Stück), ferner der neue Supersportler S 1000 RR (2049 Stück), die F 800 R (1958), die F 650 GS (1471) und die F 800 GS (1468) auf den Plätzen sechs bis neun. Suzuki brachte 2010 zwei Modelle unter die Top 10 (Bandit 1250, Platz 2/ 2428 Stück und Gladius 650, Platz 10/1426). Jeweils nur eins: Yamaha (XJ6, 2141), Honda (CBF 600 S, 2114) und Kawasaki (ER-6, 2095).

          Mehr als 10.200 Verkäufe in ihrem ersten Jahr

          Auf dem weltweiten Motorradmarkt spielt BMW ebenfalls eine Sonderrolle: Die neue S 1000 RR schaffte es mit mehr als 10 200 Verkäufen in ihrem ersten Jahr im schrumpfenden Supersportsegment auf Platz zwei; in Europa belegte sie gar den ersten Platz. Und mit insgesamt nahezu 100 000 Verkäufen kam BMW 2010 dicht ans bisherige Rekordjahr heran - in Zeiten, in denen die Motorradverkäufe in der Klasse über 500 Kubikzentimeter Hubraum rückläufig sind. „Wir haben in der Krise alles richtig gemacht“, resümiert Hendrik von Kuenheim, Chef von BMW Motorrad.

          Auf dem deutschen Motorroller-Markt liegt der italienische Piaggio-Konzern klar in Front. Der Dreiradroller MP3 400 LT, der mit dem Autoführerschein gefahren werden darf, führt die Zulassungsstatistik an (1659 Exemplare). Knapp dahinter rangiert die stärkste Vespa, die 300 GTS. Platz drei geht an die Vespa 250 GTS. Für Honda, Kymco, Suzuki und Yamaha blieben nur Nebenrollen. Und sie müssen sich warm anziehen: Nächstes Jahr will BMW in diesem Segment offensiv werden.

          Konkurrenzlos frischer Achtelliter-Sportler

          Bei den Leichtkrafträdern verteidigte Yamaha mit dem bis jetzt konkurrenzlos frischen Achtelliter-Sportler YZF-R125 (1859 Stück) den Spitzenplatz souverän. Dieses Jahr wird der Wettbewerb härter, denn mehrere Konkurrenten schicken neue Modelle ins Rennen.

          Weil zwischen Rhein und Oder alle Zweiradsparten rückläufig sind, verzeichnet Deutschlands Zweiradmarkt 2010 mit gerade noch 122 000 zulassungspflichtigen Zweirädern ein Minus von mehr als zehn Prozent. Auch bei BMW ist man sich im klaren darüber, dass man sich dem unerfreulichen Trend nicht ewig entgegenstemmen kann. „BMW braucht zum dauerhaften Erfolg einen wachsenden Gesamtmarkt, und dazu gehört, dass auch andere Hersteller wieder bessere Zahlen als zuletzt schreiben“, äußert von Kuenheim.

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