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Motorräder : Nur eins ist sicher: Es wird Frühling

Rohrfrei: Yamahas Vmax, wir reden über 200 PS, 300 Kilo und 20.000 Euro, hilft zuverlässig gegen Verstopfung und Alltagsmüdigkeit Bild: Hersteller

Schräglage gern, Schieflage lieber nicht. Es sah lange nicht danach aus, aber auch dieser Winter scheint jetzt ein Ende zu finden. Was bringt die neue Motorradsaison? Tolle Maschinen, ja, doch die Hersteller tappen im Dunkeln.

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          Auch dieser Winter scheint jetzt ein Ende zu finden. Es sah lange nicht danach aus, aber für die Liebhaber von Motorrädern wird es Zeit, sich auf die neue Saison zu freuen. Die Hersteller und Händler derselben wissen immer noch nicht so genau, ob sie sich freuen dürfen oder fürchten müssen.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Sooo schlecht werden die Verkaufszahlen vielleicht dann doch nicht. Es gibt Hoffnung, dass sich die Leute ihr sonntägliches Schräglagenhobby weiter leisten wollen oder das Zweirad gar als günstige Alternative der alltäglichen Mobilität entdecken. Aber, herrje: Man weiß eben noch nicht so genau, wie sich die Kradkunden in diesen Zeiten verhalten werden. Im Moment überwiegt das Bangen.

          Alles im Namen der Sicherheit

          Das Frühlingserwachen immerhin ist sicher. Nur in Zschopau fällt es aus. Dort ist zum Jahresende ein Unternehmen untergegangen, das alt und traditionsreich war, viele Jahre sehr groß, doch nach langem Siechtum zuletzt so unbedeutend, dass kaum ein Hahn danach gekräht hat, als mal wieder das Ende nahte. Niemand ist auf die Idee gekommen, MZ auf Kosten der Allgemeinheit aus dem Schlamassel zu ziehen, mit einer Abwrackprämie für Motorräder etwa.

          Die böse Rote: Ducati Streetfighter
          Die böse Rote: Ducati Streetfighter : Bild: Hersteller

          Dergleichen gibt es in Italien, mit einer 400-Kubik-Grenze für Neuanschaffungen. In London wird getestet, wie die Freigabe von Busspuren den Zweiradverkehr fördern und zur Entlastung der Straßen beitragen könnte. Hierzulande scheint Volksvertretern beim Thema Motorrad immer nur einzufallen: Vorschriften verschärfen, Kontrollen verstärken, Strafen erhöhen. Alles im Namen der Sicherheit. Unser nachhaltigstes Zweiraderlebnis des vorigen Jahres war der Anblick einer Politesse, die einem Roller am Rand eines großstädtischen Platzes, wo er niemanden behinderte, einen Strafzettel anheftete. In Mailand wäre sie dafür auf der Stelle von der Menge mit Espressotässchen gesteinigt worden, in Paris mit der Variante Café au lait.

          Yamaha hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt

          Das Motorrad hat ein Nachwuchs- und Imageproblem. Sein Ruf leidet unter dem Gehabe regelverachtender Heizer, keine Frage, aber vielleicht genauso unter dem wachsenden Unverständnis anderer Verkehrsteilnehmer, die Schräglage für etwas Unanständiges halten. Der Zweiradfahrer hingegen mag kaum begreifen, dass er im dicken Stau nicht seine natürlichen Vorteile (vorsichtiges Durchschlängeln) ausspielen soll, dass er im Überholverbot überholt werden darf, selbst aber auch bei übersichtlichster Lage Ewigkeiten hinter einem Sattelschlepper herzuzuckeln hat, obwohl er gefahrlos in Sekundenschnelle vorbei sein könnte. Jedenfalls könnte man Ideen verfolgen, die besonderen Vorteile wendiger, platzsparender Zweiräder besser zu nutzen – siehe London.

          Dem Nachwuchsmangel versucht die Industrie seit geraumer Zeit mit Führerscheinzuschüssen, wilden Rabattaktionen und Event-Trara zu begegnen. Wirksamer ist das Locken mit begehrenswerten Maschinen. Yamaha hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt mit attraktiven 125er-Modellen. Kawasaki setzt auf günstige 250er im Straßensport- und Enduro-Design. Frauen, Einsteiger, Wiedereinsteiger dürfen sich umworben fühlen wie lange nicht: Das Angebot an preisgünstigen, hübschen Maschinen mit 600 bis 800 Kubikzentimeter Hubraum und 70 bis 80 PS war nie so verlockend wie heute. Yamaha prescht auch hier vor mit der neuen XJ6 (ab 6000 Euro) mit Reihenvierzylinder, Kawasaki hat die beiden ER6-Typen mit Reihenzweizylinder aufgemöbelt, alles wie maßgeschneidert für den deutschen Markt.

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