https://www.faz.net/-gy9-93p9b

Motorräder der nächsten Saison : Prunk und Punk

Hautenges Trikot, hautnah am Rennsport: Ducati Panigale V4 Bild: Wille

Futurismus, Minimalismus, Überfluss und Retro, Vernetzung, Elektro, Hybrid – war die Zweiradwelt jemals so vielfältig? Wohl kaum.

          Star der diesjährigen Eicma? Für alle Lokalpatrioten vom Stiefel kommt nur Ducatis Panigale V4 in Frage, eine Rakete im roten Trikot. Rennsporttechnik für die Straße, so nah an der Moto GP wie nichts zuvor, wie die Verantwortlichen aus Bologna wieder und wieder verkünden. Sagenhaften 214 PS Spitzenleistung stehen lediglich 195 Kilogramm Gewicht gegenüber.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Rund ums V4-Triebwerk mit 1100 Kubikzentimeter Hubraum haben die Italiener ein komplett neues Fahrzeug gestrickt, dessen Elektronikpaket ebenfalls neue Höhen erklimmt, sogar kontrolliert geregelte Bremsdrifts zulässt. Wie ihre Vorgängerin, die 1299 Panigale mit V2-Motor, ist die Neue unnachahmlich gestylt, nicht mehr ganz so graziös, etwas brutaler um die Mundwinkel, aber nicht minder faszinierend. Das schönste Superbike war bisher eine Ducati – und so wird es bleiben. Da legen wir uns fest und sind ganz stiefel.

          Auch im Klassiker-Segment schaltet Ducati noch einen Gang rauf: Zu den zierlichen Scrambler-Typen mit 400 und 800 Kubik stößt nun eine wuchtige 1100er. Deren luft-/ölgekühlter Zweizylinder trieb einst die Monster 1100 an und leistet 86 PS. Mit Kurven-ABS, Traktionskontrolle und drei Fahrprogrammen ist die 1100er für einen Nostalgiehobel exquisit ausgestattet. Elektronische Aufrüstung war eines der zentralen Themen der Eicma 2017, so auch im Fall der großen Ducati-Reiseenduro Multistrada. Die lässt sich nicht nur mit Assistenzsystemen vollstopfen, sondern künftig per Bluetooth mit dem Smartphone koppeln, dessen Ingredienzen (Musik, Telefon, Nachrichten) sich auf dem neuen TFT-Farbdisplay im Cockpit darstellen lassen. Das Aufbohren des Testastretta-Zweizylinders von 1198 auf 1262 Kubikzentimeter Hubraum hat eine markigere Drehzahlmitte und einer Leistungssteigerung von 152 auf 158 PS zur Folge.

          Spät, aber gewaltig kommt Kawasaki auf die Retro-Bühne. Z 900 S in der Version „Café“ Racer. Bilderstrecke

          BMW lässt sechs Jahre nach der Rückkehr in den Rollermarkt, damals mit zwei Varianten eines 650-Kubik-Maxiscooters, nun den nächsten Schritt folgen: Mit dem C 400 X begeben sich die Münchener eine Ebene tiefer in die beliebte, belebte Mittelklasse. Das Fahrzeug – gefertigt bei Loncin in China – ist mit einer markanten Front ausgestattet: asymmetrischer, aus der Verkleidung herausragender LED-Scheinwerfer, weit hervorstehender Windschild, die Andeutung eines Entenschnabels, wie er für BMW-Enduros typisch ist. Ein neu konstruierter 350-Kubik-Einzylinder (34 PS) und 14-Zoll-Räder zählen zu den Merkmalen, zudem die Option auf eine „Connectivity“-Einheit gegen Aufpreis. Bunte Bilder auf dem TFT-Display, Telefonieren, Navigieren, mit dem Smartphone kommunizieren, Musikhören sind der Trend, dem sich kaum noch ein Hersteller entziehen mag.

          Auch die neuen BMW-Reiseenduros der Mittelklasse lassen sich gegen Aufpreis computerisieren. Sowohl F 750 GS also auch F 850 GS haben jetzt 853 Kubikzentimeter Hubraum, ein Schnapsglas mehr als ihre in die Jahre gekommenen Vorgängerinnen. Beide gehen 2018 als komplette Neukonstruktionen an den Start. Die K-1600-Baureihe wird durch die Variante Grand America erweitert, ein Supertourer, dessen Staukapazitäten ebenso unerschöpflich sind wie Leistung (160 PS) und Drehmoment (175 Nm). Erstaunlicherweise wird seine Höchstgeschwindigkeit auf 162 km/h begrenzt, was zeigt, wofür die mindestens 25 000 Euro teure Grand America hauptsächlich geschaffen ist: für Grand America. So wie auch die Honda Gold Wing. Die Neufassung des traditionsreichen Sechszylinder-Tourers – beschrieben schon in der Ausgabe vom 1. November – war das Prunkstück am Honda-Stand, aber bei weitem nicht die einzige Attraktion.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.