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Motorradmesse Intermot : Dicht beisammen und Lichtjahre auseinander

  • -Aktualisiert am

Rätsel auf drei Rädern: Was kündigt uns Yamaha mit dieser Studie an? Bild: Böhringer

Kawasaki lässt es krachen, Ducati wärmt das Herz, Yamaha setzt auf drei Räder und BMW bewegt sich auf dem Level des zu Erwartenden. Ein Rückblick auf die Intermot.

          Ein Dreieck ist die geometrische Form, welche die Extreme der Motorradmesse Intermot am besten veranschaulicht. Hier die neue Ducati Scrambler, reduziert aufs Wesentliche. Zwei Räder, zwei Zylinder, 800 Kubik, 75 PS. Aber pfiffig im Detail und dazu irgendwie menschlich. Dort ein Karbon-Tragflächen-Tiefflieger, die Kawasaki Ninja H2, ausgestellt in der R-Version nur für abgesperrte Strecken. Vierzylinder-Kompressormotor, 300 PS. Unvorstellbare Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sind im Preis von vermutlich etwa 45 000 Euro enthalten. Und dann das Konzept 01GEN von Yamaha. Ein Fahrzeug mit drei Rädern, auf Asphalt wie abseits davon einsatzfähig. Futuristisch, aber ganz und gar nicht utopisch. Dazwischen in den Kölner Hallen alles andere von A wie Aprilia bis Z wie Zero.

          Kawasaki war das Gesprächsthema von Köln. Nicht allein wegen der astronomischen Leistung, denn davon wird wohl ein Drittel auf der Strecke bleiben, bis in vier Wochen beim Mailänder Salon die Serienversion Ninja H2 vorgestellt wird. Man munkelt von 200 PS bei nur wenig mehr als 200 Kilogramm Gesamtgewicht. Rund 25 000 Euro dürften für die grüne Gewalt aufgerufen werden. „Kawa ist wieder da!“, jubelte der Sympathisantenkreis der „Grünen“, die sich seit je an der Spitze der Leistungsgesellschaft auf zwei Rädern wähnen, in den vergangenen Jahren aber vor allem durch Vernunft-Motorräder à la ER-6n aufgefallen waren. Die Ninja H2 ist eine Ansage: Japan hat wieder Anschluss gefunden an Europa, wo unter Leistungs- und Innovationsgesichtspunkten die Musik gemacht wird, vornehmlich von BMW und Ducati, aber auch von KTM.

          Yamaha kündigte den Beginn einer „neuen Ära“ an

          Damit das so bleibt, haben die Bayern in Köln die zweite Generation ihres Superbikes S 1000 RR vorgestellt; 199 PS und neueste Elektronik-Assistenzsysteme bei nur noch 204 Kilogramm dürften für die Freunde des Knieschleifens elektrisierend sein und für die Konkurrenten eine gewisse Hürde darstellen. Die hielten am Rhein allesamt hinterm Berg - noch. Doch schon für Mailand kündigte Yamaha den Beginn einer „neuen Ära“ an: „Development Level Z“ lautet die firmeninterne Bezeichnung für ein Superbike, das in der vergangenen Woche als „neue R1“ durch die Hallen geisterte. Dass die erwähnte Studie 01GEN von Yamaha keine Spinnerei ist, darf man aus dem jüngst vorgestellten Dreirad-Serienroller Tricity herleiten: Spannend am neuen Projekt sind vor allem die Frage der Motorisierung und der Zeitpunkt der Präsentation.

          Eher auf dem Level des zu Erwartenden bewegen sich die beiden weiteren BMW-Neuheiten R 1200 R und R 1200 RS, technisch eng verwandt: Zweizylinder-Wasserboxer, feines Fahrwerk, pointierte Linien. Trotz bester Geschäftszahlen und des Präsentations-Gehiphopses gut gebauter junger Menschen kam auf dem aseptisch wirkenden BMW-Stand nicht wirklich Stimmung auf.

          Das nackte fernöstliche Einliter-Powerpaket

          Lange erwartet wurden: die technische Aufwertung von Moto Guzzis V7-Baureihe (Sechsganggetriebe und ABS), die neue, gefälligere Einkleidung der bisher glücklosen Kawasaki-Reisemaschinen Versys 650 und Versys 1000 und auch die Enthüllung der neuen Suzuki GSX-S 1000. Überraschenderweise wird das nackte fernöstliche Einliter-Powerpaket mit vermutlich etwa 160 PS Leistung gleich auch noch mit Verkleidung zu haben sein. Suzukis renovierte Mittelklasse-Reiseenduro V-Strom 650 sieht nun knackiger aus, Aprilia bringt die große Caponord 1200 als „Rally“-Variante im Geländelook mit Speichenrädern und üppigem Touring-Zubehör. Dass der amerikanische Elektrokrad-Hersteller Zero (endlich) ordentliche Fahrwerkselemente ver- und ein ABS einbaut - Randnotiz.

          Dicke Backen macht der neuer Reisedampfer 1290 Super Adventure von KTM. Der 1,3-Liter-V2 mit 160 PS und 150 Nm dürfte mit den schätzungsweise 250 Kilogramm keinerlei Schwierigkeiten haben. Mehr Assistenzsysteme und Elektronik-Beiwerk weist keine andere Reiseenduro auf. Zu den Novitäten gehören ein schräglagengesteuertes Kurvenlicht, semiaktives Fahrwerk und Berganfahrhilfe. 30 Liter fasst der Tank. So etwas hat die elektrische Freeride E nicht. Dem kleinen Crosser wurde in Köln eine Supermoto-Version zur Seite gestellt.

          Zurück zur Scrambler von Ducati: reduziert, nett, einfach zum Gernhaben und Gernfahren. Vier Versionen sollen viele Geschmäcker bedienen: „Classic“ mit Speichenrädern, „Urban Enduro“ mit Ölwannenschutz und Gabelholmverkleidungen, „Full Throttle“ mit Design-Elementen aus der Welt des Flat-Track-Racings und „Icon“, gewissermaßen die Basis. Ein einzelnes Rundinstrument, ein kleiner Rundscheinwerfer nur, aber mit vorlautem LED-Ring. Viel Liebe zum schönen Detail ist zu erkennen. „So würde unsere Scrambler vom Ende der sechziger Jahre wohl heute aussehen, wenn wir diese Ursprünge nicht jahrzehntelang vergessen hätten“, äußerte ein Ducati-Mann. An der Welt des Mini habe man sich orientiert, denn die Scrambler sei nicht retro, sondern ein modernes Motorrad mit historischen Bezügen.

          Viele Intermot-Besucher nahmen’s mit Wohlgefallen zur Kenntnis, keine 40 Meter entfernt, in derselben Halle, wurde die Kawasaki Ninja H2 umschwärmt, bei manchem mit einem Schauer im Nacken. Dicht beisammen und doch Lichtjahre auseinander.

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