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Motorradhelm Neotec II : Mein lieber Shoei

Dieser neue Motorradhelm aus Japan ist ein Vertreter der Gattung Klapp. Bild: Hersteller

Großer Wurf aus Japan: Am Ende bleibt nichts anderes als eine dicke Empfehlung für den Shoei Neotec II.

          „Ha!“, dachten wir, innerlich triumphierend. Endlich etwas gefunden, was man als Schwachpunkt bezeichnen könnte. Aber nein, bei genauerem Hinsehen dann doch nicht. So bleibt am Ende nichts anderes als eine dicke Empfehlung für den Shoei Neotec II.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Dieser neue Motorradhelm aus Japan ist ein Vertreter der Gattung Klapp. Die wird nach wie vor in erster Linie mit gemütlichen Reiseonkels in Verbindung gebracht, mit Motorradfahrern, die sich um praktische Gesichtspunkte mehr Gedanken machen als um ihr Aussehen. Doch können Klapphelme mittlerweile ziemlich schick sein, der Shoei, recht kompakt gebaut und fast aggressiv geformt, ist ein Beispiel dafür. Je nach Farbe und Design lässt sich kaum erkennen, dass er eine große Klappe hat, wie sie von Brillenträgern geschätzt wird, von Freunden der Zigarettenpause und überhaupt von allen Motorradfahrern, die auf bequemes Auf- und Absetzen ohne Mühen und Reißen am Ohr Wert legen.

          Der Neotec II wird in drei Schalengrößen gefertigt. Die Verbundstruktur der Außenschale enthält nach Angaben der Japaner fünf Schichten aus Glas- sowie nicht näher bezeichneten organischen Fasern unterschiedlicher Festigkeit und Elastizität. Im Innern wird der Dämmstoff EPS aus Elementen variierender Härte verbaut. Bei Tests der Zeitschriften „Tourenfahrer“ und „Motorrad“ bekam die Schlagdämpfung gute Bewertungen.

          Leichtgängig arbeitet der Klappmechanismus

          Damit der Neotec II zu ganz verschiedenen Motorradtypen passt, dient einerseits die Kontur des Belüftungseinlasses überm Scheitel als Spoiler bei aufrechtem Sitzen, während andererseits die Spoiler-Form am Hinterkopf stabilisierende Wirkung bei sportlicher Haltung mit nach vorn geneigtem Oberkörper entfalten soll. Tatsächlich liegt der Helm ruhig im Fahrtwind, wie wir auf diversen Zweirädern festgestellt haben.

          Vergleichsweise ruhig ist es auch im Innern, die Geräuschdämmung gelang weit überdurchschnittlich. Helmkragen und Kinnriemen-Polsterung schließen am Hals dicht, aber druckfrei ab, so dass – in unserem Fall jedenfalls – von unten her kein Wind eindringt. Wenig Lärm, angenehmer Stoff und überragende Passform zusammen ergeben hohen Tragekomfort. Dass der Helm nicht nach Kleber oder Kunststoffen riecht, wenn man ihn frisch aus der Verpackung holt, spricht ebenfalls für ihn. Leichtgängig arbeitet der Klappmechanismus, sowohl beim Öffnen mittels gut zugänglicher Auslösetaste am Kinnteil als auch beim Einrasten nach dem Schließen.

          Hochgeschoben rastet das Kinnteil sicher ein, in zwei hintereinander folgenden Positionen, von denen die hintere laut Shoei der P/J-Doppelhomologation als Jet- wie als Integralhelm dient. Ist die Klappe zu und das aufwendig abgedichtete Visier geschlossen, dringen weder Zugluft noch Feuchtigkeit ein. Das integrierte Sonnenvisier deckt im heruntergefahrenen Zustand fast das gesamte Sichtfeld ab, ohne auf der Nase zu drücken. Ein Visierwechsel ist mit etwas Fummelei verbunden. Eine Pinlock-Innenscheibe unterbindet jegliches Beschlagen, ihr Rand gerät beim Schulterblick leicht ins seitliche Sichtfeld – kein Drama.

          Was uns dagegen zunächst irritierte, war das Belüftungssystem. Zwar fiel die Wirkung des Lufteinlasses oben am Kopf vorbildlich aus, doch blies einem jener am Kinn bei geöffnetem Regler einen – ha! – unangenehm scharfen Luftstrahl ins Gesicht. Auf unverkleideten Motorrädern und Rollern wirkte das arg übertrieben. Doch zeigte sich dann auf Maschinen mit Windschutzscheibe der Sinn der Sache: Auch im Windschatten des Schilds brach, anders als bei vielen anderen Helmen, die Frischluftversorgung nicht zusammen. Und Brillenträger, denen wir den Neotec II zum Ausprobieren gaben, waren von der großzügigen Belüftung ohnehin angetan.

          Der Preis von 599 bis 699 Euro (abhängig von Farbe und Dekor) erscheint happig, angesichts der hochwertigen Verarbeitung und Ausstattung (Pinlock, Sonnenvisier, Atem- und Windabweiser, Edelstahl-Ratschenverschluss, Helmbeutel) jedoch erträglich. Weitere 299 Euro kostet ein maßgeschneidertes, in die Helmschale zu integrierendes Kommunikationssystem.

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