https://www.faz.net/-gy9-9rn31

Motorrad-Unfall : Bin ich jetzt tot?

Das Grauen kam in Orange. Bild: Privat, Bearbeitung F.A.Z.

Plötzlich rast ein Auto frontal auf den Motorradfahrer zu. Keine Chance, dem Crash zu entkommen. Wenn der Albtraum Realität wird.

          5 Min.

          Am Unglückstag ging es los, dass ihm ständig von allen Seiten bescheinigt wurde, welches Glück er gehabt habe. Als er auf der Straße lag, in einer Lache aus Kühlflüssigkeit, seitlich auf den rechten Ellbogen gestützt, weil das die Haltung war, in welcher der Schmerz sich am ehesten aushalten ließ, als er bemerkte, wie sein Blut unter dem Helm übers Gesicht lief, auf seinen rechten Ärmel tropfte, sich auf dem Asphalt ein rotes Rinnsal bildete, da hörte er zum ersten Mal jemanden sagen, dass er Glück gehabt habe.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Zu seiner eigenen Überraschung hatte er überlebt. Ein paar Momente lang in einem eigenartig losgelösten Zustand der Benommenheit war er sich nicht sicher gewesen. Ist hier das Jenseits? Dann sah er das Wrack seines Motorrads neben sich liegen, spürte dumpf, dass er atmete, bemerkte, dass die Sonne noch genauso schien wie vor dem Einschlag.

          Wie unter einer Glocke nahm er Stimmen auf Französisch wahr, nah und doch weit entfernt, Leute, die sich um ihn herum scharten, während er auf dem Asphalt lag. Blauer Himmel, Bergwelt, der orangefarbene Sportwagen, in den sein Motorrad eine Schneise fast bis zur Windschutzscheibe gebohrt hatte. Er wunderte sich über all das Blut auf dem Auto, auf seiner Kleidung, auf der Straße, wo es sich mit der Kühlflüssigkeit mischte. Alles seins?

          Reflexartiges Reißen am Bremshebel

          Die Sekunde des Entsetzens vom Auftauchen des aus der Kurve hervorschießenden Sportwagens bis zum Knall hatte sich gedehnt, als hätte jemand vorübergehend das Universum angehalten. Zeit genug, um zu denken, dass gleich alles vorbei sein kann. War es das jetzt? Für immer dunkel? Reflexartiges Reißen am Bremshebel. Krachen. Gegen den Lenker geschleuderter Unterleib. Abflug nach vorn mit dem Kopf voran. Im Augenwinkel das hochgewirbelte Motorrad. Blitzender Schmerz beim Aufprall des Helms in der Windschutzscheibe. Das Poltern des Körpers auf der Fahrzeugfront. Dann lag er vor dem Auto wie eine Crashtest-Puppe, das nachhallende Echo des Einschlags im Kopf.

          In der Nacht zuvor war er aus einem Traum hochgeschreckt, ein Traum wie noch nie. Da war etwas gewesen, das versucht hatte, ihn zu greifen. Immer wieder hatte es sich aus einer dunklen Tiefe heraus nach ihm gestreckt, um ihn in die Finsternis hinabzuziehen. Ein langer Kampf. Hatte er sich mit Mühe befreit, wurde er aufs neue gepackt, bis zum erlösenden Aufwachen um drei in der Frühe. Für eine Viertelstunde schaltete er das Licht an im Zimmer der Herberge, um den Traum loszuwerden in dieser letzten Nacht am Ende einer Tour entlang der Route des Grandes Alpes. Vorahnungen, Übersinnliches? „Zufall“, meinte die Neurologie-Professorin, der er Wochen später von dem Traum erzählte. „Am besten, Sie vergessen es einfach.“

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Matilda Gustavsson, Journalistin und Autorin von „Klubben“

          Buch über Akademie-Skandale : Ein Täter – und viele, die lieber wegsahen

          Man kann nur hoffen, dass dieses Buch auf Deutsch erscheint: „Klubben“ ist eine Milieustudie über die Schweigekultur rund um die Skandale an der Schwedischen Akademie, die das Nachdenken über Macht und Sex in der Kulturwelt neu entfacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.