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Motorrad : Mit dem ganzen Siegeswillen

  • -Aktualisiert am

Eine einzige Herausforderung: Kawasaki ZX-6R Ninja Bild:

Kein Bike zum Bummeln: Mit der ZX-6R Ninja hat Kawasaki ein Sportgerät der Sonderklasse auf den Markt gebracht.

          3 Min.

          Es ist ein paar Jahre her, daß wir als Buben in einem kleinen Kino saßen, das sich sein karges Einkommen mit hausbacken wirkenden Werbefilmchen des heimischen Handels aufbesserte. Unvergessen das beeindruckende Auspuffröhren und jene kernige Stimme, die für ein ortsansässiges Motorradhaus warb mit den Worten: Kawasaki, das klinge nach Tempo und Sport. Längst haben die Kawasakis nicht nur auf der Rennstrecke Erfolg. Von der Wildheit der frühen Jahre indes ist kaum etwas verlorengegangen. Zu einem neuen Höhenflug setzt die Marke mit der Ninja ZX-6R an.

          Deren Ursprünge liegen im Sport, sie wurde als Homologationsmodell für die Supersportklasse der Weltmeisterschaft entwickelt. Nach einem kleinen Modifikationen rollt sie nun von der Rennstrecke auf die öffentlichen Straßen. Für 10295 Euro gibt es ein Motorrad, das die scharf gefahrene Kurve weit mehr liebt als jeden Kompromiß.

          Kein Bike für die gemütliche Landpartie

          96 kW (131 PS) liefert der Reihenvierzylinder aus nur knapp 0,64 Liter Hubraum, 14000 Umdrehungen in der Minute liegen bei Spitzenleistung an. Jede Pferdestärke hat nur rund 1,41 Kilogramm zu beschleunigen, da zupft es die kleine Ninja in wenig mehr als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h, 260 km/h beträgt laut Werk die Höchstgeschwindigkeit. Eine andere Art der Fortbewegung als die zügige ist auch nicht die Sache der ZX-6R. Zwar fährt sich das Leichtgewicht harmonisch und unkompliziert, aber für eine gemütliche Tour über Land eignet sich diese Kawasaki ebensowenig wie für den Einkauf beim Bäcker.

          Während der ersten 30 Sekunden reagiert der Motor noch störrisch auf den Gasstoß, wer zuviel verlangt, riskiert ein Absterben des Triebwerks. Das Kribbeln in den Händen und in der Sitzfläche rührt allerdings nicht von Emotionen, sondern von Vibrationen her, die der Motor großzügig weitergibt. Die Ninja ist eben kein Komfort-Bike. Schlecht abzulesen ist die Skala des Drehzahlmessers, dessen Flüssigkristallanzeige sich mit kleinen Balken rund um die digitale Geschwindigkeitsanzeige schwingt. Unter der niedrigen Verkleidung ist die gesamte Instrumentierung ohnehin nicht leicht zu erkennen. Die transparente Kunststoffkuppel zieht sich weit nach hinten, an der Oberseite des 18-Liter-Tanks gibt es eine Mulde für den Kinnbügel des Helms, damit sich der Fahrer so klein wie möglich machen kann. Die Anordnung von Lenkerstummeln und Sitzbank zwingt von vornherein in eine sehr geduckte Sitzposition, dennoch drückt es auf der Autobahn jenseits von 160 km/h ordentlich auf Helm und Oberkörper. Die Fußrasten liegen weit hinten, die breite und nicht mal unbequeme Sitzbank erlaubt immerhin kleine Veränderungen der Haltung, was längere Strecken erträglich macht. Der modisch unter das hohe Heck verlegte Auspuff erwärmt den Fahrerplatz von unten - gelegentliches Lüften tut gut.

          Für extreme Schräglagen

          Die sechs Gänge des Getriebes rasten präzise und weitgehend ruckfrei ein, die nötige Kraft zum Betätigen der Kupplung ist gering, was die Schaltarbeit sehr erleichtert. Davon ist reichlich gefragt, wenn der Motor seine immense Kraft entfalten soll. Unter 4000/min tut er das sehr verhalten, der große Schub beginnt bei 8000/min, und es erfordert Konzentration und Erfahrung, im obersten Drehzahlbereich nicht die Kontrolle zu verlieren und den passenden Moment für den Gangwechsel zu verpassen. Die Bremsen gebieten dem ungestümen Vorwärtsdrang in passendem Maß Einhalt. Vorn verzögert eine mächtige Doppelscheibe, hinten eine einzelne, die Blockierneigung des Hinterrads ist überraschend gering. Die Anlage läßt sich sehr fein dosieren und im Ansprechverhalten keine Wünsche offen.

          Die Ninja klebt innerhalb der Grenzen der Fahrphysik auf dem Asphalt. Hochliegende, knappe Fußrasten erlauben extreme Schräglagen. Das Handling ist hervorragend, Schwerpunkt und Gewichtsverteilung sind ideal. Telegabel und das zentrale Federbein der Hinterradschwinge können fein eingestellt werden, der Geradeauslauf ist mustergültig. Es bleiben die systembedingten Mängel eines Supersportlers. Dem Beifahrer steht nur ein knappes, dünnes Kissen zur Verfügung, die Kette ist ungenügend gegen Verschmutzung geschützt, ein Hauptständer ist der Ninja fremd wie dem Asiaten das Milchprodukt. Die Kawa ist ein Sportgerät der Sonderklasse mit großen Reserven an Kraft und Sicherheit, muß sich aber im enger werdenden Verkehrsraum auf Minderheitenschutz und Zugeständnisse an den Individualismus berufen.

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