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Motorrad : Die Kunst, das Vorderrad am Boden zu halten

  • -Aktualisiert am

Mehr als 170 PS: Yamaha YZF-R1 Bild:

100 PS sind genug für ein Motorrad, mehr als genug. Doch manch einem reicht das nicht. Die Leistung der stärksten Zweiräder liegt inzwischen weit jenseits der magischen Grenze.

          6 Min.

          Höchste Vorsicht beim Umgang mit dem Gasgriff: Drei sportliche Maschinen von Yamaha, Honda und Kawasaki.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nur für Könner - Yamaha YZF-R1

          Mit dem Begriff "super" ist man heute schnell bei der Hand. Alles ist gut, besser, super. Ein "Sportmotorrad" genügt nicht mehr, längst muß es ein Supersportmotorrad sein, doch die neue Yamaha YZF-R1 trägt diese Bezeichnung zu Recht.Damit bietet Yamaha ein Bike, das auch den anspruchsvollsten Rundstreckenpiloten aufs vollste befriedigt, und hat dabei noch Spuren von Alltagstauglichkeit erhalten. Wir haben schon auf unbequemeren Sportmotorrädern gesessen. Und wer Platz nimmt und losfährt, spürt sofort, was Sache ist. Der Fahrer schmiegt sich ins Bike, der Knieschluß ist perfekt, der Blick auf die Armaturen für Menschen, die größer als 1,85 Meter sind, allerdings nicht mehr. Schon im Stadtverkehr merkt man, daß die R1 ein echter Pistenräuber ist, die hervorragende Lenkpräzision zahlt sich selbst hier aus. Die sechs Gänge lassen sich perfekt schalten.

          Gleichfalls mehr als 170 PS: Honda CBR 1000 RR Fireblade
          Gleichfalls mehr als 170 PS: Honda CBR 1000 RR Fireblade : Bild:

          Mit dem Gasgriff muß aber vorsichtig umgegangen werden: 126 kW (172 PS) schlummern im Vierzylindermotor (ein Liter Hubraum), bei einem Trockengewicht von nur 172 Kilo sind exzellente Fahrleistungen selbstverständlich. Eine Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h ist im Fahrzeugschein ausgewiesen, schneller als Tacho 250 km/h sind wir aber nie gefahren. Zum Glück gibt es heute den Stufenführerschein. Wer unüberlegt den Gasgriff aufdreht, wird sich wundern, wie schnell die nächste Kurve näher kommt. Daß die R1 die allerbesten Qualitäten für den Tiefflug rechts- wie linksherum hat, steht außer Frage, nur muß man damit umgehen können. Nicht umsonst hat man für das Chassis wie für viele andere Komponenten Anleihen bei Rennmaschinen genommen. Dieses Motorrad ist nichts für kleine Jungs. Die Bremsen (vorn zwei Scheiben mit 32 Zentimeter Durchmesser, hinten eine mit 22) stehen der Motorleistung aber in nichts nach. Da sich offenbar wirklich nur Könner für dieses Sportgerät entscheiden, wird kein ABS offeriert. Dafür werden die Abgase des Motors von einem Katalysator behandelt, bevor sie vom unter die Sitzbank verlegten Auspuffsystem (Werkstoff Titan) ins Freie gelassen werden. Der Motor zieht praktisch aus allen Lebenslagen und in jedem Gang prima durch. Die Gänge liegen eng beieinander. Wer im sechsten Gang mit 100 km/h bei 4000 Umdrehungen über die Landstraße bummelt, kann dreimal herunterschalten und fährt dann im dritten bei 6000/min. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt erst bei 13800. Er dominiert als Soloinstrument das Cockpit, um ihn gruppieren sich einige Warnlämpchen, in ihm wird digital die gefahrene Geschwindigkeit angezeigt.

          Bei allem Lob für die Qualitäten der Yamaha - die Sportlichkeit hat ihre Schattenseiten. Zum einen der mehr als unbequeme Platz für den Beifahrer, zum anderen der fehlende Hauptständer, zum dritten die kompromißlose Federung. Schon der kleinste Hubbel in der Fahrbahn ist zu spüren. Das ist für die Rennstrecke wichtig, wird aber manchmal zur Qual. Der Tank faßt 18 Liter Kraftstoff, Super will getankt sein, und wer mit dem Gasgriff vorsichtig umgeht, kann Verbräuche von 6,1 Liter auf 100 Kilometer realisieren.Die Renntechnik der Yamaha hat ihren Preis: 13295 Euro sind angesichts des Gebotenen nicht zuviel. Weil viel auf dem Spiel steht und damit Laternenparker nicht zu sehr um ihr schönes Stück fürchten müssen, hat Yamaha der R1 eine Wegfahrsperre spendiert.

          Vorstoß in den Grenzbereich - Honda CBR 1000 RR Fireblade

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