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Motorrad : Der leise Wind der Sehnsucht

  • -Aktualisiert am

Vielseitig, mit auffälligem Gesicht: Die BMW R 1200 ST Bild:

Der Sporttourer BMW R 1200 ST lockt in die Ferne und ist dabei auf allen Strecken zu Hause.

          3 Min.

          Willkommen im Klub. BMW verstärkt in dieser Saison die junge Boxer-Bande mit der R 1200 ST. Der Sporttourer lockt nicht nur mit den wunderbaren Eigenschaften der neuen Motoren-Generation, die mit dem auf 1,17 Liter Hubraum gewachsenen Zweizylinder im Enduro-Modell begründet wurde, sondern auch mit einer ausgewogenen Mischung aus Reisefreudigkeit und sportlichen Genen. Das Beste aus zwei Welten will er bieten, wer es haben möchte, zahlt 12 500 Euro und bekommt ein 81 kW (110 PS) starkes Motorrad mit erstaunlicher Vielseitigkeit.

          Boxer müssen nicht massig sein. Die ST geht trotz ihrer links und rechts vorwitzig aus der Verkleidung lugenden Magnesium-Zylinderkopfdeckel nicht in die Breite. Die Verkleidung schmiegt sich eng an Motor und Rahmen, eine schicke und gegen den Fahrtwind wirkungsvolle Frontscheibe sowie das hohe Heck geben der BMW eine hinreißende Figur. Die Bedienung ist nach Art der Bayern denkbar einfach und sicher, die Blinkertasten liegen trotz des Handschuhleders gut erfühlbar links und rechts im Griff, der Rückstellknopf mit feinem Druckpunkt sitzt beim rechten Daumen. Die Verkleidung und das hohe Heck zeugen von den sportiven Ansprüchen der ST, die breite Sitzbank lädt zum Touren ein. Trotz der deutlich nach vorn geneigten Sitzposition liegt die Last des Oberkörpers nicht zu hart auf den Handgelenken, die Fernfahrt ist ohne Verspannung zu bewältigen. Die dreifach in der Höhe verstellbare Verkleidungsscheibe nimmt den Druck des Fahrtwinds von Helm und Oberkörper, die Beine liegen geschützt hinter der Verschalung des Motors. Selbst Spritzwasser bei Regenfahrten wird abgewiesen. Die in zwei Stufen höhenverstellbare Sitzbank erlaubt die Abstimmung auf unterschiedliche Fahrergestalten. Gut ablesbare Instrumente, eine ebenso solide wie aufwendige Verarbeitung und ein feiner Knieschluß am Tank machen den Sporttourer der R-1200-Reihe fit für das Reisen ohne Rast.

          Weite Reise mit dem 21-Liter-Tank

          Willig springt der Boxermotor an, dreht rund, wenngleich nicht vibrationsfrei, hat aber keine Unarten während des Warmlaufens. Schon bei 2000 Umdrehungen in der Minute steht Leistung im Überfluß bereit, was gerade beim Fahren in der Stadt oder dem gemütlichen Cruisen sehr erfreut. Immerhin 115 Newtonmeter liegen dann bei 6000/min als Maximum an. Kraftvoll und gleichmäßig gibt der Zweizylinder seine Leistung über beinahe das gesamte Drehzahlband ab, locker dreht er weiter, wo sich andere Boxer längst verkrampft und kraftlos zeigen. Bei Autobahn-Tempo 140 km/h im sechsten Gang des nun sehr präzise zu schaltenden Sechsganggetriebes verschwinden die Vibrationen nahezu vollständig, dann gleitet die ST sanft über den Asphalt. Der Verbrauch von fünf bis sechs Liter Super Plus ist angemessen, das Tankvolumen von 21 Liter erlaubt große Reichweiten.

          ABS als Sonderausstattung

          Das Fahrwerk tut das Seine dazu. Die wunderbare Evo-Paralever-Gabel schluckt und dämpft, ist dennoch steif und straff, hält das Vorderrad auf der Fahrbahn. Die Hinterrad-Schwinge mit zentralem Federbein macht ihrem Namen keine Ehre, selbst bei voll beladenen Packtaschen (30 Liter, jeweils 225 Euro Aufpreis) und einem Mitfahrer auf dem bequemen Sozius-Sitz bleibt die BMW spurstabil und zeigt nicht geringste Neigung zum Pendeln oder Aufschwingen auf Bodenunebenheiten. Das Handling gewinnt durch die feine Fahrwerksabstimmung und das geringe Grundgewicht. 230 Kilogramm wiegt die ST, 40 weniger als das reine Tourenmodell RT, 230 Kilo Zuladung sind erlaubt. Kurven sind einfach und sicher zu meistern, die Bremsanlage mit einer Doppelscheibe vorn und einer einzelnen hinten gefällt mit guter Dosierbarkeit und kann überdies mit einem ABS kombiniert werden (1050 Euro) .

          Allrounder für alle Strecken

          Der R 1200 ST gelingt die Quadratur des Kreises. Auf langen Strecken ist sie ebenso zu Hause wie auf der schmalen gewundenen Bergstraße, die sie im forschen Ritt bezwingt. Allenfalls die Einflüsse des wartungsfreien Kardanantriebs zum Hinterrad bringen bisweilen eine gewisse Unruhe in die sonst so störungsfreie Fahrt, beim Zurückschalten sollte die Motordrehzahl angepaßt werden, anderenfalls gibt's ein Nicken oder Aufbäumen des Hecks.

          Die Ausstattung ist ebenso wie die Verarbeitung erhaben über Kritik. Zwar muß der Hauptständer mit 95 Euro extra bezahlt werden, doch ist er immerhin im Angebot, ebenso wie heizbare Griffe (185 Euro) oder jeder nur erdenkliche Zierat in Chrom oder Edelstahl. Der Sporttourer von BMW hat die Attraktivität und Geschmeidigkeit, die begehrenswert macht. Und taugt nicht nur für die Fahrt vom Elm zur Zugspitze, sondern weit darüber hinaus.

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