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Motormarkt : Vergnügen statt Freiheit, Spaß statt Status

  • -Aktualisiert am

Überall gleich: Das Auto gehört zum Statdtbild. Bild: Caro / Sorge

Zwar ist der deutsche Automobilmarkt der größte und wichtigste in der EU, doch auch aus anderen Ländern kommen bedeutende Impulse für Handel und die Industrie. Für die französischen Autofahrer zählt vor allem das Fahrvergnügen.

          Das Auto hat in Frankreich einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Wie die Marktforschung von Renault herausgefunden hat, ist der eigene Wagen für den Deutschen nach wie vor ein Statussymbol, dagegen läßt die Wahl des Wagens bei einem Franzosen nur wenig Rückschlüsse auf den gesellschaftlichen Stand zu. Und auch die Bedeutung sei eine andere: Auf der einen Seite des Rheins steht das Vehikel für die persönliche Freiheit auf vier Rädern, während auf der anderen "le plaisir", das Vergnügen, im Vordergrund steht. "Dafür muß ein Auto nicht unbedingt groß oder schnell sein, allein das Fahren und das Fahrgefühl sind wichtig", faßt eine Marktforscherin in Paris die Ungleichheit zusammen. Entsprechend diesen abweichenden Einstellungen unterscheidet sich auch der Markt. Kleine Autos sind in Frankreich wesentlich beliebter als hierzulande.

          Insgesamt wurden 2004 in Frankreich nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes Acea, der auch die leichten Nutzfahrzeuge mitzählt, knapp 2,5 Millionen Autos neu zugelassen. Damit nimmt Frankreich in der EU hinter Deutschland (3,5 Millionen), Großbritannien (3,0) und Italien (etwas mehr als 2,5 Millionen) den vierten Platz ein und kommt auf einen Anteil von etwa 15 Prozent an den 16,3 Millionen Zulassungen in den 15 Kernstaaten der EU.

          Renault ist die führende Marke

          Bei der Wahl ihrer Marke geben sich die Franzosen ausgesprochen vaterlandstreu: Denn sechs von zehn Neuwagen stammen von französischen Herstellern. So ist es nicht verwunderlich, daß Renault den Markt 2004 mit einem Anteil von 27,3 Prozent dominiert, Peugeot folgt mit 18,0 Prozent vor Citroen mit 12,8. Übrigens: Auch in Deutschland entfallen auf die heimischen Hersteller mehr als 60 Prozent Marktanteil. Bester Importeur ist mit deutlichem Abstand und nur 6,6 Prozent Marktanteil VW, gefolgt von Opel (5,5), Ford (5,1) und Toyota, die mit 3,9 Prozent Anteil die Liste der außereuropäischen Hersteller anführen. Erst danach kommt Mercedes-Benz vor Fiat und Nissan. Auf die ersten zehn entfallen gut 85 Prozent des Kuchens. Renault darf sich in Frankreich als führende Marke fühlen, aber Peugeot und Citroen, die im PSA-Konzern unter Führung Peugeots zusammengehören, sind stärker als Renault.

          Das meistverkaufte Modell im vergangenen Jahr war auch der Peugeot 206, für den sich rund 151000 Kunden entschieden haben. In der Zulassungsstatistik reihen sich der Renault Clio, der Peugeot 307 und der Renault Scenic danach ein. Bestes Importauto war der VW Golf, der allerdings mit 42704 Zulassungen auf Rang zehn noch hinter "Oldtimern" wie dem Renault Twingo oder dem Xsara Picasso von Citroen steht. Als einziges japanisches Produkt schafft es mit 27110 Zulassungen der in Frankreich gebaute Toyota Yaris unter die Top 20. Aktuell hat sich im ersten Quartal 2005 auf den ersten fünf Plätzen nur die Reihenfolge verändert. Der VW Golf ist als weiterhin bestes Importmodell auf Rang 13 zurückgefallen. Einziges Volumenmodell, das in Frankreich und Deutschland nahezu gleich stark nachgefragt wird, ist der Ford Focus C-Max. Wie bei keinem Auto unter den ersten 20 ähneln sich die Verkaufszahlen stark: Rund 27500 Verkäufe stehen knapp 28900 gegenüber. "Oberklasse-Auto" Nummer 1 in Frankreich ist der Citroen C5, der einen Rang vor dem Ford rangiert. Nochmal zum Vergleich: In Deutschland ist das die Mercedes-Benz E-Klasse mit fast 90000 abgesetzten Einheiten im vergangenen Jahr.

          Kleinwagen sind gefragt

          Wie gesagt, die Nachfrage konzentriert sich mehr auf die unteren Fahrzeugklassen. Das Segment der Kleinwagen kommt in Frankreich auf einen Anteil von 38,2 Prozent (Deutschland 22,3 Prozent) und ist damit das größte. Die untere Mittelklasse erreicht 35,2, die obere Mittelklasse 10,5 und die Oberklasse 7,4 Prozent. Über alle Klassen hinweg erfreuen sich auch in Frankreich Minivans weiterhin wachsender Beliebtheit. So ist allein der Markt für kompakte Vans a la Renault Scenic von 2002 bis 2004 um 31 Prozent auf einen Anteil von 14 Prozent gewachsen. Und obwohl es bis heute keinen französischen Geländewagen gibt, haben die Off-Roader in dieser Zeit sogar um 40 Prozent zugelegt - wenngleich der Markt insgesamt noch relativ klein ist.

          Durchschnittspreis 20900 Euro

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