https://www.faz.net/-gy9-qt7d

Motormarkt : Noch herrschen komplett andere Marktbedingungen

  • -Aktualisiert am

Marktführer in Polen: Fiat Panda Bild:

In der letzten Folge über die europäischen Automärkte geht es um Polen, die Slowakei, Tschechien, Slowenien und die baltischen Staaten. Aufgrund der fehlenden Finanzmittel werden dort lieber Fahrzeuge kleinerer Klassen gefahren.

          4 Min.

          Im neuen Europa steht die automobile Welt förmlich auf dem Kopf - zumindest in den Zulassungsstatistiken. Denn angesichts der geringeren Finanzkraft werden die Verkaufstabellen in den neuen EU-Staaten Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn fast ausnahmslos von Fahrzeugen angeführt, die es in den alten Mitgliedstaaten der Union oft nicht einmal unter die Top 20 schaffen. Selbst die meistverkauften Modelle im Osten der Europäischen Union kommen weiter im Westen kaum in die Nähe des Treppchens. Und im Vergleich mit dem deutschen Markt sind die Bestseller Ost allesamt mindestens eine, meist sogar zwei Klassen kleiner und in der Anschaffung entsprechend günstiger.

          Während in Westeuropa grob gerechnet im Schnitt rund 22.000 Euro für einen Neuwagen ausgegeben werden, erreicht der Durchschnittswert im Osten nirgendwo mehr als zwei Drittel dieser Summe. Das Mittel für Deutschland ist 24.300 Euro. Dennoch sind die neuen Märkte für die Autoindustrie immens wichtig. Zum einen als Produktionsstätte, zum anderen aber auch in Erwartung der Zukunft. Das theoretische Verkaufspotential ist enorm.

          Polen

          Der größte Markt im Osten der EU ist Polen, hier wurden 2004 knapp 320.000 Zulassungen registriert. Das sind etwa zehn Prozent des deutschen Marktvolumens. Meistverkauftes Auto war dort aber nicht wie in Deutschland oder in der Summe der alten EU-Staaten der VW Golf, sondern der Fiat Panda - und zwar nicht nur, weil der Kleinwagen so preisgünstig ist, sondern auch, weil der Nationalstolz für den Panda spricht: Schließlich wird der Wagen nicht in Italien, sondern in Polen gebaut. Mit dem Panda auf dem Podium stehen ebenfalls nur Kleinwagen: der Skoda Fabia und der Toyota Yaris. Erst mit dem Skoda Octavia folgt auf dem vierten Rang ein Modell der Golf-Klasse. Stärkste Marke in Polen ist Fiat mit einem Marktanteil von 16,7 Prozent, nur in Italien ist Fiat noch stärker. Auf den weiteren Rängen landen Skoda mit 12,5 und Toyota mit 10,5 Prozent. Europa-Meister Renault erreicht in Polen nur 9,4 und Opel als beste deutsche Marke immerhin 9,7 Prozent. Der Durchschnittspreis eines Neuwagens lag in Polen im vergangenen Jahr bei 15.010 Euro - also bei nur gut 61 Prozent des deutschen Wertes.

          In Ungarn vorne: Suzuki Ignis

          Ungarn

          Ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Bild zeigt auch der Markt in Ungarn, der mit einem Volumen von rund 210.000 Fahrzeugen zu einem gemittelten Preis von 14.327 Euro in die EU-Bilanz eingeht: Dort dominiert mit unerreichbaren 16,3 Prozent Marktanteil ein Fabrikat, das in Deutschland nur auf 0,8 und in den westlichen EU-Ländern insgesamt auf 1,2 Prozent kommt: Suzuki. Aber ähnlich wie bei Fiat in Polen liegt das wohl am Heimvorteil. Schließlich laufen die Bestseller Suzuki Ignis (Platz 1 der Zulassungsstatistik) und der Wagon R+ (Platz 4) im ungarischen Esztergom vom Band. Zweitstärkste Marke im Land der Magyaren ist Opel mit einem Anteil von 11,7 Prozent, den die GM-Tochter vor allem dem Erfolg des Astra Classic (Platz 5) und dem Corsa (Platz 8) verdankt. Erst auf Rang drei folgt Renault mit 9,4 Prozent Zulassungsanteil, die vom Megane (Platz 7) und dem Stufenheck-Clio Thalia (Platz 10) gestützt werden. Ebenfalls im Westen kaum denkbar sind die Plazierungen des Skoda Fabia auf dem zweiten und des Daewoo Kalos (jetzt Chevrolet) auf dem dritten Rang der Zulassungstabelle.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bewegung in Italien : Sardinen wollen es mit Salvini aufnehmen

          Eine Großkundgebung in Rom ist der vorläufige Höhepunkt der Sardinen-Bewegung. Die italienischen Linken wollen den öffentlichen Raum und politischen Diskurs zurück. Lega-Chef Salvini hat die Herausforderung angenommen.
          Die Ziele der EZB sind umstritten.

          Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

          Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
          Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

          Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

          Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.