https://www.faz.net/-gy9-6ydkl

Morgan’s 3-Wheeler : Das gewisse Nichts

Liegt nur ein Hauch von Winterfeuchte auf dem Asphalt, dreht sich der Gummi nur um sich selbst, man kann den Fuß auf dem Gas lassen und bewegt sich keinen Meter von der Stelle oder mit etwas weniger entschlossener Pedalbetätigung einen (einspurigen!) Schlingerkurs von Barsbüttel bis Great Malvern auf die Teerdecke drücken.

Irgendwo um 185 km/h liegt die unter Einwerfen der fünf Vorwärtsgänge erreichbare Höchstgeschwindigkeit, die sich anfühlt wie 300 und sowieso weniger Spaß macht als kurvige Landstraßen ganz scharf am Tempolimit.

Ein Start mit Hindernissen

Wahnsinniger Fortschritt: Das Original von 1909 hatte Kettenantrieb, jetzt übernimmt die Kraftübertragung ein Zahnriemen. Von der Schülergruppe bis zum Rentnerehepaar blicken dem ansonsten traditionell aus Stahlprofilen, cuprinol-imprägniertem Holzaufbau und Aluminiumbeplankung bestehenden Morgan mit offenem Mund alle nach, was sie übrigens auch tun, wenn man den Versuch unternimmt, ganz gesittet loszufahren.

Das ist nicht so einfach, denn in der Sardinenbüchse, die sie Fußraum nennen, ist jenseits von Schuhgröße 32 kein Platz für gewöhnliche Herrentreter und Pedale. Dummerweise ist das Zusammenspiel beider von unschätzbarem Vorteil, wenn vor dem Morgan, sagen wir, eine rote Ampel auftaucht. Bremse und Gas gleichzeitig gewinnt der Akzelerator, im selben Moment auskuppeln führt zu Knoten in den Extremitäten, die Knie schlagen an das Lenkrad, das zum geschmeidigeren Ausstieg abnehmbar ist, was sich jetzt gerade jedoch nicht als hilfreich erweisen würde, noch mal ansetzen, jetzt das Pedal in der Mitte besser getroffen, wo war noch gleich die Ampel?

Das nächste mal steigen wir früher auf die Bremse, mit ein bisschen Übung klappt das sogar, obwohl Ausweichmanöver auch ihren Reiz haben und sich so sogleich der Beweis antreten lässt, dass dieses Dreirad dank mächtig breiter Vorderachse auch bei zackig ausgeführten Manövern nicht umkippt.

Die Macken werden verziehen

Wie selbstverständlich sind die zwei (gepolsterten!) Sitze unverrückbar eineinhalb Fingerbreit über dem Asphalt mit der Karosserie verschraubt, aber die Pedale lassen sich in der Tiefe verstellen. Nur hilft das nicht, wenn der Dirigent größer als etwa 1,50 Meter ist, denn dann ist der Weg selbst in der längsten Stellung zu kurz. Am servolosen Zahnstangenlenkrad lässt sich hebelarmverlängernd nur kurbeln, wenn der eine Ellbogen seitlich aus der Karosserie hängt und der andere das Dekolleté der Beifahrerin streift.

Hatten wir schon etwas über die Vorzüge der Unterbringung im Morgan gesagt? Der Versuch knackigen Einparkens sollte indes gleich unterlassen werden. Der Wendekreis ließe sich womöglich messen, doch dazu ist Morgan noch nicht gekommen, weshalb er mit „vermutlich unter 9 Meter“ angegeben wird, was aber auch ein Druckfehler sein und tatsächlich 90 Meter heißen könnte. Mit dem Verbrauch verhält es sich ähnlich, er wird wohl zwischen 5 und 15 Liter liegen, wen interessiert das schon. Die Tankuhr jedenfalls nicht, sie meldet selbst bei voller Füllung der beiden im Heck untergebrachten 20-Liter-Tanks den Schätzwert von „79 Prozent“.

Der Tag sollte niemals enden. Halt, er sollte erst einmal beginnen. Neun Monate Verzögerung haben die Briten hinbekommen, bis der erste 3-Wheeler tatsächlich ausgeliefert wurde. Nun tröpfelt einer nach dem anderen aus der Manufaktur. Wie lange es auch dauert, warten lohnt sich. So glücksbringend verrückt lassen sich 39.800 Euro zzgl. Pin-up-Girl und Einschusslöcher nirgendwo sonst anlegen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.