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Monaco Yacht Show : Wie angelt man sich einen Milliardär?

Der blaue Teppich führt durchs Reich der Reichen Bild: Wille

Ein Besuch der Monaco Yacht Show ist nicht so ohne weiteres zu empfehlen. Für die Nicht-Milliardäre unter uns kann das ein deprimierendes Erlebnis sein.

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          Ein Besuch der Monaco Yacht Show ist nicht so ohne weiteres zu empfehlen. Für die Nicht-Milliardäre unter uns kann das ein deprimierendes Erlebnis sein. Man zahlt 150 Euro Eintritt, um sich vor Augen führen zu lassen, was für ein armer Schlucker man ist.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Voriges Jahr wurde der Preis für die Tageskarte von 80 auf 150 Euro angehoben, um die Messe „noch exklusiver“ zu halten. Für Besucher, die sich „ernsthaft“ für Yachten interessieren. Das ist wohl so zu interpretieren, dass nicht Hinz und Kunz mit ihrer ganzen Bagage über die mit blauem Teppich ausgelegten Molen und Stege des Port Hercules in der Glamourmetropole an der Côte d’Azur trampeln sollen. Familienkarten gibt es nicht.

          Spaziert man im normalen Schritttempo über den blauen Teppich, kommt man ungefähr alle acht Sekunden an etwas vorbei, was einen Gegenwert von rund 30 oder 40 oder 50 Millionen Euro repräsentiert oder auch wesentlich mehr. Dutzende Super- und Megayachten bilden ein Spalier der Superlative, Zutritt natürlich nur nach Vereinbarung. Es gibt außer den Hochseepalästen auch einige normale Yachten von zehn, zwölf Meter zu sehen, die lediglich eine Million kosten oder eine halbe. Die laufen in Monaco allerdings unter der Rubrik Tender, also Beiboote.

          Die Superyachtdichte während der Monaco Yacht Show ist einzigartig. Im Port Hercules herrscht Gedränge. Bilderstrecke
          Die Superyachtdichte während der Monaco Yacht Show ist einzigartig. Im Port Hercules herrscht Gedränge. :

          Im milden Sonnenlicht bei noch höchst angenehmen Temperaturen trifft sich alljährlich Ende September im Fürstentum, was in der Superyachtbranche Rang und Namen hat. Broker, Konstrukteure, Designer, Dekorateure, Berater, Zulieferer jeder Fachrichtung und natürlich jene Werften, die in der Lage sind, diese technisch unfassbar komplexen, aufs teuerste eingerichteten Gebilde zusammenzufügen. Zum 25. Mal fand dieses Jahr die Monaco Yacht Show statt, Weltleitmesse des drastisch zur Schau gestellten Überflusses. Mehr als 100 Großkaliber wurden gezeigt, knapp die Hälfte davon Neubauten. Durchschnittslänge 47 Meter, Durchschnittspreis 25 Millionen Euro.

          Am frühen Morgen des Eröffnungstags fuhr Fürst Albert (dunkler Blazer, helle Hose, dazu Bootsschuhe und ein Käppi) von See kommend an Bord der 77-Meter-Expeditionsyacht „Yersin“ in den Hafen ein, wo der Koloss eine halbe Stunde zwischen anderen Kolossen manövrierte, bis die Leinen fest waren - eine recht spektakuläre Inszenierung. Dann sprang der Fürst an Land und machte einen Rundgang.

          Was sah er dort? Lauter Unternehmen, die sich der Aufgabe stellen, nach Milliardären zu angeln. Hochspezialisierte Betriebe wie beispielsweise GL Yachtverglasung aus Norddeutschland, wo die größten, stärksten Scheiben im Superyachtbau gefertigt werden, bis zu 15 Meter lang und 15 Zentimeter dick, für riesige Salonscheiben oder gläserne Swimmingpools. Oder Lang Interieur aus Hamburg, Anbieter von elektronisch gesteuerten Jalousien, millimetergenau zu positionieren, nicht zu hören, per iPad zu steuern, dem Stand der Sonne entsprechend zu programmieren.

          Es gibt Stoffe, Porzellan, Besteck vom Feinsten, den spiegelblank polierten 500-Kilo-Edelstahlanker für 20 000 Euro, das kunstvolle Kaviarset der Wiener Silbermanufactur für 37 000 Euro und dazu passend die von Zaha Hadid gestalteten Vasen „Vesu“ und „Loa“, jeweils 3,7 Kilo Silber, jeweils 120 000 Euro.

          Die Monaco Yacht Show ist ein Wunderland der Kreativität und Handwerkskunst und nicht zuletzt Konjunkturbarometer für eine Industrie mit Tausenden Arbeitsplätzen, auch in Deutschland. Die größte Yacht der Show, die 85 Meter lange „Solandge“ von 2013, entstand bei Lürssen, der größte Neubau, die 82 Meter messende „Romea“, bei Abeking & Rasmussen. Das Geschäft sei sehr anfällig für Krisen und politische Verwerfungen, hieß es bei Fraser Yachts, einem der großen Broker und Dienstleister rund ums Superyachting. „Die Stimmungen wechseln schnell.“

          Das Gewimmel der Privatjets und VIP-Shuttles an der Côte d’Azur, die Tatsache, dass sich die Länge der ausgestellten Yachten auf 5,7 Kilometer, ihr Wert auf rund drei Milliarden Euro summierte, lassen auf eine gewisse Champagnerstimmung schließen. Man muss das mal gesehen haben. Auch wenn es weh tut und 150 Euro kostet. Immerhin dient die Hälfte des Eintrittsgelds einem wohltätigen Zweck.

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