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Monaco Yacht Show : Megayachten und die Moral

  • -Aktualisiert am

Krone der Yachtmessen, aber nicht im Corona-Jahr: die Monaco Yacht Show Bild: Wille

Lange hielt die elitäre Monaco Yacht Show an einer Austragung im September fest. Die wichtigsten Aussteller stellten sich quer. Jetzt wurde die Messe abgesagt.

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          Wer sich auskannte, buchte schon beim Check-out fürs nächste Jahr. Halbwegs bezahlbare Hotelzimmer zur Monaco Yacht Show – das ist ein schwieriges Thema. Wer spontan buchte, musste dem Controller Preise ab 600 Euro je Nacht erklären oder in Nizza übernachten. Doch dann gerieten die abendlichen Events, die der Messe ihre Würze geben, kurz (wenn man den Zug nehmen musste), teuer (wenn man Taxi fuhr) oder langweilig (wenn man das eigene Auto nahm).

          Tagsüber bevölkerten den Port Hercules unterhalb des Fürstenpalasts rund 600 Aussteller, an vier Messetagen etwa 30.000 Besucher mit zum Teil unlimitierten Budgets, die sich 125 Yachten bis 100 Meter Länge im Wert mehrerer Milliarden Euro anschauen konnten.

          Nun, in diesem September, wird das alles anders werden. Wer dann für einen Kurztrip ins Fürstentum brausen möchte, wird wahrscheinlich Schnäppchenpreise erzielen können. Denn nach langem Hin und Her wurde am vergangenen Freitag die 30. Monaco Yacht Show auf den September 2021 verschoben.

          Die Vorgeschichte dazu ist komplizierter, als man denken könnte, wo doch in diesen Corona-Zeiten Großveranstaltungen wegen gesundheitlicher Bedenken kurzerhand abgesagt werden.

          So sah die Show im vorherigen Jahr aus:

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          Es begann damit, dass zwei einflussreiche Lobbyverbände der Superyacht-Branche ihre Meinungen bündelten und der Messeleitung für dieses Jahr gemeinsam absagten. Das ist zum einen die Superyacht Builders Association (Sybass), zum anderen die Large Yacht Brokers Association (Lybra). Sybass vereint viele der produktivsten Werften der Welt, darunter Abeking & Rasmussen, Lürssen, Benetti, Feadship, Heesen und Amels, unter ihrem Dach; Lybra ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Maklerhäuser wie etwa Burgess, Fraser, Camper & Nicholsons und Ocean Independence.

          Zusammen legen die 29 Sybass- und Lybra-Mitglieder jährlich den Löwenanteil der 125 Großyachten zur Monaco Yacht Show an. Bleiben sie fern, fehlen der Messe mindestens 50 Prozent der Exponate. 2019 lieferten die Sybass-Mitglieder knapp 70 Prozent aller Yachten über 40 Meter Länge. Man halte es, so erklärten die beiden Verbände im Mai, neben den Bedenken zur Gewährleistung der Sicherheit, politisch und moralisch für nicht vertretbar, bei einer derartigen globalen Lage ein Event wie die Monaco Yacht Show zu veranstalten.

          Dem Druck, die Messe abzusagen, gab man im Fürstentum zunächst nicht nach. Die Show werde wie geplant vom 23. bis zum 26. September stattfinden, hieß es, allerdings würden die Stand- und Liegeplatzgebühren ob der wirtschaftlich herausfordernden Situation um 30 Prozent gesenkt. Das bedeute, schrieb Messe-Managerin Gaelle Tallarida an die Aussteller, dass die Monaco Yacht Show 2020 zu einem Non-Profit-Event werde. Bei einem Quadratmeterpreis von mehr als 700 Euro und einer Gesamtfläche von 42 000 Quadratmetern – gemessen an früheren Jahren – hätte man also grob gerechnet auf knapp neun Millionen Euro verzichtet. Informa Markets, Eigner der Show und 11 000 Mitarbeiter starker Organisator von mehr als 400 Veranstaltungen jährlich, hätte dies schultern müssen. Ein durchdachtes Sicherheitskonzept, äußerte Tallarida, sei entwickelt.

          Die offizielle Absage wird nun damit begründet, es liege im Interesse der gesamten Industrie, die Messe nicht stattfinden zu lassen. Viele Exponate befänden sich in den Vereinigten Staaten oder in der Karibik, der gesamte Ablauf der Superyacht-Saison sei durch die Pandemie stark durcheinandergeraten. Informa-Chef Charly McCurdy kündigte an, man werde sich jetzt auf die Fort Lauderdale International Boat Show Ende Oktober konzentrieren. Diese Messe wird ebenfalls von Informa Markets organisiert. Üblicherweise geben sich rund 900 Boote und Yachten am Intracoastal Waterway ein Stelldichein. Ob Sybass und Lybra sich entschließen, an der Großveranstaltung in Florida teilzunehmen, bleibt abzuwarten.

          Das Yachtgeschäft jedenfalls scheint für eine gewisse Zeit auch ohne Messen zu funktionieren. Peter Hürzeler, Managing Partner des Schweizer Brokerage-Hauses Ocean Independence, sagt: „Die Anfragen für Charteryachten hielten sich im April und Mai natürlich in Grenzen, weil an europaweites Reisen nicht zu denken war und es keine Perspektive gab. Inzwischen sehen wir hier allerdings einen deutlichen Aufwärtstrend. Die Nachfrage zum Yachtkauf kann selbst zur Hochphase der Pandemie als stabil bezeichnet werden.“ Positiv beurteilt auch der Spezialmakler Bavaria AG, der mit seinen Versicherungsangeboten als Branchen-Barometer gelten kann, die Lage. „Unsere Abschlüsse bewegen sich auf Vorjahresniveau“, berichtet die Vorstandsvorsitzende Sandra Ahrabian.

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