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Modelle der Zukunft : So will Opel in der Mitte der Gesellschaft aus der Krise

  • -Aktualisiert am

Ohne Lust auf Angriff gibt es nur müde Mühlen. Im Astra GTC fährt die Jugend Bild: Hersteller

Die eine Zukunft haben die Politiker in der Hand, die andere fährt auf vier Rädern: Opel wirft die Flinte nicht auf die Autohalde. In Rüsselsheim herrscht Hochdruck bei Designern, Ingenieuren und Managern. Es geht um neue Opel bis 2013.

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          Bei Opel herrscht eitel Sonnenschein. Aber nur wegen des herrlichen Wetters an diesem Tag. Denn die Politiker zieren sich mit Hilfezusagen, und wie lange der Silberstreif aus der Abwrackprämie noch leuchtet, das weiß niemand.

          Für den Insignia liegen laut Opel auf Europa-Ebene über 85.000 Bestellungen bereit, für den seit Sommer 2006 offerierten Corsa werden Sonderschichten gefahren, und der Agila (baugleich mit Suzuki Splash) sei ausverkauft, sagt man uns. Aus diesen Gründen hat Opel-Chef Hans Demant seine (angeborene?) Zuversicht nicht abgelegt, und der GM-Europa-Boss Carl-Peter Forster setzt auf „tolle Produkte“.

          Deshalb sind wir an diesem sonnigen Apriltag in Rüsselsheim. Man will uns jene Zukunft von Opel zeigen, die auf vier Rädern fährt. Die andere Zukunft haben Politiker in der Hand. Wir glauben eher an jene, die auf vier Rädern kommt. Aber ohne die Politik geht es wohl nicht mehr.

          Das neue Gesicht: Der Opel Astra fährt mit den Zügen der Zukunft
          Das neue Gesicht: Der Opel Astra fährt mit den Zügen der Zukunft : Bild: Hersteller

          Opel seit vierzehn Jahren auf Talfahrt

          Vor dem Ausflug in die Zukunft noch ein kurzer Blick zurück: Denn die aktuellen Opel-Schwierigkeiten haben eine Vergangenheit. Diese zeigt, dass seit vierzehn Jahren die Autos mit dem Blitz im Markenzeichen auf Talfahrt sind. In Deutschland fällt der Marktanteil von 1995 bis in die Gegenwart mit unschöner Konstanz. 17,1 Prozent waren das einst, jetzt sind es in den ersten drei Monaten 2009 noch 8,0. Zu wenig für eine Marke, die mal auf Augenhöhe mit Volkswagen war, die jetzt bei 19,8 Prozent liegen, aber von der Opel-Schwäche nach der Statistik nicht profitieren konnten. Aber zum Beispiel erlebt Skoda einen Riesenaufschwung, und japanische und koreanische Marken knabberten an den Verkaufsanteilen von Opel.

          Aber Opel ist in der Realität des Kaufens und Verkaufens und in der Zukunft des Planens und des Strukturierens besser als in der Statistik ausgewiesen. Die Zahlen sind von gestern, und die Manager von heute treffen andere Entscheidungen als die aus der Vergangenheit. Die Marke hat – auch unter dem Druck des Marktes und des drohenden Zusammenbruchs von GM – ihre Entwicklungsaktivitäten wohl beschleunigt. Man spürt im Gespräch mit den „Opelanern“ den Mut der Verzweiflung. Man könnte auch von Kreativität in der Krise sprechen. Die Ungeduld in den Design- und Entwicklungsabteilungen kann man fast mit den Händen greifen. Aber viel schneller als in der jüngeren Vergangenheit geht es einfach nicht. Und so sieht der Neuheiten-Kalender von Opel aus:

          Opels Zukunft auf vier Rädern

          In der zweiten Jahreshälfte 2009 ergänzt der Insignia OPC die jetzt aus Limousine, Schrägheck-Limousine und Kombi (Sports Tourer) bestehende Baureihe. Der OPC kommt im Stufenheckdress, lackiert in einem Perlmuttweiß, das in der Frühlingssonne schimmert wie die Verheißung auf Erfolg. Zurzeit hat der stärkste Insignia 191 kW (260 PS) unter der Haube, mit den Daten für den OPC ziert sich Opel noch ein wenig, man darf aber mit mehr als 221 kW (300 PS) rechnen. Es gibt Allradantrieb und spezielle Bremsen von Brembo.

          Auf der IAA im Herbst debütiert der neue Astra (das gegenwärtige Modell fährt seit Herbst 2003 und wirkt müde) mit vier Türen und Heckklappe und ist bei den Händlern zum Jahresende. Der Astra Sports Tourer folgt 2010, kurz danach tritt der Astra GTC (unglaublich scharf gezeichneter Zweitürer mit Sportwagencoupé-Anmutung und einem zwischen 20-Zoll-Rädern eingespannten Athleten-Körper) auf.

          Der seit 2003 gebaute Meriva wird ebenfalls 2010 von einem gleichnamigen Nachfolger abgelöst. Sein Clou sichert ihm eine Alleinstellung für den pragmatischen Alltagseinsatz: Die vorderen Türen öffnen konventionell, und die hinteren Türen sitzen mit den Scharnieren hinten und fallen in der Mittelsäule ins Schloss. Dadurch ergeben sich riesige Freiheitsgrade beim Ein- und Aussteigen.

          Die Geburtsdaten von zwei weiteren Modellen sind noch unklar

          Für die nächste Generation des seit März 2005 angebotenen Zafira II wird es 2012/2013. Dann wächst der Zafira in die Rolle des größeren, erwachseneren und gleichzeitig eleganteren Vans hinein. Weil er deutlich über 4,50 Meter in der Länge hinausragt, wird Raum nicht nur in ihm, sondern auch im Modellprogramm unterhalb des Zafira. Die Programmplaner bei Opel haben einen Trend ausgemacht, der neben Fullsize-Vans von 2014 an zu kleineren Raumwagen führt und überhaupt die Hinwendung an das kompaktere Format favorisiert.

          Noch nicht definiert sind die Geburtsdaten von zwei weiteren Opel-Modellen: Weil der Corsa in seinem Segment eine führende Position einnimmt und laufend erneuert wird, bleibt er mindestens bis 2012 im Programm. Aber er bleibt nicht der kleinste Opel: Von 2012/2013 an ist ein knapper geschnittener, hyperkompakter Blitz-Wagen eingeplant, der mit einem pfiffig dimensionierten Dreizylinder-Turbo sowohl sparen als auch spurten soll. Opel-Chef Demant sieht ihn als Viersitzer und möchte sich in der Innenraumdisziplin den Toyota iQ nicht zum Vorbild nehmen.

          Als zweite Neuerung über das Modellprogramm hinaus wird an einem kompakten SUV gearbeitet, der den zum Chevrolet Captiva baugleichen Antara ablösen soll. Allerdings mit dynamischerem Design und höherwertigem Auftreten.

          „Mit diesen Autos fahren wir aus der Krise“

          Unverändert stramm wird am Ampera gearbeitet. 2011 (2012 unter dem Markenlogo der britischen GM-Tochter Vauxhall) soll die Elektrolimousine antreten. Bei echten Kunden und nicht nur für ausgewählte Versuchskäufer.

          Wenn er auf die Zeichen der Modellzukunft blickt, dann ist die (hohe) Stirn von GM-Europa-Chef Forster weniger umwölkt als mitunter in der Gesellschaft von Wahlkampf treibenden Politikern: „Mit diesen Autos fahren wir aus der Krise“, sagt er und ist sicher: „Opel fährt in der Mitte der deutschen Gesellschaft.“ Die Vergangenheit ist nicht das bevorzugte Thema bei Forster, der vor dem Wechsel an die Spitze von GM-Europe von 2001 bis 2004 schon Opel-Chef war. Er gibt lieber Gas für neue Modelle und blickt nach vorne, und auf die Frage, ob er an die Zukunft der im abgeschlossenen Rüsselsheimer Design-Zentrum präsentierten Modelle glaube, ballt er die Hände zu Fäusten und wird kämpferisch: „Ja – absolut.“ Dann muss er ans Mobiltelefon. Vielleicht ein Anruf aus Detroit oder aus Berlin. Dass Opel seine Zukunft aus anderen Händen erhalten muss, das ist die eigentliche Tragik des von Amerika dominierten Autobauers mit der deutschen Vergangenheit.

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