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Mitsubishi Outlander PHEV : Das fahrende Notstromaggregat

Auf der Autobahn in die Zukunft: In Japan - hier auf einer der Stadtautobahnen in Tokio - ist der Outlander PHEV ein gefragtes Modell Bild: Frank Ratering/Mitsubishi

Mitsubishi hatte viele gute Ideen, aber daraus nie Kapital geschlagen. Das soll sich ändern. Zum Beispiel durch den Outlander PHEV. Der ist nicht nur ein Auto, sondern versorgt zur Not ein Einfamilienhaus zehn Tage lang mit Strom.

          Die Katastrophe im Kernkraftwerk von Fukushima sitzt den Japanern in den Knochen. Nicht nur wegen der radioaktiven Verseuchung von Luft und Wasser, sondern auch wegen der Engpässe in der Stromversorgung, die weit über die Region hinaus Sorgen ausgelöst haben. Außerdem treten immer wieder Erdbeben auf, die glücklicherweise meist minderschwere Folgen haben, trotzdem aber die Versorgung mit Elektrizität beeinflussen können. Auf der Suche nach Lösungen für den Notfall ist auch die Idee aufgekommen, Hybridautos mit ihren Batterien könnten einen Beitrag leisten. Und so kommt es, dass etwa der Hersteller Mitsubishi sein neues Modell Outlander als fahrendes Notstromaggregat konzipiert hat. Im Fall der Fälle kann der Geländewagen über zwei separate Anschlüsse im Heck - einen vollen Tank vorausgesetzt - mit laufendem Motor tatsächlich zehn Tage Strom liefern.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Möglich macht das der kurz vor seinem Debüt in Europa stehende Outlander mit seiner technisch ebenso ungewöhnlichen wie aufwendigen Kombination aus zwei Elektroaggregaten mit einem 2,0-Liter-Benzintriebwerk. Je ein Elektromotor (mit 60 kW) sitzt an den Achsen, was den gewollten Nebeneffekt des Allradantriebs gewährleistet. Die Systemleistung beträgt 149 kW (202 PS), die Höchstgeschwindigkeit 170 km/h. Rein elektrisch kann der Outlander mit seiner 12-kWh-Batterie (Lithium-Ionen) 50 Kilometer weit fahren. Die Ladezeit beträgt vier Stunden, an einer Schnellladestation sollen nur dreißig Minuten vergehen.

          Batterie im Wagenboden

          Der Outlander fährt fast immer elektrisch, sind die Akkus erschöpft, speist der Verbrennungsmotor seine Energie in einen Generator (70 kW). Mit diesem Kniff kann also nicht nur gefahren, sondern auch Strom erzeugt werden. Da die Mannen von Mitsubishi nicht nur in Katastrophen denken, sondern auch an nützliche Einsatzmöglichkeiten im Alltag, bietet sich der Outlander samt Steckdose auch als Freund und Helfer beim Camping an. Oder man holt sich zum Hacken von Kaminholz im Wald Strom für die Motorsäge, auch HiFi-Anlagen für die Party am Strand lassen sich versorgen.

          Bilderstrecke

          Wer nun hierzulande voller Vorfreude zum Händler seines Vertrauens eilt, dem sei gesagt: Wenn der Outlander in diesem Sommer in Europa auf den Markt kommt, dürfte dieses Detail in der Ausstattungsliste vermutlich nicht zu finden sein. Europa ist eben nicht Japan. Doch auch der Hybrid ohne Notstromfunktion hat seine Reize. In der Regel elektrisch bewegt, kann der Benzinmotor die Vorderachse auch direkt antreiben. Dies geschieht jedoch nur bei hohen Geschwindigkeiten, sozusagen im fünften Gang. Per Knopfdruck kann eine volle Batterie „gespart“ werden, der Outlander fährt also gleich im Hybrid-Modus. Um sich von Ladestationen unabhängig zu machen, kann der Verbrennungsmotor außerdem während der Fahrt die Batterie laden (bis zu 80 Prozent). Das kostet ungefähr drei Liter Kraftstoff extra. Typisiert ist der 4,67 Meter lange Outlander PHEV mit einem Normverbrauch von nur 1,9 Liter. In der Praxis dürften es rund sechs bis sieben Liter werden. Weil die Batterie im Wagenboden sitzt, geht trotz der aufwendigen Technik so gut wie kein Nutzraum verloren, lediglich auf die Möglichkeit einer dritten Sitzreihe für Kinder muss verzichtet werden. Die können auf der geräumigen Rückbank tollen. 25.000 Euro markieren zur Zeit den Basispreis für den einfachsten Outlander mit Frontantrieb. Rund 45.000 Euro sind für den Stromer zu erwarten. Subventionen vom Staat gibt es in Deutschland nicht, Japan gewährt in diesem Fall umgerechnet rund 4000 Euro, für reine Elektroautos werden sogar 8000 Euro zugeschossen.

          Mit dem Geländewagen sucht Mitsubishi Motors den Weg zurück zum Glück, und zumindest in seiner Heimat scheint das zu klappen: Mehr als 6000 Outlander sind seit dem Marktstart Ende Januar verkauft worden. Erfolge hat die Marke mit den drei Rauten (wörtlich: mitsu hishi) bitter nötig. Ist man doch in den vergangenen Jahren nach hinten durchgereicht worden: Einst Nummer 3 oder 4 in Japan mit fast 800.000 Autos im Jahr (1999), findet sich die Marke heute auf dem Absatzniveau von Subaru oder Daihatsu, der Marktanteil ist von zehn auf drei Prozent geschrumpft, knapp 150.000 Auto pro anno sind übrig. Ein Trost ist, dass dennoch Gewinn erzielt wird (außer 2008), weil andere asiatische Länder wie Thailand (der beste Markt für Mitsubishi), Indonesien oder die Philippinen zulegen. So kommen insgesamt rund eine Million Fahrzeuge im Jahr zusammen. Es waren mal 1,8 Millionen (2002). Auch in Deutschland, Europa (mit Ausnahme Russland), Amerika und China sucht Mitsubishi den Anschluss. In Europa (ohne Russland) ist man jetzt bei rund 95.000 Einheiten, vor fünf Jahren waren es mehr als 200.000.

          Präsident Osamu Masuko führt Mitsubishi bewusst in Richtung Nachhaltigkeit. Bis 2020 soll ein Fünftel seiner Autos Hybrid- oder Elektroantrieb haben und der Absatz 1,5 Millionen Einheiten jährlich erreichen. Wenn dabei noch ein paar ungewöhnliche Ideen herausspringen, umso besser.

          Das Auf und Ab von Mitsubishi

          Mitsubishi war einfach zu früh dran: Als man Mitte der neunziger Jahre als Erster den direkteinspritzenden Benzinmotor (wieder-)entdeckte, lachte die Fachwelt, sprach von einem Irrweg. Heute ist es Stand der Technik, Mitsubishi Motors war aber nicht konsequent (oder finanzkräftig) genug, um die Führungsrolle zu behaupten. Die zwischenzeitliche, gescheiterte Liaison mit Daimler (2001 bis 2004) mag die Hauptrolle für die schlechte Entwicklung der Absatzzahlen spielen, 2004 war Mitsubishi Motors (nicht der Konzern) fast pleite. Es fehlte das Geld für Neuentwicklungen, und so kam und kommt es nach und nach zu Lücken im Modellprogramm. Im deutschen Markt einst bestens etablierte Modelle wie Carisma, Galant oder Space Wagon fehlen, der Colt wurde jetzt eingestellt, der Absatz des lange nicht mehr aufgefrischten Pajero ist nur noch ein Schatten seiner selbst. In den späten achtziger Jahren war er noch der meistverkaufte Geländewagen in Deutschland (freilich ohne deutsche Konkurrenz). Ob der in Thailand gebaute Colt-Nachfolger Space Star (ein unglücklicher Name für einen Wagen, der kleiner als der alte Colt ist) reüssieren kann, muss sich zeigen. Turner Fabian Hambüchen legt sich zurzeit in Fernsehspots mächtig für den kleinen Stern ins Zeug. An diesem Wochenende ist Marktpremiere.

          Relativ gut laufen in Deutschland der konventionelle Outlander und der von ihm abgeleitete, kleinere ASX, wenn auch insgesamt 23 565 Neuzulassungen (inklusive Colt, Lancer, Pajero) 2012 kein Ruhmesblatt sind und das schlechteste Ergebnis seit den Anfängen in Deutschland Ende der siebziger Jahre. Ein Trumpf von Mitsubishi sind die verbrauchsarmen Dieselmotoren, einen Diesel-Hybrid hat man in Vorbereitung, ein Prototyp stand auf dem Genfer Automobilsalon. Der Outlander und der neue Space Star, der in anderen Märkten Mirage genannt wird, müssen rund um die Welt zünden, wenn Mitsubishi wieder auf einen wirklich grünen Zweig kommen will. Unternehmenschef Masuko glaubt daran und will auch mittel- und langfristig ohne festen Partner auszukommen. „Wir schaffen das alleine“, sagt er. Und verspricht alsbald weitere neue Modelle wie einen neuen Lancer Evo und endlich einen neuen Pajero. Natürlich mit Hybridantrieb.

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