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Mitsubishi iMIEV : Die tosende Lautlosigkeit der neuen Kraft

  • -Aktualisiert am

Sein Elektromotor hält 47 kW (64 PS) und bietet ein Drehmoment von 180 Nm auf Bild: Lisse

Über Elektroautos wird derzeit viel geredet. Und geschrieben. Der Mitsubishi iMIEV ist das erste Großserien-E-Mobil mit Lithium-Ionen-Batterie. Damit fährt er rund 150 Kilometer zwischen zwei Steckdosen. Wir haben das ausprobiert.

          Über Elektroautos wird derzeit viel geredet. Und geschrieben. Nichts scheint mehr unmöglich auf der Suche nach einer alternativen Antriebsart. Ob man einen Hypersportwagen wie den AMG SLS auf den E-Antrieb umrüsten muss, wie auf der vorigen Seite beschrieben, darf zweifelnder Überlegung wert sein. Dass diese Technikübung machbar ist, hat zum Beispiel der in Kalifornien ansässige Hersteller Tesla auf Basis eines kompromisslos zweisitzigen Lotus-Roadsters demonstriert. Aber wenn sich Elektroautos durchsetzen sollen und wollen, dann müssen sie in anderen, alltäglicheren Formaten zu haben sein. Deshalb hat Mitsubishi die Entwicklung seines iMIEV spürbar schneller vorangetrieben als ursprünglich geplant. Dieser wird bereits in Japan verkauft, für umgerechnet 34.000 Euro, und er soll von Ende 2010 an auch in Europa zu einem vergleichbaren Tarif offeriert werden.

          Wir haben bislang den Mini-E aus der BMW Group und den E-Smart von Daimler gefahren und dürfen zusammenfassen: Man kann mit diesen E-Autos wohl leben. Noch überzeugender waren jetzt erste Probefahrten auf insgesamt 150 Kilometern mit dem iMIEV von Mitsubishi.

          Basiert auf dem „i“-Mini

          Dieser basiert auf dem in Japan verkauften „i“-Mini. Deshalb kommt dessen Stromvariante auch mit Heckantrieb, einem rundlich-kastenförmigen, sehr geräumigen Aufbau mit vier Türen und Heckklappe. Auch der Stromer eignet sich für den Transport eines menschlichen Quartetts. Das wird zudem recht komfortabel bewegt: Die Abwesenheit von Eigen-Motorgeräuschen muss jeder einmal erlebt haben, um an deren Berechtigung erste Zweifel zu bekommen. Schon nach wenigen Kilometern vermisst man im iMIEV den „sound“ nicht mehr und erfreut sich an der tosenden Stille, lauscht dem Klackern des dieselnden Nachbarn, vernimmt feine Windgeräusche und ortet sehr dezente Abrolltöne. Das gehört zum Komfort eines Elektroautos, und dieser wird vor allem auch von immobiler Umgebung in straßennaher Bebauung geschätzt. Dabei ist der iMIEV kein Verkehrshindernis.

          Das emissionsfreie Fahren, so wird argumentiert, sollte der Allgemeinheit doch etwas wert sein

          Sein Elektromotor hält 47 kW (64 PS) und bietet ein Drehmoment von 180 Nm auf, das in diesem Kleinwagen (Leergewicht mitsamt E-Technik rund 1100 Kilo) für eine unerwartete Dynamik sorgt. Exakte Messungen für die Beschleunigung waren nicht möglich, aber beim Ampelrennen hatte der Mitsubishi immer die stumpfe Nase vorne. Und die anderen Verkehrsteilnehmer hat er mit großen Augen und vergeblich aufheulenden Verbrennungsmotoren hinter sich gelassen: Ein kleiner Sieg für die Zukunft? Auf der Autobahn kamen wir laut Digital-Tacho auf 133 bis 135 km/h. Das war während unserer Bleifuß-Fahrt. Hierbei holte sich der Strommotor auf 75 Kilometer Distanz fast zwei Drittel des Energievorrats. Dieser wird mit voller Ladung von sechzehn Rechtecken symbolisiert, die mit fortschreitender Fahrt weniger werden. Auf der gleichen Strecke mit identischer Länge waren wir aber auch sparsamer unterwegs, und die Vorratsanzeige bildete noch acht Rechtecke ab. Das lässt den Schluss zu, diese Fahrweise könne zu einer Reichweite zwischen zwei Steckdosen von 150 bis 160 Kilometern führen. Das genügt für eine tägliche Pendlerbewegung: Am Abend wird der iMIEV dann über ein zur Ausrüstung gehörendes Kabel mit der häuslichen Garagensteckdose verbunden und nimmt neue Energie zu sich. (Wie das bei einer Laternengarage funktionieren soll, müsste noch geklärt werden.) Am Morgen unserer Prüfung war der iMIEV wieder proppenvoll geladen, und er startete mit fröhlichem Schnurren in den Verkehr des Alltags.

          Sieben Stunden gesteht Mitsubishi seinem Strommobil als Ladezeit zu. Geplant ist eine Schnelllade-Möglichkeit, die den Batterien innerhalb von dreißig Minuten achtzig Prozent ihrer Kapazität zuweist.

          Es fehlt an der Infrastruktur

          Das Ergebnis aus dem Umgang mit dem zurzeit wohl besten Stromauto kann nur sein: Das E-Auto hat für bestimmte Einsatzzwecke durchaus eine Berechtigung. Dazu zählen alle Fahrten, die in größeren, urbanen Regionen mit eher geringer Nutzlast ausgeführt werden können. Aber auch die allermeisten Pendler könnten zwischen Büro und Bungalow auf einen Stromer vertrauen. An eine großflächige Ablösung der Autos mit Verbrennungsmotoren durch Stromfahrzeuge ist allerdings nach unserer Einschätzung innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre nicht zu denken: Lastentransport ist über längere Strecken ebenso wenig umzusetzen wie Personenverkehr über größere Distanzen. Dafür fehlt es an der Infrastruktur, und diese kann selbst bei nachdrücklichem Vorantreiben der erforderlichen Lade- oder Austauschstationen für die Batterien wohl nicht schneller realisiert werden. Zudem sind derzeit die Kosten für bestmögliche Speicherbatterien noch zu hoch. Schon wird von daran interessierten Kreisen nach staatlicher Unterstützung gerufen: Das emissionsfreie Fahren, so wird argumentiert, sollte der Allgemeinheit doch etwas wert sein.

          Der iMIEV ist jedenfalls ein guter Schritt auf dem richtigen Weg. Dieser weist dem Auto als individuellem Verkehrsmittel auch neue Inhalte zu, und das wird für die kommenden Jahre das beherrschende Technik-Thema: Unterschiedliche Antriebsmethoden werden die Fahrzeuge (aber nur in jenen Ländern, die sich diese Diversifizierung überhaupt leisten können) für spezifische Einsätze definieren. Zum Beispiel das E-Auto für mittlere Strecken. Und dafür hält Mitsubishi schon jetzt die richtige Alternative bereit.

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