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Silk Road Rally 2016 : Drei Wochen Tortour

  • -Aktualisiert am

Harry Hunt und Andreas Schulz jagen den Mini durch den Sand. Bild: Eric Vargiolu / DPPI

Rauhe Gesellen, Naturwunder, hysterisches Sägen: Unterwegs über Stock und Stein mit dem Team X-Raid auf der Silk Road Rally 2016.

          Wenn 400.000 Menschen täglich in den ersten Disneyworld Park des Landes strömen, kann dieser nur in China liegen. Denn dort scheint der Hunger nach westlicher Lebensart jedweder Qualität schier unstillbar zu sein. Etwa gleichzeitig mit dessen Eröffnung in Schanghai überquert ein bunter Haufen vergnügungshungriger Enthusiasten aus aller Welt in 92 hochgerüsteten Rennautos und 24 Rennlastwagen die chinesische Westgrenze von Kasachstan kommend.

          Am 8. Juli in Moskau gestartet, nehmen sie insgesamt 10.735 Kilometer bis nach Peking unter die Räder ihrer skurrilen Monster. Im Schlepptau: rund 800 Helfer in Service-Trucks, Bussen und Geländewagen. Ein mobiler Abenteuerspielplatz für vernarrte Offroad-Fans, hochspezialisierte Renntechniker und Service-Kräfte, einem Wanderzirkus gleich. Zusammengewürfelt aus Menschen, denen Alltagsarbeit zu langweilig sind.

          Denn während in Schanghai Kinderträume erlebbar werden, sind es auf der in diesem Umfang erstmals als Silk Road Rally organisierten mobilen Veranstaltung die Träume gestandener Männer. Sie kommen, um Grenzen auszuloten. Ihre eigenen und die ihrer Offroad-Monster. Und sie wollen die Welt sehen, wie viele sagen.

          Wir begleiten das Team des deutschen Rennstalls X-Raid aus Trebur, wo sechs Rennautos für diese Rallye entstanden. Ein BMW X3 und ein Mini All 4 Racing für Privatteams sowie vier weitere Mini, die das X-Raid Team auf der historischen Seidenstraße selbst einsetzt beziehungsweise vor Ort betreut. Noch vor Zieleinlauf stellen alte Rallye-Hasen fest: Die neue Silk Road Rally sei härter als die weltberühmte „Dakar“. Wenngleich nahezu gleich lang wie jene, so doch „deutlich materialintensiver“, wie Teamchef Tobias Quandt ergänzt.

          Bilderbuch-Wüste

          Was er meint, wird exemplarisch deutlich auf der 300 Kilometer langen Tagesetappe von Jiayuguan nach Alashan. Die Strecke verläuft südlich der mongolischen Grenze auf 1500 bis 2200 Metern Höhe. Auf dürren Hochebenen vagabundieren wilde Dromedare. Gebirgszüge portionieren die Einöde in übersichtliche Etappen. Es herrscht starker Westwind, der die Bilderbuch-Wüste schleift, sie mit zahlreichen Dünenfeldern koloriert.

          Abgezählt: Anweisungen mit Fingerzeig

          Manche werden von Grundwasser geflutet, das in der Höhenluft blaugrün schimmert. Die malerische Kulisse versetzt Touristen in Entzücken, die es bis an der Sandkastenrand schaffen. Die Rallye-Teilnehmer fahren mittendurch. Dabei nehmen Fahrer und Kopilot das Naturwunder nur aus den Augenwinkeln wahr. Ihre Konzentration gilt den Wegpunkten und Launen ihrer Allradmonster.

          Laut brüllend unter Last pflügen die hochbeinigen Mini durch den Tiefsand, tauchen am Dünenfuß mit dem Bug bedrohlich tief ein, heben dann die Nase. Wie ein Wasserfall duscht der feine Sand den knapp zwei Meter hohen Zweitürer, seine vier angetriebenen 245/80 R 16-Reifen graben eine tiefe Spur. Die Dünenkuppe wird oft übersprungen, dahinter stürzen die Monster ins Tal.

          Ohrenbetäubendes Sägen

          Dann die langen Geraden durch weite Steppen: Von Ferne erkennt man zuerst die Staubfahnen der Rennfahrzeuge. Nach wenigen Minuten legt ein tiefes Grollen ihrer ungedämpften Triebwerke eine martialische akustische Kulisse dazu. In Sichtweite der Autos geht dies in ohrenbetäubendes, nahezu hysterisches Sägen über. Mit bis zu 180 km/h fliegen die Mini über Stock und Stein, als gebe es kein Morgen.

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