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Miniautos mit Batteriebetrieb : Chinas elektrische Knutschkugeln

Legt der Kunde 135 Euro drauf und lässt sich zwei Batterien mit 35 Ampere einbauen, erhöht er die Reichweite auf 100 Kilometer. Sogar acht leichte Lithium-Batterien passen dort insgesamt hinein, was den Insassen 200 Kilometer ohne Aufladen brächte. Diese kosteten dann aber fast so viel wie das Auto.

Staat subventioniert ein Elektroauto mit bis zu 16.000 Euro

Der Smog in Chinas Städten raubt den Menschen die Luft zum Atmen. Emissionsfreie Elektromotoren würden Linderung schaffen und außerdem Chinas Autoindustrie ermöglichen, endlich den einfach nicht kleiner werdenden Technikvorsprung westlicher Fahrzeughersteller aufzuholen. Also hat sich die Regierung hohe Ziele gesetzt. Bis 2020 sollen fünf Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen rollen, ein Wert, der nach Meinung von Fachleuten kaum zu schaffen sein wird. Damit es doch klappt, subventioniert der Staat ein Elektroauto mit bis zu 16.000 Euro.

Die Hersteller der Leichtmobile aber, mit denen Chinas Großeltern durch die Städte rollen, haben bis heute nicht einen Yuan an Förderung erhalten. Überhaupt unterlagen sie bis zum Ende vergangenen Jahres keinerlei Regulierung. Im Schwellenland China, in dem der Staat oft vorgibt, alles und jeden unter Kontrolle zu haben, sind Produktion und Verkauf von Gefährten, deren Geschwindigkeit 100 km/h nicht überschreitet, völlig ungeordnet. Ganz im Gegensatz zu Ländern wie Amerika oder Deutschland, wo Versuche, die Leichtmobile zum Verkaufserfolg zu machen, stets an den Behörden gescheitert sind.

In China aber hätten die Hersteller bisher in einer rechtlichen „Grauzone“ agiert, sagt Ji Xiang, Professor am Institut für neue Autoantriebstechnologien an der Technischen Universität Hefei. Dazu zählt, dass das Fahren der kleinen Elektroautos keinen Führerschein erfordert, was zu deren Beliebtheit bei Chinas führerscheinloser Rentnergeneration, die noch mit dem Fahrrad und meist ohne Auto aufgewachsen ist, in erheblichem Maße beiträgt.

In ihren kleinen Kisten rollen die Großeltern in Chinas Städten also gern auf der Busspur gegen die Fahrtrichtung und bei Rot über die Kreuzung. Ab und zu halte ein Verkehrspolizist einen seiner Kunden an, berichtet Zheng. Eigentlich hätten sich die Behörden stillschweigend mit der Existenz der Fahrzeuge arrangiert. Manchmal aber würden Bußgelder in Höhe von 50 bis 200 Yuan fällig, etwa sieben bis 27 Euro.

Immer wieder kommen in China Diskussionen auf, ob man den Rentnervehikeln Nummernschilder verpassen sollte. Diese sind in China laut Gesetz ebenfalls nur für „richtige“ Fahrzeuge vorgeschrieben. In der Provinz Hunan wurde der Verkauf der Vehikel zeitweise nur mit grünen Kennzeichen gestattet. Landesweit durchgesetzt haben sich die Regulierungsversuche jedoch nie. Weil es für sie keinerlei Vorschriften gibt, werden die Leichtmobile von ihren Fahrern dort geparkt, wo sie eben aussteigen. Das spart Zeit und Nerven in einem Land, in dem die Autodichte viel schneller wächst als die städtische Infrastruktur und Parkplätze Mangelware sind.

Wie lange sich Chinas autonome Rentnerpiloten daran noch erfreuen können, ist jedoch fraglich. Erst Anfang des Monats hat der Verband der chinesischen Automobilingenieure mitgeteilt, dass die kleinen Flitzer in China künftig genauso behandelt werden wie normale Autos. Das Pekinger Industrieministerium hat im Oktober angekündigt, die Hersteller künftig nicht mehr einfach zu ignorieren. Diese sollen nun bei der Konstruktion der Leichtbauvehikel Sicherheitsstandards einhalten.

Würden Chinas elektrische Knutschkugeln aber erst einmal legalisiert, sei ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten, freut sich Zheng: „Dann wollen die auch die Jungen fahren!“

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