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Miniatursegeln : Modellathleten hart am Wind

  • -Aktualisiert am

Kleine bunte Wasserwelt: Der America’s Cupper in Miniaturausgabe Bild: Jochen Pakuss

Nein, es ist kein simples Vergnügen. Es ist eine anspruchsvolle Sache, wie alles, was mit dem gehörigen Ernst betrieben wird. Es muss getüftelt und gebastelt werden. Modellsegeln ist ein Wettkampf mit feinster Technik. Ein Besuch in der Szene.

          Auch beim Segeln ist alles nur eine Frage der Relationen. „Durch verschiedene Maßnahmen haben wir unsere Boote fast 200 Gramm leichter gemacht“, sagt Oliver Schott. Fast 200 Gramm, Donnerwetter! Das Gewicht von zwei Tafeln Schokolade entscheidet auf einer normalen Yacht kaum über Sieg und Niederlage. Auf einer „AC-60“ vielleicht schon.

          Der America’s Cupper in Miniaturausgabe, auf 61,2 Zentimeter geschrumpft, wiegt segelfertig nur zwei Kilo. „Da macht es etwas aus, wenn der Akku bei mir nur 64 statt 125 Gramm oder meine Servos nur je 10 statt 36 Gramm auf die Waage bringen“, meint Schott. Der ehemalige Wettkampfsurfer fährt auch bei Modellsegelregatten am liebsten ganz vorn mit. 2006 ist der Achtunddreißigjährige aus Kiel in der Klasse AC-60 auf Anhieb deutscher Meister geworden, mit offensichtlich gutem Material. „Das Boot schnell zu machen geht nur an Land.“ Denn anders als bei den Regatten der „Großen“ gibt es auf Modellyachten keine Crew, die durch spektakuläre Leistungen auf dem Wasser Mängel der Konstruktion ausgleichen könnte.

          Die „Hardcore-Modellisten“

          So machte Schott sein Boot nicht nur leicht, sondern übertrug auch seine als Surfer gewonnenen Kenntnisse über Segelprofile aufs Modellrigg. In der Nacht vor der Wettfahrt 2006 schneiderte und klebte er sich komplett neue Segel. Die hatten Profil und waren aus einer extrem leichten Kunststofffolie, wie sie im Modellflugbau verwendet wird. „Mein Boot war damit so überlegen, dass ich quasi Kringel um die Konkurrenz fahren konnte.“ Die anderen fuhren damals meist die flach geschnittenen Originalsegel des japanischen Herstellers Kyosho – und hatten keine Chance. „Heute gewinnst du mit neuen Segeln allein keinen Blumentopf mehr, denn die haben inzwischen fast alle“, weiß Schott, mit einem Meistertitel und zwei zweiten Plätzen derzeit einer der besten AC-60-Segler.

          Modellsegeln: Alles eine Frage der Relationen

          Hersteller Kyosho hat ebenfalls nachgebessert, mit neuen, leichten Segeln für das 2007er-Modell der „Fortune II“, wie Sven Hamann von Kyosho Deutschland berichtet. Die Fangemeinde wächst und ist ambitioniert, keine andere Modellyacht hat in den vergangenen Jahren eine ähnliche Nachfrage hervorgerufen. Seit dem Start 2003 sind fast 6000 „Fortune“- Boote (von den Aktiven AC-60-Class getauft) verkauft worden. Der Basispreis beträgt 239 Euro, aber mit einer Yacht im Originalzustand ist auf dem Regattakurs nichts zu holen.

          Es muss getüftelt und gebastelt werden, stellt Jens Eickhoff klar. Den hat Schott erst vor zwei Jahren mit dem Modellyacht-Virus infiziert. Je nach Wind und Revier justiert Eickhoff sein Bötchen millimetergenau. Er spricht die gleiche Sprache wie die Jollen- oder Dickschiffsegler, wenn der IT-Manager erklärt: „Den Twist des Großsegels stelle ich per Baumniederholer ein, die Spannung des Unterlieks per Rändelschraube.“ Jens Eickhoff gehört zu einer zehn Mann starken Gruppe von „Hardcore-Modellisten“, die in der AC-60-Regattaszene momentan den Ton angibt. Bei der diesjährigen deutschen Meisterschaft Ende Februar belegten die Kieler die ersten vier Plätze, Eickhoff gewann.

          Braucht man Segelkenntnisse, um klarzukommen?

          Am Material allein kann das nicht liegen. „Jens bringt vom Regattasegeln gute Voraussetzungen mit“, meint Mentor Schott. Mindestens genauso wichtig wie ein bestens getuntes Boot sei die Fähigkeit zum konzentrierten Steuern. Die Skipper sorgen mit ihrer Zweikanal-Funkfernsteuerung vom Ufer aus dafür, dass es auf dem Wasser flott vorangeht. Unablässig bewegen sie kleine Steuerknüppel hin und her, jeder der Hebel steuert über ein Signal einen kleinen Servo genannten Elektromotor im Bootsrumpf an. Über Riemen, Gestänge und Schnüre verstellen diese dann Pinne oder Segel. Alle Manöver eines großen Schiffs wie etwa (zum Wind) anluven, (vom Wind) abfallen, wenden oder halsen beherrscht auch eine Modellyacht.

          Braucht man also Segelkenntnisse, um mit den Modellen klarzukommen? Nicht unbedingt, meinen die Experten. Zwar seien Kenntnisse über Regeln und Manöver Voraussetzung, und ein Gefühl für Windrichtung und -stärke helfe, den optimalen Kurs zum Wind zu steuern. „Aber die Modelle reagieren oft ganz anders als echte Rennyachten“, sagt Schott. Schon eine etwas zu starke Windböe könne den Steuermechanismus der Leichtgewichte aushebeln.

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