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IAA Mobility in München : Messe der Widersprüche

Die IAA will ein großes Rad drehen, auf dem Königsplatz etwa. Bild: Reuters

Ein neues Konzept soll die IAA retten, die jetzt in München stattfindet. Die Autos kommen in die Stadt, was nicht ohne Charme ist. Und Lastenräder gibt es auch. Im Hofgarten.

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          Wie schrieben die Kollegen vom Stern aus Hamburg so schön: „Jetzt hat München die Problem-Messe an der Backe.“ Und tatsächlich können Frankfurt und natürlich das gesamte Rhein-Main-Gebiet froh sein, dass sich diese Woche niemand von Autobahnbrücken abseilte und den morgendlichen Berufsverkehr zum Erliegen gebracht hat. Von der Großdemo am Samstag und anderen Protestaktionen ganz abgesehen. Der Schmerz, die Messe nach 70 Jahren am Main an die Isar verloren zu haben, scheint verflogen. Und seien wir doch ehrlich: Die IAA ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das war sie freilich vor zwei Jahren auch schon, ihre Blütezeit ist offenbar vorbei, die Autohersteller bevorzugen und nutzen andere, oft digitale Konzepte, um ihre Produkte dem Kunden näherzubringen. Nicht umsonst versucht der veranstaltende VDA, der Verband der Automobilindustrie, die IAA neu zu erfinden. Man hat ihr den Zusatz „Mobility“ angepappt, und alles wird vermeintlich gut.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Tatsächlich hat das Konzept, die Messe praktisch an zwei Orten stattfinden zu lassen, etwas für sich. Der Freiluftauftritt in der Münchner Innenstadt, verteilt auf zehn „Open Spaces“, ist ein Gewinn. Natürlich vor allem, wenn das Wetter mitspielt, so wie an den ersten Tagen der IAA. Über den Widerspruch, das Auto in die Stadt zu bringen, wo es doch weite Teile der Politik aus der Stadt heraus haben wollen oder ihm zumindest das Leben immer schwerer machen, denken wir jetzt mal nicht länger nach.

          Die Menschentrauben am Stand von Mercedes-Benz und Smart, der direkt vor der Feldherrnhalle im Wortsinne eine große Welle macht, sind der beste Beweis, wie sehr das Auto von vielen Menschen noch geliebt wird. Wie war das noch mal mit dem Schlagwort von der schweigenden Mehrheit? Auch die Stände von Porsche sowie Audi am Wittelsbacherplatz, Cupra (Seat) am Odeons­platz und Ford am Königsplatz sind Attraktionen, BMW füllt zusammen mit der Motorrad-Sparte und Mini den gesamten Max-Joseph-Platz am Ende der Maximilianstraße vor dem Theater. Das war es aber schon fast. Kia, Dacia, VW und Polestar sowie der chinesische Hersteller Wey mit Tochtergesellschaft Ora sind zudem im offenen Raum vertreten, neben anderen (Zulieferer-)Unternehmen aus der Branche. Das gute Dutzend Fahrradhersteller mit ihren kleinen Boxen an der Hofgartenstraße hat unsere Sympathie. Sie sollen wohl den „Mobility“-Anspruch abdecken.

          Neue vor alter  Welt:  Elektroauto von Ora aus China. Bilderstrecke
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          Mobil muss der Besucher auch sein, schon allein um die Open Spaces alle abzuklappern. Da kommen einige Kilometer zusammen. Die 3-G-Regel wird immer neu kontrolliert, die Maskenpflicht wird ernst genommen. Wer nach dem Flanieren durch das Herz Münchens noch nicht müde ist, kann auf der nur so genannten, tatsächlich bestenfalls gelb markierten Blue Lane noch mit dem Elektrobus (oder der U2) ins rund 15 Kilometer entfernte Messegelände fahren. Dafür müssen freilich 22 Euro investiert werden. Dort ist der zweite Teil der IAA, die sich zunächst wie die Frankfurter Zulieferer-Messe Automechanika, garniert mit ein paar Autoherstellern, anfühlt. Dazu kommen zwei Fahrradhallen, in denen zumindest an den ersten beiden Tagen gähnende Leere herrschte. Was die Halle mit Oldtimern auf einer Messe soll, die sich die Mobilität der Zukunft auf die Fahne geschrieben hat, erschließt sich nicht.

          Den Besuch in Riem kann sich der Autofan sparen. Die jeweiligen Stände der Hersteller sind klein mit relativ wenigen Produkten, fast alle Automarken, die mitmachen, sind hier und in der Stadt vertreten, außer Renault und VW. Der finanzielle Aufwand für den doppelten Auftritt entspreche ungefähr dem, was man bisher in Frankfurt bezahlt habe, sagte man uns. Es darf aber nicht vergessen werden, dass München mit diesem Wochenende beendet wird. Ohne den Pressetag dauert die Mobility-IAA nur sechs Tage, Frankfurt empfing die Gäste elf Tage und hatte zwei Pressetage.

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