https://www.faz.net/-gy9-91trx

Elektroautos auf der IAA : Wattwanderung in Frankfurt

Da schau her: Mercedes-AMG will mit der Studie „Project One“ Formel-1-Technik auf die öffentliche Straße bringen. Bild: Helmut Fricke

Sie sind ein Versprechen für die Zukunft: Auf der IAA sind etliche Studien von Elektroautos zu sehen, die früher oder später auf den Markt kommen sollen.

          5 Min.

          Das Elektroauto wird kommen. So viel scheint festzustehen. Zwar wird das von Kanzlerin Angela Merkel gesetzte Ziel, im Jahr 2020 eine Million E-Autos auf den deutschen Straßen zu haben, bei weitem verfehlt werden, doch was nicht ist, kann ja noch werden – und wird es wahrscheinlich. Fast alle wichtigen Hersteller haben das elektrisch angetriebene Auto jetzt ziemlich weit oben auf der Agenda, und Volkswagen-Chef Matthias Müller kündigte auf der Messe an, dass sein Konzern bis 2025 achtzig elektrifizierte Autos neu auf den Markt bringen werde, fünfzig davon sollen reine Elektrofahrzeuge sein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jedes vierte verkaufte Auto aus dem Konzern fahre dann rein elektrisch, das allein wären drei Millionen Autos jährlich, schätzt Müller. Und bis 2030 soll jedes Konzernmodell in einer elektrischen Variante oder zumindest als Plug-in-Hybrid zu haben sein. Mindestens zwanzig Milliarden Euro sollen bis dahin in die elektrische Mobilität investiert werden. Und bis dahin sei auch die Reichweite kein Problem mehr. 600, ja 1000 Kilometer seien dann mit Feststoff-Batterien möglich.

          Kein Lenkrad und keine Pedale nötig

          Doch noch ist es nicht so weit. In Frankfurt kann noch bis zum kommenden Sonntag ein Blick auf die elektrische Zukunft geworfen werden, und es gibt viel zu entdecken. Audi, die noble Speerspitze des VW-Konzerns, rollt gleich zwei Studien heran, genannt Aicon und Elaine. Für Audi geht bei diesen beiden futuristischen Concept Cars die Elektrifizierung einher mit der Automatisierung, die Studie Elaine, die eine Art Crossover zwischen einem SUV und einem Sportwagen ist, wird in Stufe 4 eingeordnet, fährt autonom, hat aber noch Lenkrad und Pedale.

          Mit der Studie BMW i Vision Dynamics zeigt BMW die Zukunft der i–Reihe auf. Bilderstrecke
          Mit der Studie BMW i Vision Dynamics zeigt BMW die Zukunft der i–Reihe auf. :

          Im Aicon gibt es dagegen weder Lenkrad noch Pedale, das ist Stufe 5. Das 5,44 Meter lange Zukunftsauto bietet in seinem Innern eine Lounge-Atmosphäre zum Verweilen, vier Elektromotoren (einer je Rad) sorgen für den Vortrieb. Es werden beide Achsen angetrieben und gelenkt, so dass der Wendekreis nur 8,50 Meter beträgt.

          Keine marktreifen Elektroautos

          Derweil arbeitet die Muttergesellschaft VW weiter an der I.D.-Familie. Es debütiert der I.D. Crozz, ein SUV, das es auch als Coupé geben soll. 225 kW Leistung aus zwei Motoren und 500 Kilometer Reichweite werden versprochen. Der Crozz ist der Dritte im elektrischen Bunde, neben den schon auf anderen Messen gezeigten Studien I.D. (soll parallel zum Golf angeboten werden, ab 2020) und der Reinkarnation des VW Bus – dem I.D. Buzz. Der steht auch wieder in Frankfurt, bis 2022 muss aber noch gewartet werden.

          Obwohl alle so tun, als würden morgen alle nur noch elektrisch fahren, gibt es keine wirklich neuen, marktreifen Elektroautos auf der IAA. Vorreiter BMW zahlt mit dem engagierten, aber zu weiten Teilen am Markt vorbei entwickelten i3 gerade das Lehrgeld für alle anderen mit, hält aber selbstverständlich an dem Karbon-Modell mit den gegenläufigen Türen und dem, vornehm ausgedrückt, gewöhnungsbedürftigen Aussehen weiter fest und spendiert ihm sogar zehn kW mehr Leistung sowie ein paar Retuschen an der Karosse. In Rot sieht der i3s jetzt tatsächlich passabel aus.

          Die Brennstoffzelle ist in Vergessenheit geraten

          Neue Wege geht BMW dagegen mit seiner Studie BMW i Vision Dynamics. Wie fast alle Concept Cars auf der Messe ist auch die BMW-Vision sofort als Studie auszumachen – flach, vier Türen, mehr Sportwagen denn Alltagsauto, aufregende Linien. Die Rede ist von 600 Kilometer Reichweite und einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h. Es fiel auf, dass bei der BMW-Präsentation am ersten Pressetag keine Rede vom brandneuen X3 war und auch der neue M5 nicht erwähnt wurde. Dabei werden die noch lange die Brötchen verdienen, um den elektrischen Hunger stillen zu können.

          Mercedes-Benz erinnert auf der IAA an eine Technik, die ein wenig ins Abseits geraten ist, obwohl sie einige Vorteile bietet: die Brennstoffzelle. Zudem kombiniert der GLC F-CELL, der sich rein äußerlich kaum vom konventionellen GLC unterscheidet, den Brennstoffzellen- mit einem Batterieantrieb. Neben Wasserstoff kann dieser GLC auch Strom fassen. Mit 4,4 Kilogramm H2 an Bord produziert das „Vorserienmodell“ genügend Energie für eine Reichweite von knapp 440 Kilometern. Dazu kommen knapp 50 Kilometer aus einer Lithium-Ionen-Batterie. Bisher hatten Brennstoffzellen-Autos (Toyota, Honda Hyundai) nur eine Pufferbatterie. Problem ist das fehlende Tankstellennetz, an dem aber europaweit gearbeitet wird. Dazu zeigt das Concept EQA, wie der erste vollelektrische Mercedes-Benz im Kompaktsegment aussehen kann.

          Weitere Themen

          Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff Video-Seite öffnen

          Nachhaltiges Fliegen? : Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff

          Der Kraftstoff SAF sei nachhaltig produziert worden, hauptsächlich aus Lebensmittelresten. Lufthansa Cargo arbeitet zusammen mit DB Schenker. Der Sprit für den Jungfernflug wurde angekauft. Der nächste Schritt sei nun, den Treibstoff in Proberaffinerien herzustellen.

          Topmeldungen

          Angeschlagener DFB-Präsident: Am Ende des „Falls Löws“ könnte der Sturz von Fritz Keller (links) stehen.

          Machtkampf im kriselnden DFB : Unter Geiern

          Der Fall „Löw“ ist ein exemplarisches Beispiel für das systemische Versagen des DFB. Zu Hochform laufen einige Funktionäre im Führungszirkel nur noch auf, wenn es um Machterhaltung und Fallenstellen geht.
          Eine riesige Euro-Münze überragt die Menschen in der Innenstadt von Frankfurt am Main als die ersten Euro-Starterkits mit einem Sortiment von Euro-Münzen ausgegeben werden.

          Einführung des Euro 2002 : Schon wieder neues Geld

          Auf ihre D-Mark waren die Deutschen so stolz wie auf ihre Nationalmannschaft. Entsprechend emotional einschneidend war für viele die Einführung des Euros am 1. Januar 2002. Teil 16 unserer Serie „Deutschland seit 1945“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.