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Renovierte Mercedes S-Klasse : Aus Wellness am Fahren

  • -Aktualisiert am

Erst im Jahr 2013 gestartet, schon renoviert: die S-Klasse Bild: Hersteller

Mercedes erfrischt die S-Klasse. Sie kommt mit Reihensechszylinder, ohne Keilriemen und hat 48 Volt an Bord. Einige der Innovationen werden deutlich spürbar sein.

          „Extrem wichtig“ ist die S-Klasse für die Stern-Marke, sagt der freundlich-energische Ola Källenius. Und nicht nur für die „sehr starke Position“ im Markt, sondern auch für den technischen Fortschritt der gesamten Marke. Der Mann muss es wissen, denn Källenius ist Entwicklungschef von Mercedes-Benz Cars und hat trotz intensiver Aktivitäten zur Vorbereitung des autonom fahrenden Autos sowie der batterieelektrischen Mobilität noch Zeit für zwei neue Triebwerkfamilien gefunden. Denn ins mittlere Motorenmanagement der Oberklasselimousine zieht wegen des kultivierteren Laufverhaltens wieder die Anordnung der sechs Zylinder in Reihe (oder auch Linie genannt) ein.

          Zwei Aggregate wurden dafür neu entwickelt, sie lösen die weniger seidig laufenden V6-Motoren ab, je einer für die Diesel- und einer für die Otto-Fraktion, beide mit unterschiedlichen Leistungen. Zudem summt und säuselt ein neuer V8-Treibsatz unter der Haube, insgesamt eine Milliardeninvestition, die keiner tätigte, wenn die Verbrennertechnologie vor dem kurzfristig anberaumten Ende stünde.

          Allerdings nimmt der Benziner-R6 erst zum Herbst für den Kunden seine Arbeit in der S-Klasse auf, deshalb besteht das Verkaufsprogramm der großen Limousine unterhalb der V12-Versionen vorerst nur aus drei Typen, alle ausgerüstet mit dem Allradantrieb 4Matic und der neuen Neungangautomatik 9G-Tronic. Mit 2925 Kubikzentimetern sind die beiden Diesel im Hubraum identisch, in der Leistung jedoch unterschiedlich: Im S 350 d für 88 447 Euro gibt es 286 PS und ein Drehmoment von 600 Nm über 1200 bis 3200/min; der S 400 d führt 340 PS und ein Drehmoment von 700 Nm heran, er kostet 93 207 Euro. Beide S-Versionen werden bei 250 km/h eingebremst. Sie weisen einen Kombiniert-Verbrauch von 5,5 bis 5,7 Liter auf.

          In den neuen S 450 und S 500 arbeiten von September an zwei R6-Benziner mit jeweils 2999 Kubik Hubraum. Bilderstrecke

          In den neuen S 450 und S 500 arbeiten von September an zwei R6-Benziner mit jeweils 2999 Kubik Hubraum. Sie sind auf die neuen Verbrauchsmessungen auf der Straße ausgelegt und emittieren bis zu 22 Prozent weniger Kohlendioxid als ihre V8-Vorgänger. Im S 450 gehen 367 PS und ein Drehmoment von 500 Nm ans Werk; im stärkeren S 500 mit neuem V6 stehen 435 PS und ein Drehmoment von 520 Nm zur Verfügung – bei Verbrauchswerten von rund 6,6 Liter Super für einhundert Kilometer Strecke.

          Gleichzeitig tritt das 48-Volt-Bordnetz mit den neuen Sechszylindern an, weil Nebenaggregate von Elektromotoren betrieben werden, entfällt der Keilriemen, was modisch beltless genannt wird. Der neue R6-Motor bietet damit einen ungewohnten Anblick. Der neue V8 mit vier Liter Hubraum, Biturbo-Aufladung und Zylinderabschaltung leistet im S 560 in der Startkonfiguration 469 PS und bietet ein Drehmoment von 700 Nm auf. Mit Allradantrieb kommt er ab 113 960 Euro.

          In den neuen Reihensechszylindern ist die höhere Stromspannung wegen des Integrierten Starter-Generators mit seinem unterstützenden Elektromotor sowie wegen des zusätzlichen, elektrisch betriebenen Aufladesystems nötig geworden. Dieses arbeitet mit dem Abgasturbolader zusammen und sorgt schon in niedrigen Drehzahlen für höhere Leistung, damit wird die Mattheit des sogenannten Turbolochs beim Anfahren vermieden. Wobei die Leistung des Starter-Generators, der eine Kombination aus dem früheren Anlasser und der einstigen Lichtmaschine ist, satte 16 kW und immerhin 250 Nm beträgt.

          Damit könnte die S-Klasse ähnlich wie ein Hybridmodell ein paar Kilometer rein elektrisch fahren. Tut sie aber nicht, denn das bleibt für eine alsbald antretende Hybrid-Version mit rein elektrischer Reichweite von etwa fünfzig Kilometern reserviert. Mit der Elektrokraft aus dem Starter-Generator wird effektiv der Benziner ausschließlich unterstützt, damit er trotz höherer Leistungsforderung durch den Fahrer möglichst im verbrauchsgünstigeren Fenster betrieben werden kann.

          Neue Systeme zur Komfortsteuerung

          Die aktuelle Generation der S-Klasse ist erst im Jahr 2013 gestartet, aber sie ist offenbar bereits reif für eine umfassende Renovierung: „Technische Innovationen werden immer schneller umgesetzt in die Produktionsreife“, sagt Vorstand Källenius. Das zeigt sich besonders deutlich in jenen Disziplinen, die mit Sicherheitsassistenz für den Fahrer, mit Infotainment und mit dem aufkommenden autonomen Fahren zu tun haben. Zudem ziehen in die überarbeitete S-Klasse neue Systeme zur Komfortsteuerung ein, die unter dem Stichwort Wellness beim Fahren laufen.

          Spitzenränge im Modellprogramm halten der S 600 mit seinem prestigeträchtigen V12, der luxuriöse Maybach S 650 und die beiden überstarken AMG S 63 und S 65 mit 612 und 630 PS. Wobei fast alle S-Versionen mit kurzem oder langem Radstand offeriert werden. Und der technische S-Aufwand bis ins Detail wird offenbar von der Kundschaft honoriert: Immerhin wurden seit 2013 mehr als 300.000 S-Klasse Limousinen verkauft. Das ist tatsächlich keine unwichtige Menge.

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